Frau mit Unterlagen, Mann mit Säugling
Familie

Die grosse Angst, etwas zu verpassen

Ihre Schwester berichtet Ihnen begeistert vom PEKiP, eine Freundin schwört auf Babyzeichensprache, die Nachbarin geht lieber zum Mutter-Kind-Treff, in der neuesten Elternzeitschrift wird ein "Fit-mit-Baby"-Kurs angepriesen und die Kinderärztin rät Ihnen, das Babyschwimmen zu besuchen. Das Angebot ist schier grenzenlos und Sie als frischgebackene Mutter haben die schwierige Aufgabe, herauszufinden, ob für Sie und Ihr Baby auch etwas dabei ist, oder ob Sie sich lieber mit ausgedehnten Waldspaziergängen zufrieden geben.

Bei den vielen grossartigen Möglichkeiten kann schnell einmal das Gefühl aufkommen, es könnte dem Kind später zum Nachteil werden, wenn man es nicht rechtzeitig fördert und unterstützt. Und obendrein sollte die Mama den Anschluss nicht verpassen, denn auch sie soll aus ihrem Leben etwas machen, sei es beruflich oder im Privatleben.

Damit Sie mit Ihrem Baby nicht schon bald einmal getrieben von der Angst, etwas zu verpassen durchs Leben hetzen, ist es wichtig, dass Sie und Ihr Partner sich in Ruhe überlegen, was Ihnen für Ihre Familie wichtig ist. Die folgenden Gedankenanstösse möchten Ihnen dabei helfen:

  • Wie schon das afrikanische Sprichwort sagt, wächst das Gras nicht schneller, wenn man daran zieht. Die Angst, dass Sie etwas verpassen könnten, was Ihrem Baby später im Leben fehlen wird, ist unbegründet. Wichtig ist allerdings, dass Sie die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt machen lassen und Ihr Baby gut beobachten, damit Sie rechtzeitig die richtige Unterstützung bekommen, falls es Hinweise auf eine Entwicklungsstörung gibt.
  • Auch unter Eltern kann Gruppendruck entstehen. Lassen Sie sich nicht dazu drängen, an einem Kurs teilzunehmen, bloss weil er gerade angesagt ist oder weil ihre beste Freundin findet, das dürften Sie nicht verpassen. Ihr Baby wird nicht lange klein bleiben und es wäre schade, diese Zeit zu verschwenden für Dinge, die nicht zu Ihnen passen.
  • Auch ein pädagogisch wertvolles, gut aufgebautes Angebot kann zu Stress führen, wenn Ihr Tagesprogramm zu stark überfrachtet ist. 
  • Der Wiedereinstieg in den Beruf, Weiterbildungen oder ehrenamtliche Betätigung sind für die meisten Mütter heute selbstverständlich. Nutzen Sie aber zumindest die Zeit des Mutterschaftsurlaubs, um sich voll und ganz der Beziehung zu Ihrem Baby zu widmen, auch wenn Sie zuweilen das Gefühl haben, Sie würden etwas verpassen. 

Newsticker

Mutterschaft bereuen | 16.12.2018

Nach einer Geburt leidet die Psyche vieler Frauen. Und auch später: Annähernd jede Dritte (29,5 Prozent) der befragten Frauen erlebte in den ersten sieben Jahren der Mutterschaft eine "substanzielle Verschlechterung des mentalen Wohlbefindens", so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Nur jede fünfte Mutter (19 Prozent) fühlte sich deutlich besser. Die Verschlechterung trat insbesondere in den Jahren vier bis sieben nach der Geburt auf und liess sich nicht allein durch das Altern erklären: In einer Vergleichsgruppe kinderloser Frauen verschlechterte sich das Wohlbefinden viel weniger ausgeprägt. Die Analysten meinen, dies habe mit dem Leitbild der erwerbstätigen Mutter zu tun. Ein Ausbau der Kinderbetreuung und steuerliche Vorteile könnten die Mütter potenziell entlasten. Anlass zur Studie gab die Debatte über das Tabu-Thema „Mutterschaft bereuen“ ("regretting motherhood").

Letzte Aktualisierung : 06-05-16, TV

loading