Baby krabbelt neben Hundewelpen
Familie | Kolumne

Taktik zwecklos – die Kinder siegen ohnehin

Man mag sich noch so sehr dagegen sperren, eines Tages wird die Frage dennoch auftauchen: Haustier – ja oder nein? Herauszögern lässt sich die Frage zwar, aber umgehen geht nicht, irgendwann werden die Kinder eine eindeutige Antwort hören wollen und zwar diejenige mit den zwei Buchstaben, nicht die mit vier.

Im Laufe der Jahre haben wir diverse Taktiken angewendet, um nicht ja sagen zu müssen, doch inzwischen sind auch wir stolze Besitzer eines Katers, einer trächtigen Katze und einer Schar von Wachteln – unter denen sich auch ein Hahn befindet, wenn nicht alles täuscht.

Taktik Nummer 1 war noch einfach anzuwenden: „Ach, Kinder, ihr wisst doch, dass Mama allergisch ist auf Haustiere. Ihr wollt bestimmt nicht, dass ich Tag für Tag leiden muss.“ Das funktionierte so lange, bis eine leidenschaftliche Tierliebhaberin in unseren Bekanntenkreis trat, die sich die Freude an Haustieren durch sämtliche Allergien nicht nehmen liess. Wenn die das überlebt, dann wird das bei Mama ja wohl auch gehen, schienen sich die Kinder zu sagen und das Betteln ging aufs Neue los.

Also weiter zu Taktik Nummer 2: „Mama, die Sonja hat ein Büsi bekommen. Wann können wir auch endlich eines haben?“ „Ach Kind, du weißt doch, dass wir schon bald ein Baby bekommen. Ein Baby zu haben ist viiiieeel schöner. Sonja hat nur eine Katze gekriegt, weil die Eltern keine Nerven für ein weiteres Baby haben.“ Wirklich überzeugend, diese Taktik, aber irgendwann geht auch der gebärfreudigsten Mutter der Schnauf aus und so heisst es früher oder später: „Mama, jetzt, wo wir kein Baby mehr haben, können wir endlich eine Katze haben?“

„Nein, könnt ihr nicht, zuerst müsst ihr mal beweisen, dass ihr überhaupt mit Tieren umgehen könnt. Wie wär’s mit einer Marienkäferzucht?“ Taktik Nummer 3 ist nahezu genial. Die Kinder können ein kleines, herziges Lebewesen von der Geburt bis zum Ausfliegen begleiten, es muss kein Käfig ausgemistet werden und wenn die Kinder die Nase voll haben – was früher oder später bei fast jedem Haustier eintritt - , können die Eltern die Tierchen als Schädlingsbekämpfer im Garten einsetzen. Der einzige Nachteil ist, dass Marienkäfer kein Fell haben und so tritt früher oder später der Wunsch nach etwas Kuscheligem wieder in den Vordergrund.

Zeit für Taktik Nummer 4, die im Grunde genommen aber ein erster Schritt in Richtung Kapitulation ist: Das Leihhaustier. Irgendwo findet man bestimmt Nachbarn, die eine Ferienbetreuung für Zwerghasen und Katzen benötigen. Die perfekte Gelegenheit, den Kindern zu zeigen, dass ein Tier viel Arbeit mit sich bringt. Denkt man. In Wirklichkeit aber ergeht es den Kindern gleich wie uns, wenn wir in einem exotischen Land Ferien machen. Sie sehen nur das Positive, die Schattenseiten werden ausgeblendet. Und so fliessen die Tränen in Strömen, wenn die Nachbarn wieder zu Hause sind und das Leihhaustier zurückholen.

Mit Ausflüchten wie „kein Platz in der Wohnung“ und „das kostet aber viel Geld, da kannst du dir das iPhone abschminken“ mögen gewisse Eltern den Kindertränen noch eine Weile lang standhalten. Dies aber ist keine Taktik mehr, sonder bloss noch ein hilfloses Rückzugsgefecht. Die Kinder können getrost anfangen, sich nach Nachbarn umzuhören, die junge Kätzchen oder einen Welpen abzugeben haben. Denn alles, was es jetzt noch braucht, ist eine Mama, die sich angesichts der so schnell grösser werdenden Kinder nach etwas Neugeborenem sehnt und das Kätzchen kann Einzug halten. Und wo Platz für ein Haustier ist...

Letzte Aktualisierung : 04-07-16, TV

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