Lehrerin erhebt mahnend den Zeigefinger gegenüber einer Schülerin
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Wenn es zu Spannungen mit der Lehrperson kommt

Auch wenn man es sich anders wünscht, verläuft kaum eine Schullaufbahn vollkommen konfliktfrei. Weshalb dies so ist, erklärt die Supervisorin und Mutter Christina Kind Brunschwiler folgendermassen: Eltern und Lehrpersonen haben unterschiedliche Blickwinkel und verfolgen deshalb auch unterschiedliche Ziele. Während Eltern vor allem um das Wohlergehen des eigenen Kindes besorgt sind, haben Lehrpersonen die ganze Klasse im Blick und erachten deshalb andere Dinge als besonders wichtig. Dazu kommen die Ängste vieler Eltern, das Kind würde den Anforderungen nicht genügen oder negativ auffallen. Dass dies Spannungen erzeugt, ist ganz natürlich. Wie aber soll man mit diesen Spannungen umgehen? 

Einander gute Absichten unterstellen

Wer daran zweifelt, dass der andere es gut meint, geht anders an ein Gespräch heran, als wenn man davon ausgeht, dass beide Seiten das Beste für das Kind wollen. Christina Kind Brunschwiler rät deshalb sowohl Eltern als auch Lehrpersonen, einander grundsätzlich gute Absichten zu unterstellen. 

Den Kontakt zur Schule pflegen

Zeigen Sie sich nicht erst dann in der Schule, wenn etwas Negatives vorgefallen ist. Nehmen Sie an Elternabenden teil, machen Sie Schulbesuche und zeigen Sie sich interessiert am Geschehen in der Schule. Vieles lässt sich besser einordnen, wenn man die Lehrperson kennt. Würden Eltern der Lehrperson erst dann begegnen, wenn sie mit einer Sache nicht einverstanden seien, sei es verständlich, dass die Kritik der Lehrperson in den falschen Hals gerate, erklärt die Supervisorin. 

Nachfragen

Vor allem bei kleineren Kindern kommt es oft vor, dass sie eine Aussage oder ein Verhalten der Lehrperson ganz anders interpretieren, als dies gemeint war. Fragen Sie deshalb direkt bei der Lehrperson nach, wenn Ihnen etwas merkwürdig erscheint. Geben Sie der Lehrperson die Gelegenheit, die Situation aus ihrer Sicht zu schildern und fallen Sie nicht mit Vorwürfen ins Haus. 

Direkt und verantwortungsbewusst

Der Konflikt ist eine Sache zwischen Eltern und Lehrperson, deshalb sollten Sie sich möglichst bald und direkt an die Lehrperson wenden und nicht das halbe Quartier in die Angelegenheit einweihen. Fallen Sie der Lehrperson auch nicht in den Rücken, indem Sie sich an die Schulleitung wenden, ehe Sie das direkte Gespräch gesucht haben. Will man eine Lösung erreichen, stehen alle Beteiligten in der Pflicht, man kann also nicht nur von der Lehrperson Veränderungen erwarten und selber nichts beitragen. 

Leidet das Kind unter dem Konflikt?

Ganz vermeiden könne man es nicht, dass ein Kind etwas von dem Konflikt mitbekomme, sagt Christina Kind Brunschwiler. "Die Schule ist für das Kind so wichtig wie für uns Erwachsenen der Job. Haben die Eltern Streit mit der Lehrperson, bringt dies das Kind in einen Loyalitätskonflikt", erklärt sie. Um den Einfluss auf das Kind möglichst gering zu halten, sollten Sie in Anwesenheit des Kindes nicht über die Lehrperson schimpfen und nicht immer beim Kind nachhaken, sondern sich direkt an die Lehrperson wenden. Zuweilen ist es auch so, dass die Dinge, die den Eltern Mühe bereiten, in den Augen des Kindes gar kein Problem sind. Solange es dem Kind gut geht, dürfen Eltern eine Sache also auch einfach mal stehen lassen.

Reden wir vom gleichen Kind?

Viele Kinder verhalten sich in der Schule vollkommen anders als zu Hause. Für Eltern kann es deshalb ziemlich schockierend sein, sich mit einem unerwarteten negativen Verhalten ihres Kindes konfrontiert zu sehen und die Versuchung ist gross, der Lehrperson zu unterstellen, sie würde lügen. Um nicht in eine Verteidigungshaltung zu geraten, rät Christina Kind Brunschwiler den Eltern, sich Zeit zu lassen, um das Vorgefallene annehmen zu können, damit sie einige Tage später in Ruhe über die Sache reden und die Konfliktlösung angehen können. 

Gefühle sind normal

Dass Eltern emotional reagieren, wenn es zum Konflikt kommt, ist vollkommen normal. Wichtig ist aber, dass man das Gespräch mit der Lehrperson erst dann sucht, wenn man sich wieder beruhigt hat. Vereinbaren Sie einen Gesprächstermin und platzen Sie nicht einfach kurz vor oder gleich nach dem Unterricht herein, denn ein konstruktives Gespräch ist unter solchen Bedingungen kaum möglich. Sinnvoll ist es auch, mit dem Partner zu besprechen, wem es leichter fällt, im Gespräch sachlich zu bleiben, so dass dieser Elternteil hauptsächlich das Reden übernehmen kann.
Dauern Frust und Wut über längere Zeit an, kann es hilfreich sein, eine neutrale Person beizuziehen, die einem dabei hilft, die Gefühle zu "sortieren" und einen klaren Kopf für das Gespräch zu bekommen. In ganz schwierigen Fällen kann diese Person die Eltern auch zum Gespräch begleiten. "Eltern müssen dann der Lehrperson aber erklären, dass die Begleitperson dabei ist, um zu helfen, die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu behalten und nicht, um die Lehrperson in die Enge zu treiben", sagt Christina Kind Brunschwiler. 

Wenn man auf Granit beisst

Manchmal lässt sich ein Konflikt trotz aller Bemühungen nicht lösen und der Gang zur Schulleitung, zur Schulbehörde oder zum Inspektorat wird nötig. Dennoch kann man einem Kind nicht immer die Lösung bieten, die man sich eigentlich wünschte. Dann gebe es manchmal keine andere Möglichkeit, als dem Kind zu sagen: "Da müssen wir jetzt durch, aber wir stehen das mit dir gemeinsam durch und sind immer für dich da", sagt die Supervisorin. 

Wenn nicht nur unser Kind betroffen ist

Es gibt Fälle, da leidet eine ganze Klasse unter einem Missstand. Dann sollte unbedingt professionelle Hilfe beigezogen werden, denn wenn eine Lehrperson alleine gegen eine Gruppe von zornigen Eltern antreten muss, kann es nur schief gehen. Die Person, die vermittelt, sollte neutral sein, denn Schulleiter sehen ihre Aufgabe oft darin, die Lehrperson zu schützen. Alle Beteiligten sollten ihre Anliegen direkt bei dem Vermittler oder der Vermittlerin anbringen, damit der Konflikt nicht noch weitere Kreise zieht.

Wenn es am System liegt

Zuweilen hat die Lehrperson keine andere Wahl, als sich an Richtlinien zu halten, welche vom Schulsystem oder von der Gemeindepolitik vorgegeben sind. Liegt der Grund für das Problem auf Gemeindeebene, müssen Sie das Gespräch mit der Schulbehörde suchen, ist das Problem im kantonalen Schulsystem begründet, bleibt Ihnen meist nur der kostenpflichtige Rekursweg, um eine Lösung anzustreben. 

Letzte Aktualisierung : 06-05-16, TV

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