Baby weint und zieht an den Ohren

Verstehen ohne Worte - wie Sie die Signale Ihres Babys richtig deuten

Wer so hilflos geboren wird wie ein Menschenkind, ist darauf angewiesen, dass die Umwelt sich um sein Überleben kümmert. Schon Neugeborene und Babys können deshalb ihr Befinden und ihre Bedürfnisse ganz ohne Worte zum Ausdruck bringen. Sie äussern sich über ihr Verhalten und ihre Körpersprache. Um alles richtig zu deuten, müssen wir nur aufmerksam auf bestimmte Signale achten. Besonders eindrücklich gelingt dies, wenn Eltern und Baby miteinander in der „Zwergensprache“, einer babygerechten Zeichensprache miteinander kommunizieren.

Beachten Sie!

Interview

Corine Verna: So können Sie mit Ihrem Baby kommunizieren

Hier sind die Signale, die Babys am häufigsten senden - und ihre Bedeutung:

Lächeln

Was ist schöner als ein Baby-Lächeln? Alle jungen Eltern fiebern dem ersten „sozialen“ Lächeln ihres Kindes entgegen und sind begeistert, wenn es irgendwann im zweiten Lebensmonat (etwa ab der sechsten Lebenswoche) soweit ist. Das sogenannte Engelslächeln in den ersten Lebenswochen, das man häufig beim schlafenden Neugeborenen sieht, ist Folge einer noch unbewussten Muskelbewegung. 

Eigentlich kann man ein Lächeln gar nicht falsch deuten. Es signalisiert Wohlbefinden auf der ganzen Linie! Das muss aber nicht immer eine Reaktion auf etwas sein, was Sie gerade gemacht haben. Babys lächeln auch einfach mal so, ohne einen ersichtlichen Grund.

Konzentrierte Aufmerksamkeit

Manchmal wird Ihr Baby ganz in sich versunken einen Gegenstand betrachten. Mund und Hände sind entspannt und leicht geöffnet, die Augen vor Staunen ganz gross. Ihr Baby entdeckt konzentriert seine Welt und möchte nicht gestört werden.

Saugen an der Hand

Nuckelt das Baby an seiner Faust, wird das oft automatisch für ein Hungersignal gehalten. Ist die letzte Mahlzeit aber weniger als zweieinhalb Stunden her und gibt das Baby keine weiteren Zeichen von sich, wie das Hin- und Herdrehen des Köpfchens, eine gerollte Zunge oder schmatzende Geräusche, dann ist das Saugen eine Massnahme zur Selbstberuhigung, wie auch das Nuckeln am Finger bzw. Daumen, am Nuggi oder an der Brust. 

Babys zeigen dieses Verhalten oft, wenn sie müde sind und sich damit selbst in Richtung Schlaf bringen. Andererseits ist es aber auch möglich, dass Ihr Baby gerade etwas angespannt ist, z.B. bei zu vielen Reizen wie Licht, Geräusche, Farben. Dann braucht Ihr Baby einfach mal eine Pause. 

Strampeln

Strampeln ist nicht ganz so einfach zu deuten. Beobachten Sie aufmerksam das übrige Verhalten. Wenn Ihr Baby lächelt, Blickkontakt mit Ihnen sucht, mit den Armen wedelt, sie zu Ihnen ausstreckt und lustige Quietschlaute von sich gibt, dann will es Ihnen zeigen, dass es ihm nicht besser gehen könnte. Pure Lebensfreude und Lust zu spielen! 

Wirkt Ihr strampelndes Baby dagegen eher unruhig und quengelig, kann es sein, dass es irgendetwas quält, wie z.B. Blähungen. Wirken die heftigen Beinbewegungen dagegen unkoordiniert, kann das auf Müdigkeit hinweisen. 

Angezogene Beine 

Zum Körper angezogene Beine, kombiniert mit Schreien und Weinen, sind ein typisches Zeichen für starke Leibschmerzen. Daran können Blähungen , (z.B. die 3-Monats-Koliken),  aber auch Verstopfung schuld sein. Erste Massnahmen zur Linderung sind  eine verdauungsfördernde Babymassage oder das Baby im Fliegergriff herumzutragen. Weitere Tipps ...

