Mutter mit Baby in der Babytrage im Hochgebirge
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Stimmt das wirklich? Alles über Babymythen

Wir räumen mit alten "Weisheiten" auf.

Junge Eltern werden schon vor der Geburt mit "Ammenmärchen" überschüttet... und nach der Geburt geht es von allen Seiten mit gutgemeinten Ratschlägen weiter - aber nicht immer stimmt alles, was da behauptet wird. Das meiste gehört in den Bereich der "Baby-Mythen".

Alle Neugeborenen haben blaue Augen.

Die Augenfarbe wird durch Pigmentzellen bestimmt, die sogenannten Melanozyten, die sich in der Regenbogenhaut (Iris) befinden. Diese Pigmentzellen bilden ein braunes Pigment, das Melanin. Melanin ist auch dafür verantwortlich, dass sich Haut und Haare dunkel färben. Sind viele Melanozyten vorhanden, erscheint die Iris braun oder schwarz. Ohne Melanozyten ist die Iris grau-blau. 

Neugeborene, zumindest diejenigen mit europäischstämmigen Eltern, haben häufig noch keine Melanozyten in der Iris, weil sich die Pigmentbildung erst noch entwickeln muss. Mit etwa einem halben Jahr ist jedoch meist die endgültige Augenfarbe erkennbar.

Babys soll man ganz oft die Haare schneiden, dann wachsen sie kräftiger.

Nein, das ist ein uralter Irrglaube. Eltern, die zur Schere oder zum Rasierapparat greifen, um den Haarwuchs anzuregen, tun ihrem Baby keinen Gefallen.Dichte und Struktur der Haare sind durch unsere Gene, unsere Ernährung und die hormonelle Situation bestimmt. Daran ändert Haareschneiden nichts. Allerdings fühlt sich geschnittenes Haar etwas fülliger an, weil die Spitzen stumpf sind.

Andererseits spricht aber auch nichts dagegen, im ersten Lebensjahr die Haare zu schneiden. Das ist eine genauso falsche Behauptung! 

Mit Babys darf man nicht in die Berge gehen

Problematisch ist vor allem die rasche Überwindung einer Höhendifferenz, also z.B. mit einer Seilbahn. Das gibt oft Ohrenschmerzen. Das andere Problem ist die niedrigere Sauerstoffsättigung in der Höhe. Säuglingen und Kleinkindern wird dann möglicherweise übel und schwindelig.

Wir empfehlen, in den ersten drei Lebensjahren nicht über 2500 m aufzusteigen. Aber diese Höhenmeter sind nur ein Richtwert. Wenn Sie schon normalerweise auf einer gewissen Höhe leben oder Sie längere Ferien in den Bergen machen und Ihr Kind langsam an die Höhe gewöhnt wird, wenn es keine Zeichen von Müdigkeit, Unwohlsein, Übelkeit zeigt, sind auch ein paar hundert Meter mehr zu vertreten. Sehr wichtig ist reichlich Flüssigkeitszufuhr.

Mit neun Monaten muss ein Baby krabbeln 

Im Durchschnitt krabbeln Babys mit neun Monaten - plus/minus zwei bis drei Monate sind aber auch noch normal. Und manche Kinder lassen diesen Entwicklungsschritt tatsächlich aus. Sorgen machen muss man sich deshalb aber nicht, wenn das Kind ansonsten altersgerechte Bewegungen zeigt und an seiner Umgebung interessiert ist. Das wird Ihr Kinderarzt, Ihre Kinderärztin bei einer der vorgesehenen Routineuntersuchungen sicher prüfen. 

Schreien lassen kräftigt die Lungen

Nein, das ist ein alter Irrglaube aus Urgrossmutters Zeiten. Die Lungenfunktion ist schon unmittelbar nach der Geburt ausgereift. Lungenflügel und -bläschen entwickeln sich dann durch das normale Wachstum weiter. Zusätzliches „Training“ ist dafür nicht erforderlich. 

