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Thermometer mit Fruchtbarkeitskurve

Ler­nen, mit der Frucht­bar­keit um­zu­ge­hen

In­ter­view mit Kati Ga­ba­thuler


swiss­mom: Kön­nen Sie kurz er­läu­tern, was na­tür­li­che Emp­fäng­nis­re­ge­lung ist? 

Kati Ga­ba­thuler: Na­tür­li­che Emp­fäng­nis­re­ge­lung (NER) ist ein Weg ohne Che­mie - eine ge­sun­de, mo­der­ne, si­che­re und kos­ten­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zu al­len zur­zeit gän­gi­gen Ver­hü­tung­mit­teln. Da­bei be­zie­he ich mich auf die sym­pto-ther­ma­le Me­tho­de nach Röt­zer. Durch das täg­li­che Be­ob­ach­ten lernt die Frau, den Zer­vix­schleim als Zei­chen der mög­li­cher­wei­se frucht­ba­ren Tage zu deu­ten. Die­se Ab­son­de­rung stammt aus dem Ge­bär­mut­ter­hals, kann äus­ser­lich fest­ge­stellt und be­ur­teilt wer­den. Mit Hil­fe der Auf­wach­tem­pe­ra­tur, die in Ab­hän­gig­keit vom Zer­vix­schleim aus­ge­wer­tet wird, kann dann die si­cher un­frucht­ba­re Zeit be­stimmt wer­den. Die­se Me­tho­de er­laubt es, eine Schwan­ger­schaft ge­zielt an­zu­stre­ben oder sehr zu­ver­läs­sig zu ver­mei­den. 

swiss­mom: Na­tür­li­che Emp­fäng­nis­re­ge­lung ist nicht gleich­zu­set­zen mit Emp­fäng­nis­ver­hü­tung. Wo lie­gen die Un­ter­schie­de? 

Kati Ga­ba­thuler: Durch das Be­ob­ach­ten und Ver­ste­hen der Vor­gän­ge im Zy­klus lernt die Frau, mit ih­rer Frucht­bar­keit um­zu­ge­hen. Sie ver­hü­tet nicht, son­dern ver­hält sich ent­spre­chend. Ver­hü­tung ist ein Be­griff, der re­ser­viert ist für Me­tho­den, die eine Bar­rie­re dar­stel­len für das weib­li­che Ei oder den männ­li­chen Sa­men. Man­che die­ser Me­tho­den wir­ken auch erst nach der Be­fruch­tung. 

Zur Per­son

Kati und Walter Gabathuler

In der Stillzeit ihres vierten Kindes lernte Kati Gabathuler die sympto-thermale Methode nach Dr. Rötzer kennen. Zusammen mit ihrem Mann, Walter Gabathuler, leitet sie die Landesstelle Schweiz / Liechtenstein des Instituts für Natürliche Emfpängnisregelung (INER). Seit vielen Jahren leiten sie Kurse und beraten Paare, die sich für natürliche Empfängnisregelung interessieren. 

swiss­mom: Wel­che Aus­wir­kun­gen hat die na­tür­li­che Emp­fäng­nis­re­ge­lung auf die Ge­sund­heit und das Wohl­be­fin­den der Frau? 

Kati Ga­ba­thuler: NER ver­ur­sacht kei­ne ne­ga­ti­ven ge­sund­heit­li­chen Ne­ben­wir­kun­gen. Frau­en le­ben da­durch ge­sün­der. Ihre in­ne­re Ruhe wirkt sich auf den Zy­klus aus, der re­gel­mäs­si­ger wer­den kann. Auch bei ab­ge­schlos­se­nem Kin­der­wunsch be­hält die Frau ihre Frucht­bar­keit, was sich po­si­tiv aus­wirkt auf ihr psy­chi­sches Wohl­be­fin­den. Bei ei­nem un­er­füll­ten Kin­der­wunsch kann der Arzt auf­grund der Auf­zeich­nun­gen Hor­mon­be­stim­mun­gen und -be­hand­lun­gen zy­klus­ge­recht durch­füh­ren. Die­se er­ge­ben bes­se­re Re­sul­ta­te und kön­nen die The­ra­pie­dau­er ver­kür­zen, was Kos­ten spart und im End­ef­fekt das Ge­sund­heits­we­sen ent­las­tet. 

swiss­mom: Wel­che Aus­wir­kun­gen hat die­se Me­tho­de auf die Part­ner­schaft? 

