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Baby | Pflege

Hautpflege bei Babies: Wie sanft soll sie sein?

swissmom: Können Sie uns kurz den Aufbau der Haut erklären?

Dr.R. Kaiser: Die Haut ist das grösste Organ des Körpers und schützt uns vor äusseren Einflüssen. Sie besteht aus mehreren Hautschichten. Sie enthält eine Vielfalt von Sinnesrezeptoren und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Körpertemperatur. Sie dient aber auch als Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Schmerz, Berührung, Kälte und Wärme. Beim Blick in den Spiegel oder beim Anblick anderer Menschen sehen wir die oberste Schicht der Haut, Oberhaut genannt. Die weiteren Schichten werden als Lederhaut und Unterhaut bezeichnet. Haare, Hautdrüsen und Nägel gehören zu den Hautanhangsgebilden.

Die Oberhaut ist je nach Körperregion zwischen 0.03 mm und 4 mm dick. Sie hat keine Gefässe und besteht aus einem mehrschichtigen, verhornten Plattenepithel, das hauptsächlich aus Keratinozyten (kernhaltige Hornzellen) aufgebaut ist. Diese Zellen produzieren das Keratin (Hornstoff). Keratin ist wasserabweisend und eine mechanisch schützende Schicht, die gleichzeitig auch für die Festigkeit der Haut verantwortlich ist. Im Weiteren findet man in der Epidermis Melanozyten, die das Pigment Melanin synthetisieren, wenn sie dem UV Licht ausgesetzt sind. Durch die Pigmentierung färbt sich die Haut leicht braun und baut so einen wichtigen Schutz vor Sonnenbestrahlung auf. Zum Immunsystem der Haut zählen spezifische Langerhanszellen, die auch an der Entstehung von Hautallergien beteiligt sind. Die Lederhaut liegt direkt unter der Oberhaut und ist ein unterstützendes Gewebe, das der Haut Elastizität verleiht. Es finden sich in ihr Gefässe, Schweissdrüsen, Haarfollikel, Kollagen- und Elastin-Fasern. Sie beherbergt ebenso spezielle Zellen wie Makrophagen und Lymphozyten, aber auch Fibroblasten, die das Bindegewebe bilden. Die Dicke der Lederhaut ist im Bereich der Hand- und Fusssohlen bis zu 2.4 mm dick. An Augenliedern, Penis und Hodensack dagegen nur 0.3 mm dünn. Sie verleiht der Haut Reissfestigkeit und die Möglichkeit zur elastischen Dehnung. UVA-Strahlen (Sonnenlicht, Solarium) bewirken einen Elastizitätsverlust der Kollagenfasern und sind verantwortlich für die vorzeitige Hautalterung. Die Unterhaut besteht aus losem Bindegewebe und Fett. Die Fettzellen dienen als Energiespeicher und zur Wärmeisolation.

Zur Person

Dr. Renato Kaiser ist promovierter Apotheker und ist für Neuentwicklungen und Pflege der Produkte-Linie Pelsano verantwortlich.

Zur Person

swissmom: Warum soll die Hautpflege bei Babies und Kleinkindern sanft sein?

Dr. R. Kaiser: Babies und Kleinkinder besitzen eine sehr empfindliche Haut. Die Haut reagiert sofort mit Hautrötungen, wenn aggressive Substanzen auf die Haut gelangen. Das sieht die Mutter täglich beim Windeln wechseln.

swissmom: Welche Produkte empfehlen Sie?

Dr. R. Kaiser: Ich empfehle Produkte, die speziell für empfindliche Haut von Babies und Kleinkindern konzipiert wurden – also Inhaltsstoffe enthalten, die gut verträglich sind und kein oder nur geringes Allergiepotenzial besitzen. Präparate für Babies oder Kleinkinder sollten frei von Parfümstoffen sein oder mit Duftstoffen parfümiert werden, bei denen das Allergiepotenzial sehr klein ist. Sonnenschutzpräparate auf der Basis von Mikropigmenten sollte der Vorzug gegeben werden. Produkte mit chemischen UV-Filtersubstanzen sind für Säuglinge nicht geeignet.

swissmom: Was soll vermieden werden?

Dr. R. Kaiser: Es gibt eine ganze Reihe von kritischen Inhaltsstoffen, die nicht in Kosmetikprodukte für Babies und Kleinkinder gehören. Zu diesen kritischen Stoffen gehören z.B. Formaldehyd/ Formaldehydabspalter (Konservierungsmittel), polycyclische Moschusverbindungen (Duftstoffe), Phthalate (Weichmacher) und halogen-organische Verbindungen (Konservierungsmittel, Feuchthaltemittel). Kritisch sind auch Parfüm- und Duftstoffe mit grossem Allergierisiko (Isoeugenol, Cinnamal, Cinnamyl Alcohol, Hydroxycitronellal, Lyral). Vermieden sollten auch kosmetische Präparate, die Farbstoffe enthalten, unter denen es eine ganze Reihe gibt, die unter Allergieverdacht stehen. Umstritten sind auch verschiedene Tenside/Emulgatoren (z.B. PEG-Verbindungen). Diese können die Barrierefunktion der Haut beeinträchtigen und die Haut durchlässiger machen für Schadstoffe. Bei der Entwicklung der Pelsano-Produkte, die speziell für Kinder und Erwachsene mit empfindlicher Haut konzipiert sind, ist uns die beschriebenen Aspekte sehr wichtig.