Blitzlicht schadet Baby-Augen

Entgegen der weitläufigen Meinung, Blitzlicht würde Baby-Augen schaden, sieht der Berufsverband der deutschen Augenärzte darin keine Gefahr. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, kann indirekt blitzen, indem man den Blitz zum Beispiel gegen die Decke richtet. Das erhöht zugleich auch die Qualität der Aufnahme. 

Haustiere würden ein Baby niemals angreifen

Nein. Den vielzitierten Welpenschutz gibt es eigentlich gar nicht, höchstens eine etwas höhere Toleranzschwelle gegenüber den Tierbabys. Das kann man aber nicht einfach auf Menschenbabys übertragen.

Im Gegenteil: Wenn ein Kind vor einem Hund davonläuft, kann das erst recht seinen Jagdinstinkt herausfordern und er sieht das Kind als Beute. Und ein Hund, der rührend den Kinderwagen bewacht, kann im nächsten Moment zuschnappen, wenn er geärgert wird. Deshalb sollten Babys und Kleinkinder niemals mit einem Hund allein sein. 

Bei einer neuen Schwangerschaft muss man abstillen

Eine Mangelsituation wird bei hochwertiger, vernünftiger Ernährung und sicherheitshalber zusätzlicher Kalzium-,  Multivitamin- und Eisensubstitution bei Ihnen oder Ihrem ungeborenen Kind höchstwahrscheinlich nicht eintreten. Aber je weiter Sie mit der Schwangerschaft sind, umso empfehlenswerter wäre es doch, langsam abzustillen. Der Grund liegt in der Oxytocin-Ausschüttung durch die Brustwarzenstimulation, die zu vorzeitigen Wehen führen kann. Es gibt sogar Frauen, die das Stillen nach der Geburt erfolgreich mit zwei unterschiedlich alten Kindern bewältigen (Tandemstillen).

Frauen mit kleinen Brüsten können nicht stillen

Kleine Brüste geben nicht genug Milch - das ist ganz falsch. Es ist völlig egal, wie gross der Busen ist: Entscheidend ist die Menge an Drüsengewebe. Das kann bei einer Frau mit grossen Brüsten durchaus kleiner sein als bei einer mit kleinen oder mittleren Brüsten. Die Brust ist kein Milchreservoir sondern eine Produktionsstätte.

Durch Sport wird die Muttermilch sauer

Sport und Stillen sind kein Entweder/Oder! Ein Rückgang der Milchproduktion kann eigentlich nur passieren bei Sportarten, die die Brustmuskulatur extrem stark beanspruchen. Ein Märchen ist jedoch das Gerücht, beim Sport würde die Brustmilch "sauer". Allerdings kann sich der Milchgeschmack ganz leicht verändern, wenn es die Mutter mit dem Sport total übertrieben und sich vollkommen ausgepowert hat. Ihrem Baby wird sie deshalb nicht weniger gut schmecken!

Wenn die ersten Zähnchen da sind, sollte die Mutter abstillen

Wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, muss keineswegs abgestillt werden. Viele Mütter stillen zwar ab, weil sie Angst haben, dass es ungemütlich wird, wenn das Baby sie in die Brust beisst. Doch das ist – theoretisch – eigentlich nicht möglich, denn noch fehlt dem Zahn-Neuling der Gegenbiss. Und die unteren Zähne sind beim Saugen durch die Zunge des Kindes verdeckt.

Praktisch passiert es aber dennoch, dass ein Baby mal zubeisst, und zwar meist gegen Ende der Mahlzeit, wenn es keinen Hunger mehr hat und herumspielt. Am besten nimmt man das Baby dann von der Brust und zeigt deutlich, dass es wehgetan hat. Schon ein Säugling versteht das. 

Bernsteinketten helfen gegen Schmerzen beim Zahnen

Ketten aus versteinertem Harz (Bernstein) sollen laut Steinheilkunde das Zahnen erleichtern und sind deshalb als Geschenk für junge Eltern beliebt. Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür nicht. Aber man kann ja trotzdem daran glauben - frei nach dem Motto "Nützt es nicht, so schadet's nicht"... 