Durchgedrückter Rücken

Auch dies ist ein Signal für Schmerzen: Das Baby wölbt den Rücken. Während des Fütterns kann Magenbrennen dafür der Auslöser sein. Beim Baby funktioniert der Schließmuskel zum Magen noch nicht richtig und wegen der Schieflage beim Stillen oder Füttern fliesst Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Der gekrümmte Rücken verschafft Erleichterung, weil es den Rückfluss (Reflux) stoppt. 

Ein durchgedrückter Rücken gemeinsam mit Quengeln und Schreien ist aber auch ein Zeichen dafür, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ist die Windel voll? Hat es Hunger? Tut ihm etwas weh?

Reiben der Augen 

Augenreiben, Gähnen, stereotype Kopfbewegungen und schwere Augenlider signalisieren eindeutig: Ihr Baby ist müde. Es wendet den Blick ab und hat glasige Augen, fährt sich mit geballten Händchen durchs Gesicht. Diesen Zeitpunkt sollten Sie nutzen, Ihr Baby in sein Bettchen zu bringen. Eine Viertelstunde später kann es schon überdreht sein und das ideale Zeitfenster zum mühelosen Einschlafen ist verpasst.

Ist Ihr Baby ausgeschlafen, kann das Augenreiben auf Schmerzen hindeuten – vielleicht eine Bindehautreizung, der Anfang einer Bindehautentzündung beim Baby? Schauen Sie sich die Augen einmal genau an und beobachten Sie das Verhalten weiter. Wenn Sie eine krankhafte Veränderung vermuten, sollten Sie mit Ihrem Baby unbedingt zum Arzt gehen. 

Bei etwas älteren Babys kann das Bedecken der Augen auch eine Aufforderung zum Versteckspiel (guggus) sein. 

Ziehen oder Reiben am Ohr

Der naheliegende Gedanke: Da könnte eine Ohrenentzündung Schmerzen bereiten – oder neue Zähne brechen durch.  Solange Ihr Baby aber kein Fieber hat oder andere Krankheitssymptome zeigt, müssen Sie sich noch keine Sorgen machen. 

Der Griff zum Ohr kann auch zeigen, dass Ihr Baby überfordert ist. Sorgen Sie für eine reizarme Umgebung und eine Ruhepause. Reiben am Ohr kann zudem wie das Saugen an der Hand zur Selbstberuhigung dienen. 

Kopf wegdrehen

Wenn Ihr Baby seinen Kopf abwendet und den Augenkontakt meidet, ist das ein sicheres Zeichen für Unbehagen. Es ist von einem Reiz überfordert und muss ihn erst einmal verarbeiten. Gönnen Sie Ihrem Baby jetzt eine Pause. 

Wiederholung von Bewegungen

Alle Kinder haben irgendeinen Tick: Die Hand drehen, das Ohr reiben oder mit dem Kopf gegen einen Gegenstand tippen und das immer und immer wieder - solche vermeintlich unnormalen Verhaltensmuster lassen Eltern schnell an eine  Zwangsstörung denken. Aber rhythmische Wiederholungen schenken dem Baby Sicherheit und Beruhigung. Babys neigen vor allem bei Stress und Überforderung zu solchem Verhalten.

Achtung, Alarm!

Wenn Ihr Baby ungewöhnlich schrill schreit oder nur ganz schwach und jämmerlich wimmert, wenn es das Gesicht schmerzhaft verzogen hat, die Hände zu Fäusten geballt sind, der Atem schnell geht und es sich auch auf dem Arm längere Zeit gar nicht beruhigen lässt, sollten Sie sich an Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin wenden. Denn hinter jedem Schreien kann auch eine ernstere Erkrankung stecken, vor allem, wenn Ihnen das Verhalten seltsam vorkommt.

 

 

Letzte Aktualisierung : 01.2018, BH

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