3. Woche - "Brüstenzündung?!"

Jetzt hat es mich tatsächlich schon erwischt. Eine Brustentzündung nach nur zweieinhalb Wochen. Da ich vor zwei Jahren, nach meiner ersten Geburt, bereits eine heftige Brustentzündung mit Spitalaufenthalt hatte, wusste ich gleich, was los war.

Es fing alles damit an, dass ich mir wohl etwas zu viel zugemutet hatte. Weil ich mich schon wieder so gut und fit fühlte, und überhaupt nicht mehr „wochenbettig“, benahm ich mich auch nicht dementsprechend. Ich stürzte mich kopfüber in die Partyorganisation für den 30. Geburtstag meiner besten Freundin. Das war natürlich schon länger geplant, und während der letzten Monate der Schwangerschaft kam mir diese Ablenkung auch sehr gelegen. Nur hatte ich natürlich nicht daran gedacht, dass neben der aufwendigen Organisation im Vorfeld auch am Tag der Party selber noch einige Dinge zu erledigen sein würden. Ich düste also – immer mit Emil im Schlepptau – zwischen der Partylocation und irgendwelchen Last Minute Besorgungen hin und her, kümmerte mich um die Deko und wies das Catering ein. Zwischendurch blieb nicht viel Zeit zum Stillen, und so versuchte ich es immer irgendwie zwischen Tür und Angel hinter mich zu bringen. Am Abend selber war Emil natürlich auch dabei, und schlief die meiste Zeit friedlich in seiner Babyschale. Alle zwei Stunden setzte ich mich in eine ruhige Ecke und stillte ihn – und spürte dabei immer grössere Schmerzen.

Am nächsten Morgen waren die Schmerzen bereits so gross, dass ich meine Hebamme anrief und sie zu mir bestellte. Ich wusste, dass es ein Milchstau sein musste, wenn nicht sogar eine Brustentzündung. Die Hebamme kam dann gleich vorbei und massierte meine geschwollenen, geröteten Brüste aus, was sie die nächsten zwei Tage noch je zweimal wiederholte. Am dritten Tag war auch sie der Meinung, dass es sich wohl bereits entzündet haben musste, und empfahl mir, in den Notfall des Frauenspitals zu fahren, um es kontrollieren zu lassen.

Ich bin der grösste Fan des Frauenspitals ins Basel, ohne Zweifel. Beide Geburten verliefen einwandfrei, und auch bei den vorgeburtlichen Kontrollen habe ich mich stets sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt. Diesmal war jedoch alles anders. Nachdem wir Julius bei meiner Schwiegermutter abgesetzt hatten, wurden mein Mann, Emil und ich im Notfall des Spitals von einer etwas älteren, schrulligen Hebamme in Empfang genommen. Nachdem sie mich bereits bei der telefonischen Anmeldung auf alle Gründe für einen Milchstau hingewiesen hatte („Ja, ich halte die Brüste immer warm. Ja, ich trinke genug. Ja, ich lasse ihn die Brust immer komplett leeren. Ja, ich kühle sie nach dem Stillen. Naja gut, ein bisschen Stress hatte ich vielleicht….“), musste ich mir den kompletten Vortrag in der Notaufnahme noch einmal anhören. Ich fühlte mich wie eine eingeschüchterte Primarschülerin, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatte, und nach dem Unterricht zum Lehrer zitiert wurde um eine Standpauke zu erhalten.

Nachdem dann alle möglichen Ursachen geklärt waren, tastete sie endlich meine Brüste ab, um mir prompt zu sagen, sie könne keinen Stau feststellen. Auch die Ärztin, die noch dazu kam, konnte keine Verhärtung ertasten. Ich konnte es kaum fassen und bestand auf einer Blutentnahme. Natürlich hielten mich alle für hysterisch und viel zu wehleidig, aber ich war mir so sicher, dass etwas nicht stimmte. Als der „Drachen“, wie mein Mann und ich die Notfall-Hebamme im Nachhinein gerne nennen, mir dann auch noch sagte, ich wirke auf sie sehr frustriert und sollte mir doch mal überlegen, ob das Stillen überhaupt das Richtige für mich sei, war mir nur noch zum Heulen zumute. Ich hatte einen solchen Kloss im Hals, dass ich darauf nicht einmal antworten konnte.

Wieder zu Hause angekommen, legte ich mich gleich ins Bett, stillte Emil und heulte mich dabei in den Schlaf. Ich hatte immer noch starke Schmerzen und fühlte mich nicht ernst genommen.

Am nächsten Morgen kam dann der Anruf aus dem Spital: Die Ergebnisse der Blutuntersuchungen seien jetzt da, ich hätte ziemlich hohe Entzündungswerte und sollte sofort mit einer 7-tägigen Antibiotikakur beginnen. Das Rezept wurde umgehend in die Apotheke gefaxt. Ich war einfach nur erleichtert, dass ich nun Gewissheit hatte. Wir kennen unseren Körper doch immer noch am besten! 

Inzwischen sind die Symptome der Entzündung wieder abgeklungen. Nach einigen Tagen Antibiotika-Einnahme, regelmässigem Abpumpen und Kühlen der Brust geht es mir nun wieder besser. Leider hat die Milchproduktion etwas nachgelassen und ich muss Emil öfter anlegen. Ich hoffe, dass sich das schnell wieder einpendelt!

Caroline Hafner schreibt in den ersten 8 Lebenswochen Ihres Emils wöchentlich, danach monatlich über Ihre Erfahrungen als junge Mutter. Fortsetzung folgt...