Kati Ga­ba­thuler: NER för­dert das Ge­spräch, auch über ganz in­ti­me Be­rei­che. Ge­gen­sei­ti­ges Ver­trau­en und Re­spekt wach­sen, die Lie­be ver­tieft sich. Der Mann ist ein­be­zo­gen in das Zy­klus­ge­sche­hen und kann des­halb fein­füh­li­ger re­agie­ren auf even­tu­el­le Stim­mungs­schwan­kun­gen der Frau. Stu­di­en be­stä­ti­gen, dass Paa­re, die mit der NER le­ben, eine Schei­dungs­ra­te von le­dig­lich 3% auf­wei­sen. (Die Stu­di­en­re­sul­ta­te sind un­ter www.iner.org - Down­loads ab­ruf­bar.)

swiss­mom: Für wen eig­net sich die Na­tür­li­che Emp­fäng­nis­re­ge­lung? 

Kati Ga­ba­thuler: NER kann in al­len Le­bens­pha­sen der Frau ge­lebt wer­den. In re­gel­mäs­si­gen und un­re­gel­mäs­si­gen Zy­klen, bei Kin­der­wunsch, nach der Ent­bin­dung, in der Still­zeit und in den Wech­sel­jah­ren. Mäd­chen fällt es leich­ter, ihr "Frau­wer­den" an­zu­neh­men. Die Spra­che des Kör­pers ver­ste­hen zu ler­nen, ist da­her sinn­voll, lan­ge be­vor es um Emp­fäng­nis­re­ge­lung geht.  

swiss­mom: Wel­che Vor­aus­set­zun­gen müs­sen ge­ge­ben sein, da­mit ein Paar sich für die­sen Weg ent­schei­den kann?

Kati Ga­ba­thuler: Das Be­wusst­sein, dass man sich das Wis­sen an­eig­nen muss. Kurz­an­lei­tun­gen füh­ren zu Miss­ver­ständ­nis­sen, eine voll­stän­di­ge In­for­ma­ti­on ist un­er­läss­lich. Idea­ler­wei­se ge­hen bei­de Part­ner mit­ein­an­der die­sen Weg und tra­gen auch die Ver­ant­wor­tung ge­mein­sam. Das klei­ne Hand­buch von Jo­sef und Eli­sa­beth Röt­zer, "Na­tür­li­che Emp­fäng­nis­re­ge­lung - der part­ner­schaft­li­che Weg", ist sehr gut ge­eig­net zum Selbst­un­ter­richt. Es er­klärt al­les Schritt für Schritt. In den meis­ten Fäl­len kann schon der ers­te Zy­klus aus­ge­wer­tet wer­den. Kur­se und per­sön­li­che Be­ra­tung kön­nen je­der­zeit in An­spruch ge­nom­men wer­den. 

swiss­mom: In­wie­fern bie­tet die na­tür­li­che Emp­fäng­nis­re­ge­lung eine Un­ter­stüt­zung für Paa­re mit Kin­der­wunsch? 

Kati Ga­ba­thuler: In­dem das Paar die op­ti­mal frucht­ba­ren Tage ken­nen lernt und die­se ge­zielt nützt. Bei Paa­ren mit un­er­füll­tem Kin­der­wunsch sind Zy­klus­auf­zeich­nun­gen für den Arzt eine un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für die Ab­klä­rung der Frucht­bar­keit. Der Ge­burts­ter­min kann auch in be­son­ders lan­gen und un­re­gel­mäs­si­gen Zy­klen be­stimmt wer­den. Das hat auch in Zei­ten des Ul­tra­schalls sei­ne Be­deu­tung. 

swiss­mom: Wie zu­ver­läs­sig ist die Me­tho­de be­züg­lich der Ver­hü­tung ei­ner über­ra­schen­den Schwan­ger­schaft?

Kati Ga­ba­thuler: Bei Kennt­nis des Grund­wis­sens, ge­wis­sen­haf­ten Auf­zeich­nun­gen und dem Ein­hal­ten der Re­geln ist der Pearl In­dex deut­lich klei­ner als 1. In der eta­blier­ten Tem­pe­ra­tur­hoch­la­ge der sym­pto-ther­ma­len Me­tho­de nach Röt­zer ist der Pearl In­dex so­gar 0. In die­ser Zy­klus­pha­se kann man nicht schwan­ger wer­den. Be­din­gung ist, dass in den mög­li­cher­wei­se frucht­ba­ren Ta­gen kei­ne Ver­hü­tungs­mit­tel ver­wen­det wer­den, son­dern dass auf Ge­schlechts­ver­kehr ver­zich­tet wird. War­ten auf die si­cher un­frucht­ba­re Zeit ist an­ge­sagt. Das Paar zeigt sei­ne Lie­be, in dem es war­ten kann.  

swiss­mom: Es gibt ver­schie­de­ne Fak­to­ren, wel­che die Auf­wach­tem­pe­ra­tur be­ein­flus­sen kön­nen (Krank­heit, Stress, Al­ko­hol­kon­sum). Wie ist da­mit um­zu­ge­hen? 

