Vater und Baby krabbeln auf dem Boden

Krabbeln

Zwischen dem sechsten und zehnten Lebensmonat wirken Babys auf einmal wieder glücklicher, denn endlich werden sie mobiler und können die kleine Welt um sich herum erkunden und erobern. Krabbeln ist einer der wichtigsten Meilensteine auf dem Weg, auf eigenen Beinen zu laufen. Wissenschaftler nennen das Lokomotion. Das Baby trainiert jetzt Motorik, Gelenke und Muskeln und schult gleichzeitig seinen Gleichgewichtssinn.

Eine wichtige Voraussetzung für die Fortbewegung auf Händen und Knien ist eine entsprechend starke Nacken- und Rückenmuskulatur. Nachdem ein Baby mit etwa fünf Monaten gelernt hat, sich gezielt vom Bauch auf den Rücken und umgekehrt zu drehen, folgt meist als nächster Schritt das Sitzen ohne fremde Unterstützung. Zu diesem Zeitpunkt (zwischen dem siebten und 13. Monat) kann ein Baby seinen Kopf gut genug halten, um sich umzusehen. Seine Muskeln sind stark genug für das Kriechen, Krabbeln oder Robben auf Händen und Knien. Besonders leicht kann es sich aus dem Sitzen auf alle Viere begeben. Im Knie-Ellenbogen-Stand kann es vor- und rückwärts schaukeln, indem es die Arme durchdrückt und den Körper parallel zum Boden hält. Wenn die Knie dann vorwärts (oder auch rückwärts) schieben, wird der Aktionsradius schon deutlich grösser. Ausserdem lernt es, aus der Krabbelposition zurück in den Sitz zu gelangen.

Die Herausforderung beim Krabbeln besteht darin, die Balance auf Knien und Händen zu halten. Dies erfordert ein hohes Mass an Koordination und Muskelkraft in Armen und Beinen. Eine besondere Meisterleistung stellt für Babys das Verknüpfen der linken und rechten Hirnhälfte beim Überkreuzkrabbeln dar, bei dem der Arm der einen Seite parallel mit dem Bein der anderen Körperseite nach vorn oder zurück bewegt wird.

Mit etwa 12 Monaten sind viele Babys wahre Könner im blitzschnellen Vierfüsslergang. Sie ziehen sich auch an allem hoch und stehen an Möbeln bzw. laufen daran entlang. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Kind freihändig geht.

Soweit die Theorie. Aber die Entwicklung zwischen Sitzen und Laufen verläuft vollkommen unterschiedlich. Krabbeln ist nämlich kein notwendiges Entwicklungsstadium. Einige Babys krabbeln gar nicht im herkömmlichen Sinn, sondern gehen vom Rollen, vom Vorwärtsrutschen auf dem Po oder Robben auf dem Bauch direkt ins Laufen über. Einige Babys beginnen auch zuerst damit, rückwärts zu krabbeln, weil Ihnen das leichter fällt. Früher oder später fangen sie jedoch alle an zu laufen - mit oder ohne Krabbelphase. Und auch Rückfälle sind erlaubt: Ein Kind, das eigentlich schon Laufen kann, darf vorübergehend auch wieder ins Krabbeln oder Rollen verfallen.

Sie möchten Ihr Baby beim Krabbelnlernen helfen? Dazu braucht es einen Anreiz – einen Lockvogel. Positionieren Sie ein Lieblingsspielzeug in Sicht-, aber nicht in Reichweite. Rollen Sie einen Ball hin und her. Wenn Ihr Kind sich einem interessanten Spielzeug nähern will, probiert es motiviert allerhand aus. Es wird auch immer wieder frustriert sein, weinen und aufgeben. Warten Sie dann einfach eine kleine Weile ab, wahrscheinlich wird es einen neuen Versuch wagen. Wenn nicht, trösten Sie es und probieren Sie es später wieder. Sobald Ihr Baby entdeckt hat, wie es sich vorwärts bewegen und vielleicht sogar schon krabbeln kann, kann ein Geschicklichkeitsparcours (Kissen, Tunnel usw.) für viel Spass und Übung sorgen.

Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie Ihre Wohnung unbedingt baby- bzw. kindersicher gestalten sollten. Türklemm-, Kanten- und Eckschutz an spitzen Möbelkanten sowie Steckdosensicherungen können Unfällen und Verletzungen wirkungsvoll vorbeugen. Wichtig sind aber auch Treppensicherungen durch Gitter/Türen. Babys werden von Stufen magisch angezogen, aber brauchen eine ganze Weile, bis sie nicht nur die Treppe hoch, sondern auch hinuntergelangen.  Nicht zuletzt auch heisse Backöfen, Kaminöfen, Schränke mit Putzmitteln, Tischdecken, Blumenvasen, Arzneimittel: Überall, aber vor allem bis zur Höhe von einem Meter lauern nun Gefahrenquellen.

Babys entwickeln ihre Fähigkeiten sehr unterschiedlich, manche schneller als andere. Wenn ein Kind jedoch bis zum ersten Geburtstag keinerlei Interesse daran zeigt, mobil zu werden (egal ob kriechend, krabbelnd, rollend oder rutschend) und nicht gelernt hat, Arme und Beine in koordinierten Bewegungen gleichzeitig zu benutzen, sollte der Kinderarzt/ die Kinderärztin darauf hingewiesen werden.

Babys vor Unfällen schützen

Vorsicht bei Krabbelkindern


Weitere Meilensteine:

Sitzen

Laufen

Herumdrehen


Stand: 12/14, BH