Steinheilkundler raten, den Bernstein direkt auf der Haut zu tragen. Jedes Kind soll eine eigene Kette haben, weil sich die Schwingungen des Trägers auf die Kette übertragen. Deshalb ist es angeblich auch günstig, wenn die Mutter die Kette eine Zeitlang trägt, bevor sie diese an das Kind weitergibt. 

Achten Sie sicherheitshalber darauf, dass die Steine einzeln verknotet sind. Bei starker Belastung sollte sich ein Sicherheitsverschluss öffnen, aber die Schnur darf nicht reissen, wenn Ihr Kind damit beim Spielen hängen bleibt. Einzelne Perlen könnte es verschlucken oder sich in Nase oder Ohr stecken

Zahnen führt zu Fieber und Durchfall

Nicht unbedingt. Experten schliessen nicht aus, dass der Stress beim Zahndurchbruch die Darmtätigkeit beschleunigt und zu leichtem Durchfall führen kann. Viele Babys haben auch Fieber, wenn die Zähne kommen – doch das ist eine zufällige Überschneidung. Für einige Wehwehchen, die das Kind jetzt plagen, gibt es in diesem Alter andere Gründe:

  • Der Nestschutz und damit die Unterstützung durch mütterliche Abwehrstoffe nimmt ab dem Alter von vier Monaten rapide ab. Der kleine Organismus muss sich nun selbst mit seiner "ansteckenden" Umgebung auseinandersetzen.
  • Zahnende Kinder stecken auch vieles in den Mund. Das macht sie anfälliger für Infekte.

Fieber nach der Impfung heisst, sie war erfolgreich

In vielen wissenschaftlichen Studien hat man die Immunantwort auf Impfungen bei Kindern gemessen. Dabei zeigte sich kein Zusammenhang damit, ob gute Impfantikörper vorhanden waren und das Kind Fieber hatte. Insofern ist Fieber zur Entwicklung eines guten Impfschutzes weder erforderlich noch schädlich.

Ein Kind muss seinen Teller leer essen

Nein, sicher nicht! Schon die ganz Kleinen haben ein gut funktionierendes System der Selbstregulierung. Das gestillte Baby wendet sich von der Mutterbrust ab, wenn es satt ist, das gefütterte Kind verweigert sich dem vollen Löffel, das Kleinkind schiebt den Teller weg. Das Kind mit Überredungskünsten weiter zu füttern, mag gut gemeint sein. Doch werden Kinder dazu gezwungen, den Teller leer zu essen, verlernen sie, auf ihr Sättigungsgefühl zu hören – und laufen Gefahr, übergewichtig zu werden oder eine Fütterstörung zu entwickeln. Je mehr Theater um die Nahrungsaufnahme gemacht wird, desto mehr Druck lastet auf dem Thema.

Auch die komplette Verweigerung bestimmter Lebensmittel kann gute Gründe haben. Kinder spüren oft intuitiv, ob sie gegen etwas allergisch sind und zeigen eine natürliche Abwehrhaltung.

Die einzige Ausnahme: Ist ein Kind krank, dürfen Eltern kleine Tricks anwenden, um z.B. einem fiebernden Kind Flüssigkeit zuzuführen.

Linkshänder muss man umerziehen

Die Händigkeit eines Menschen ist durch die Dominanz einer Gehirnhälfte festgelegt. Deshalb ist es auch unmöglich, aus einem rechtshändigen Kind ein linkshändiges und umgekehrt zu machen, auch wenn durch Zwang die Bevorzugung einer Hand für bestimmte Tätigkeiten, z.B. das Schreiben, erreicht werden kann. Dieser Zwang stellt aber immer einen Eingriff in festgelegte Hirnfunktionen dar und kann unter Umständen zu lebenslangen Störungen führen, die sich häufig in einer Rechts-Links-Schwäche äussert.


Kennen Sie auch solche Behauptungen, zu denen Sie gerne eine wissenschaftlich fundierte Antwort hätten? Schicken Sie uns ein Mail an info(at)swissmom.ch - wir leiten es an die Experten weiter!

Letzte Aktualisierung : 25-11-19, BH

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