Anzeige
  • Kinderwunsch
    • Schwangerschaft
      • Geburt
        • Wochenbett
          • Baby
            • Kind

              • Stillen
                • Krankheiten
                  • Familie
                    • Frau
                      • Erziehung
                        • Vater werden
                          • Gesund Leben
                            • Arbeit, Recht und Finanzen

                              Monat8 BNL Kolumne Geschwisterliebe

                              8. Mo­nat - "Zwei Her­zen in ei­ner Mut­ter­brust"


                              Emil krab­belt. Die müt­ter­li­che Sei­te in mir platzt vor Stolz, wäh­rend die an­de­re, eher prak­tisch und ra­tio­nal den­ken­de Sei­te beim Ge­dan­ken dar­an an Schnapp­at­mung lei­det. Jetzt ist die Ruhe also kom­plett vor­bei. Wenn ich ver­hin­dern will, dass der eine die Trep­pe run­ter­stürzt, wäh­rend der an­de­re sei­nen Kopf in den Ofen steckt, muss ich mich ab jetzt also min­des­tens zwei­tei­len. An­de­rer­seits ist es ja auch wirk­lich süss, wie Emil sich zu­erst auf die Ze­hen­spit­zen stellt und sei­nen Popo hoch in die Luft streckt, um dann mit ei­nem frosch­ähn­li­chen Hop­ser ein paar Zen­ti­me­ter wei­ter vor­ne auf dem Bauch zu lan­den. 

                              Lei­der hat die neu­ge­won­ne­ne Mo­bi­li­tät auch dazu ge­führt, dass Emil nun stän­dig mit ei­ner Ziel­stre­big­keit auf die Spiel­sa­chen von Ju­li­us los­geht und sie ihm vor der Nase weg­schnappt. Ju­li­us zeigt sich seit­dem nicht mehr ganz so lie­be­voll und zärt­lich ge­gen­über sei­nem klei­nen Bru­der wie bis­her, son­dern zieht ihm hin und wie­der ein­fach mal eins über. Er haut, tritt und beisst Emil im­mer ge­nau in den zwei Se­kun­den, in de­nen ich es wage, ih­nen den Rü­cken zu keh­ren. Emil fin­det das zwar meis­tens so­gar lus­tig und lacht zu­nächst noch, bis der Schmerz dann doch über­wiegt und es ei­nen lau­ten Auf­schrei gibt. Man kann die bei­den also nie­mals al­lei­ne im sel­ben Raum las­sen. Dass Brü­der sich strei­ten, viel­leicht so­gar mal hand­greif­lich wer­den, da­mit habe ich ja ge­rech­net. Aber dass das jetzt schon los­geht, wenn ei­ner von bei­den noch so hilf­los ist und sich nicht weh­ren kann, das hät­te ich nicht ge­dacht. Nun muss ich die Bei­den also nicht mehr nur da­vor be­schüt­zen, sich sel­ber ir­gend­wo hin­un­ter zu stür­zen, son­dern auch noch vor­ein­an­der. 

                              In an­de­ren Mo­men­ten sind sie dann aber wie­der ein Herz und eine See­le, ku­scheln und knut­schen und ki­chern um die Wet­te. Letz­te Wo­che hat Ju­li­us Emil auf dem Spiel­platz in der Schau­kel an­ge­schubst und ich stand da­ne­ben und hör­te mein müt­ter­li­ches Herz vor Stolz und Freu­de laut po­chen. Viel­leicht heisst das jetzt auch, dass ich nicht mehr al­lei­ne für das An­schub­sen, mit­rut­schen und Sand­ku­chen es­sen zu­stän­dig bin. Her mit der Gala und dem Lat­te Mac­chia­to, ihr fin­det mich auf der Bank!

                              Die­se zwei Her­zen in mei­ner Brust, die müt­ter­li­che und die ra­tio­nal den­ken­de, die be­glei­ten mich üb­ri­gens auch in an­de­ren Be­lan­gen. So lang­sam ma­che ich mir Ge­dan­ken dar­über, wie es mit mei­ner be­ruf­li­chen Zu­kunft wei­ter­geht, ob und wie lan­ge ich noch zu Hau­se bei den Kin­dern blei­ben will und wie sich das al­les auf un­ser Fa­mi­li­en­le­ben aus­wir­ken könn­te. Ei­ner­seits ge­nies­se ich je­den Tag mit den bei­den Ra­ke­ten und wür­de um kein Geld der Welt mit ei­ner voll be­rufs­tä­ti­gen Mut­ter tau­schen, auch wenn ich de­ren Be­weg­grün­de sehr gut nach­voll­zie­hen kann. An­de­rer­seits wird es für mich na­tür­lich auch im­mer schwe­rer, im Be­rufs­le­ben wie­der Fuss fas­sen zu kön­nen, je län­ger die Ar­beits­pau­se aus­fällt. Mo­men­tan sehe ich kei­ne an­de­re Lö­sung, als bei den Kin­dern zu blei­ben, da eine Voll­zeit­be­treu­ung in der Krip­pe oder durch eine Ta­ges­mut­ter mei­nen Lohn zu ei­nem so gros­sen Teil schlu­cken wür­de, dass es sich fi­nan­zi­ell un­ter dem Strich kaum loh­nen wür­de, mor­gens aus dem Haus zu ge­hen. Je­den­falls nicht, wenn man es mit dem auf­wie­gen wür­de, was ich da­durch al­les ver­pas­sen wür­de: ers­te Schrit­te, ers­te Wor­te, ers­te Prü­ge­lei­en un­ter Brü­dern… 

                              Ca­ro­li­ne Haf­ner schreibt in den ers­ten 8 Le­bens­wo­chen ih­res Emils wö­chent­lich, da­nach mo­nat­lich über Ihre Er­fah­run­gen als jun­ge Mut­ter. Fort­set­zung folgt...

                              Letzte Aktualisierung: 11.06.2021, swissmom-Redaktion
                              Anzeige
                              Anzeige