Swissmom: Welche Faktoren sind zu beachten bei Kindern mit Neurodermitis oder mit einer Atopie?

Dr. R. Kaiser: Zu den atopischen Erkrankungen, die in den letzten Jahrzehnten deutlich an Häufigkeit zugenommen haben, zählen neben dem allergischen Schnupfen und/oder der allergischen Bindehautentzündung, das allergische Asthma bronchiale und insbesondere das atopische Ekzem (Neurodermitis).Das atopische Ekzem  ist eine entzündliche, chronisch verlaufende Hauterkrankung, die nicht ansteckend ist. Ihr vorherrschendes Symptom ist der Juckreiz. Bei Säuglingen manifestiert sich die Erkrankung häufig als Milchschorf. Bis zum zweiten Lebensjahr sind vor allem Gesicht, Hals, die Streckseiten der Arme und Beine sowie die Hand- und Fussgelenke betroffen. Es finden sich Hautrötungen, welche zum Teil nässen beziehungsweise Krustenauflagerungen aufweisen. Mit zunehmendem Alter treten dann die typischen Beugenekzeme an Kniekehlen und Ellenbeugen auf (Rötung, Schuppung, Vergröberung der Hautfelderung, Kratzspuren). Es besteht kein Zweifel daran, dass eine erbliche Veranlagung als Grundbedingung für das Auftreten eines atopischen Ekzems anzusehen ist. Das Risiko, dass ein Kind ein atopisches Ekzem, einen Heuschnupfen oder ein Asthma entwickelt, ist am höchsten, wenn beide Elternteile unter der gleichen atopischen Erkrankung leiden (60 bis 80 Prozent). Das Risiko, wenn kein weiteres Familienmitglied an einer dieser Erkrankungen leidet, ist deutlich geringer (ca.15 Prozent). Das erstmalige Auftreten oder die Verschlechterung eines bereits bestehenden atopischen Ekzems hängt von zahlreichen Umweltfaktoren ab. So können verschiedene Stoffe unspezifische Reize auf der Haut/Schleimhaut auslösen, die typischerweise zu Austrocknung und/oder Irritation der Haut mit nachfolgendem Juckreiz führen. Daher ist die richtige Wahl eines kosmetischen Präparates für die Anwendung auf der Haut gerade bei Kindern mit atopischen Ekzem sehr wichtig. Im Einzelfall kann sogar die Durchführung eines Pflastertestes (Epikutantest) sinnvoll sein. Produkte, die reizend sind oder Allergien auslösen können, sind unbedingt zu meiden. Die Rolle allergischer Reaktionen beim atopischen Ekzem ist im Einzelfall genau zu überprüfen. Mit verschiedenen Hauttestungen und Blutuntersuchungen lassen sich zahlreiche Umweltallergene nachweisen, wie z.B. Allergien auslösende Nahrungsmittel, aber auch Hausstaubmilben, Tierhaare, Pollen, aber auch Allergien auslösende Stoffe, die in kosmetischen Produkten enthalten sein können. In verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Nahrungsmittel bei 20 bis 40 Prozent der Neurodermitiker (bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen) die Erkrankung unterhalten bzw. neue Schübe auslösen können. Für Säuglinge und Kleinkinder sind Milch, Hühnerei, Soja, Weizenmehl, Haselnuss, Fisch und Erdnuss die häufigsten Auslöser, während dies für die Erwachsenen die sogenannten pollenassoziierten Nahrungsmittelallergene (rohes Kern- und Steinobst, Nüsse, Sellerie, Kräuter und Gewürze, Erdnuss, Fisch und Getreide) sind.

swissmom: Sollen Kinder von Eltern, die an Allergien leiden auch gewisse Stoffe vermeiden?

Dr. R. Kaiser: Ja. Allergien werden im Laufe des Lebens erworben. Dies erfolgt über den direkten Kontakt zu Allergien auslösenden Stoffen, wobei es zu einer Sensibilisierung kommen kann. Allergien werden eigentlich nicht direkt vererbt. Es ist aber davon auszugehen, dass sämtliche Allergien, die bei einer werdenden Mutter akut oder latent vorhanden sind, auf das Kind zumindest unterschwellig übertragen werden.

swissmom: Wie lange soll man Produkte für Kleinkinder und Babies anwenden?

Dr. R. Kaiser: Kosmetische Produkte können – wenn kein Verfallsdatum aufgedruckt ist – während 30 Monaten angewendet werden. Ansonsten gilt das auf der Packung aufgedruckte Verfallsdatum (EXP, anwendbar bis). Neuerdings wird auf kosmetischen Produkten neben dem Verfallsdatum auch angegeben, wie lange man das Produkt anwenden kann, wenn es einmal geöffnet ist. Die Zahl neben dem offenen Töpfchen gibt die Anzahl Monate an, bei denen das Produkt nach dem Öffnen angewendet werden kann. Selbstverständlich sollten Produkte, deren Qualität nicht mehr gegeben ist (z.B. ranzige Crèmen und Salben) nicht mehr angewendet werden.

Letzte Aktualisierung : 18-11-19, RRK

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