Kati Ga­ba­thuler: Alle Vor­komm­nis­se, auch Er­käl­tun­gen, Ein­nah­me von Me­di­ka­men­ten, eine Rei­se mit Zeit­ver­schie­bung, Schicht­wech­sel etc. sind an den be­tref­fen­den Ta­gen zu no­tie­ren. Die Aus­wer­tungs­re­geln be­rück­sich­ti­gen das Vor­ge­hen bei ge­stör­ten Mes­sun­gen. 

swiss­mom: Der tech­ni­sche Fort­schritt macht auch vor der na­tür­li­chen Emp­fäng­nis­re­ge­lung nicht Halt. Tra­gen Zy­klus-Apps und Zy­klus­com­pu­ter dazu bei, die Me­tho­de ein­fa­cher und zu­ver­läs­si­ger zu ma­chen? 

Kati Ga­ba­thuler: Zy­klus­com­pu­ter ha­ben be­schränk­te Mög­lich­kei­ten. In lan­gen Zy­klen, der Still­zeit und in den Wech­sel­jah­ren sind sie nicht zu ge­brau­chen. Frau­en, die sich ein­zig auf den Zy­klus­com­pu­ter ver­las­sen, ent­geht lei­der der po­si­ti­ve As­pekt des sich Be­fas­sens mit dem ei­ge­nen Kör­per. Zy­klus-Apps ha­ben für mich als Be­ra­te­rin den ein­zi­gen Vor­teil, dass die Frau­en ihre Tage wie­der no­tie­ren, wie das frü­her üb­lich war. Vie­le Apps ver­spre­chen aber zu viel. Das Vor­aus­sa­gen des Ei­sprungs ist un­ver­ant­wort­lich. Frau­en, die die neue INER Cy­cle App be­nüt­zen, sind be­geis­tert. Die­ser App liegt die An­lei­tung aus dem Röt­zer-Buch zu­grun­de. Sie dient Paa­ren als prak­ti­sche Mög­lich­keit, ihre Auf­zeich­nun­gen am Smart­pho­ne zu füh­ren. Die Aus­wer­tung über­nimmt das Paar sel­ber. 

swiss­mom: Die na­tür­li­che Emp­fäng­nis­re­ge­lung gilt als um­welt­scho­nend. Kön­nen Sie dies nä­her er­läu­tern?

Kati Ga­ba­thuler: Das Was­ser wird durch die künst­li­chen Hor­mo­ne der me­di­ka­men­tö­sen Ver­hü­tung be­las­tet. Bei ver­schie­de­nen Tier­ar­ten ist das Ab­neh­men der Frucht­bar­keit des­we­gen schon seit Jah­ren be­legt. 

swiss­mom: Wäh­rend die Ge­nera­ti­on un­se­rer El­tern die Er­fin­dung der Pil­le als gros­se Be­frei­ung emp­fand, macht sich heu­te un­ter jun­gen Frau­en zu­neh­mend Skep­sis be­züg­lich der hor­mo­nel­len Ver­hü­tung breit. Wor­an liegt dies Ih­rer Mei­nung nach? 

Kati Ga­ba­thuler: Vie­len Frau­en wird be­wusst, wel­che ne­ga­ti­ven Fol­gen die Pil­le und alle an­de­ren hor­mo­nel­len Ver­hü­tungs­me­tho­den ver­ur­sa­chen kön­nen. Pro­ble­me durch Throm­bo­sen und Em­bo­li­en sind in letz­ter Zeit ver­mehrt pu­blik ge­wor­den, eben­so die Zu­sam­men­hän­ge mit Stim­mungs­schwan­kun­gen, Li­bi­do­ver­lust, Ge­wichts­zu­nah­me u.v.m. Ich er­le­be oft, dass Frau­en nach dem Ab­set­zen der Pil­le sa­gen: "Jetzt füh­le ich mich erst­mals als mich selbst" Dies auch dann, wenn nicht ein­mal die Ne­ben­wir­kun­gen der Grund da­für wa­ren, die Hor­mo­ne ab­zu­set­zen. Män­ner ha­ben schon be­rich­tet, wie froh sie sind, "nicht im­mer zu müs­sen", seit­dem sie mit ih­ren Part­ne­rin­nen NER le­ben. Sie schil­dern auch, dass sie viel mehr Span­nung im po­si­ti­ven Sinn er­le­ben, seit­dem die Frau nicht mehr un­ter Hor­mo­nen ste­he. 

Weiterführende Infos

Institut für natürliche Empfängnisregelung INER

Unabhängige Beratungsstelle für Schwangerschaft, Verhütung und Kinderwunsch: appella.ch 

Letzte Aktualisierung: 26.09.2018, TV

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