Stottern

Das stotternde Kind

Kindliches Stottern, die ungewollte Unterbrechung des Redeflusses, beginnt oft im Alter zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren, dann, wenn die Sprachentwicklung schon fortgeschritten ist und das Kind beginnt, längere und schwierigere Sätze zu bilden. 

Plötzlich werden Laute, Silben und Wörter wiederholt oder gedehnt, oft kommt es dabei zu erkennbaren körperlichen Anstrengungen. Das Kind verkrampft sich, es verzieht das Gesicht, der Kopf, die Arme, der Oberkörper zucken. Mädchen und Buben sind in diesem Alter noch gleich häufig betroffen.

Die Eltern reagieren oft verunsichert und sorgen sich um die weitere Sprachentwicklung ihres Kindes. Dieses Entwicklungsstottern ist jedoch kein Grund zur Beunruhigung; ca 80% der Kinder durchlaufen diese Phase vor dem vierten Lebensjahr. Vier von fünf Kindern verlieren das unflüssige Sprechen vor der Pubertät ohne weitere Therapien; dabei gelingt es Mädchen leichter, das Stottern zu überwinden.  Erst in der Pubertät entscheidet sich, ob sich das Stottern verliert oder chronisch wird. Erst jetzt beginnt das eigentliche, manifestierte Stottern, das sehr schwer zu überwinden ist und den Erwachsenen meistens ein Leben lang begleitet. Im Erwachsenenalter stottern vier bis fünf Mal mehr Männer als Frauen.

Es gibt unterschiedliche Arten, wie Kinder stottern:

  • Das tonische Stottern mit Dehnungen: „K-k-katze“ und Blockierungen („Kkkkkkatze“) oder
  • Das klonische Stottern mit Wiederholungen („Ka ka ka katze“) und
  • eine Mischform aus beiden.

Als Ursache des Stotterns werden viele verschiedene Faktoren genannt. So kann eine Veranlagung zum Stottern vererbt sein. Wissenschaftler vermuten eine Funktionsstörung des Gehirns, da sich bei Stotterern und Nicht-Stotterern Aktivitäten in unterschiedlichen Hirnregionen zeigen. Dabei ist aber nicht sicher, ob diese Veränderungen eine Ursache oder eine Folge des Stotterns sind. Die Gründe für die Sprechunflüssigkeit sind komplex; ihre Entstehung kann durch organische, psychische, soziale oder sprachliche Faktoren begünstigt werden.

Persönlichkeit oder Intelligenz haben nichts mit dem Stottern zu tun. Auch die weit verbreitete Interpretation, dass stotternde Kinder schüchtern sind, stimmt nicht. Schüchternheit kann allenfalls als Folge des Stotterns erst entstehen, dann nämlich, wenn das Kind bemerkt, dass sein Umfeld merkwürdig und gehemmt auf sein Stottern reagiert. Es will dann versuchen, möglichst ohne zu stottern etwas zu sagen – gerät unter Druck und stottert dadurch noch viel mehr! Angst vor dem Stottern und Vermeidung der frustrierenden Situation begünstigen die negativen Gefühle gegenüber dem Sprechen, das Stottern wird entweder noch verstärkt oder das Kind verstummt in verschiedenen Situationen, z.B. in einer fremden Umgebung.

Darum ist es wichtig, dass Sie sich einige Dinge zum Stottern merken: Ganz wichtig, Sie haben keine Schuld am Stottern Ihres Kindes! Es gibt aber einige Tipps, wie Sie den Rückgang des Stotterns beeinflussen können.

  • Am meisten helfen Sie Ihrem Kind mit viel Gelassenheit. Wegsehen, erschrecken signalisiert dem Kind: Das war falsch!
  • Korrigieren Sie Ihr Kind nicht, lassen Sie es nicht Wörter oder Sätze "richtig" wiederholen, die es nicht flüssig aussprechen konnte.  
  • Hören Sie lieber auf das, was das Kind Ihnen inhaltlich mitteilen wollte – und nicht auf die Art, wie es sein Anliegen formuliert hat.
  • Lassen Sie Ihr Kind  ausreden und helfen Sie ihm nicht schon beim zweiten Anlauf über die Schwierigkeit hinweg.
  • Hören Sie Ihrem Kind geduldig und aufmerksam zu. Halten Sie dabei wenn immer möglich den Blickkontakt zu Ihrem Kind und zeigen Sie Ihr Interesse.
  • Gut gemeinte Ratschläge wie " Sprich langsam" oder "hol erstmal Luft" helfen Ihrem Kind nicht, sondern verstärken den Druck. 
  • Vermeiden Sie auch häufiges Nachfragen und zwingen Sie Ihr Kind nicht, Ihnen grad jetzt sofort zu erzählen, was es erlebt hat –  erzählen Sie lieber erst von sich und ermutigen Sie damit Ihre Tochter, Ihren Sohn auch ihre/ seine Erlebnisse zu schildern.  
  • Sprechen Sie ruhig und langsam und formulieren Sie einfachere Sätze, das hilft dem Kind, wenn es Sie nachahmen will.
  • Wenn Ihr Kind signalisiert, dass es das Stottern bemerkt und frustriert ist, gehen Sie darauf ein, reden sie in ruhiger und gelassener Sprache mit ihm darüber.
  • Beziehen Sie Ihr familiäres und soziales Umfeld  in Ihre Bemühungen um den richtigen Umgang mit der vorübergehenden Sprachstörung Ihres Kindes mit ein, damit auch Freunde, Nachbarn und  andere Personen z.B. im Kindergarten oder in der Kita geduldig und gelassen reagieren.

Hilfe von aussen ist dann ratsam, wenn sich das Stottern über einen Zeitraum von ungefähr einem halben Jahr nicht wieder legt und im Gegenteil stärker wird. Dann ist ein Beratung bei einer Fachperson der Sprachtherapie / Logopädie sicher sinnvoll. Falls Ihr Kind häufig und lange an einem Laut fest hängt, es sich dabei verkrampft und dazu vielleicht sogar die oben genannten körperlichen Anstrengungen zeigt, sollten Sie früher Rat suchen. Dies gilt auch wenn Sie merken, dass Ihr Kind nicht mehr gerne spricht und wütend und frustriert auf die Stottersymptome reagiert.

Newsticker

Stottern behindert nicht: Stottern hat keinen Einfluss auf das soziale Leben von Kindern. Sie seien nicht zurückgezogener als jene, die nicht stottern. Unter Vorschulkindern soll Stottern sogar normal sein, so australische Forscher in einer aktuellen Studie. Sie fanden heraus, dass stotternde Kinder zum Teil ein besseres verbales (sprachliches) und nicht-verbales (Puzzle lösen) Ausdrucksvermögen haben, als Kinder, die nicht stottern. Elf Prozent der Kinder in der Studie begannen im Alter von vier Jahren zu stottern. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Sprachstörung innerhalb eines Jahres überwanden, lag jedoch nur bei 6,3 Prozent. (swissmom Newsticker, 9.10.2013)

Letzte Aktualisierung: 05.2016, AG