Ekzem im Gesicht eines Säuglings
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Behandlung der Neurodermitis (atopische Dermatitis)

Die Behandlung einer Neurodermitis wird von hautärztlicher und kinderärztlicher Seite eng begleitet, denn oft muss die Therapie neu angepasst werden. Je trockener die Haut ist, umso mehr muss sie eingefettet werden. Wasser entzieht der Haut Feuchtigkeit, deshalb sollte nur ganz kurz und nicht zu warm gebadet werden. Besonders ungünstig ist nach einer englischen Untersuchung hartes Wasser, denn es ist reich an Kalzium und Magnesium. Möglicherweise reizen die Mineralien im Wasser die Haut oder das Trinken von hartem Wasser führt zu trockener Haut. Ebenso sei möglich, dass hartes Wasser zu einem höheren Verbrauch von Seife und Waschmittel verleitet, was wiederum die Haut angreift.

Für die Basispflege eignen sich Cremes und Lotionen – möglichst ohne Duftstoffe. Der Wassergehalt richtet sich nach dem Zustand der Haut. Grundsätzlich gilt: fett auf trocken, feucht auf feucht. Das Auftragen eines Pflegeprodukts auf die noch feuchte Haut nach dem Waschen verbessert die Wirkung oft. Günstig sind Emulsionen, die zum Beispiel Harnstoff (Urea, unter acht Prozent) enthalten. Öle, Vaseline oder Melkfett allein sollten Eltern bei Kindern mit Neurodermitis vermeiden. Sie trocknen die Haut bei längerer Anwendung eher aus.

Feuchte Umschläge mit zum Beispiel Schwarztee lindern dagegen den Juckreiz. Denn der Juckreiz führt zu Kratzen oder Reiben und dies wiederum zu einer Entzündung der Haut und noch mehr Juckreiz. Entzündungshemmende Salben mit Harnstoff- und Teerzusatz, spezielle Bäder und Hautpflegemittel, Antihistaminika zur Juckreizstillung und Klimawechsel (Hochgebirge oder Meer) sind die wesentlichen Bestandteile der Neurodermitis-Behandlung. Auch Alternativmethoden wie die Therapie mit Nachtkerzen- und Schwarzkümmelöl, Homöopathie und Akupunktur haben sich bewährt. Für kurze Zeiträume dazwischen muss immer wieder Kortisonsalbe (Corticosteroide) eingesetzt werden. 

Neuere Studien haben gezeigt, dass topische Cannabinoidantagonisten wie N-Palmitoylethanolamin (PEA) - haltige Pflegecremen eine sehr schnelle und gute Wirkung gegen den Juckreiz gebracht haben. Die Wirkung setzt in ein bis 2 Tagen ein und hält kontinuierlich an. Quälender Juckreiz und Schlaflosigkeit wird so stark vermindert. Neue Präparate, die kein Kortison enthalten und wahrscheinlich genauso gut wirken, sind jedoch bereits entwickelt und zum Teil schon im Handel, z.B. Tacrolimus und Bufexamac. Diese Produkte sind wie Cortison haltige Cremes (ausser Cremen mit Hydrocortison) rezeptpflichtig und müssen vom Arzt verschrieben werden. 

Beachten Sie!

Interview

Dr. pharm. Renato Kaiser: Hautpflege bei Kleinkindern und Babys: Wie sanft soll sie sein?

Baumwolle und Seide tragen Neurodermitispatienten am liebsten auf der Haut. Starke Nähte, Stickereien, Etiketten, Kunstfasern oder Wolle können unmittelbar Juckreiz auslösen. Auch zu viel Wärme und Schwitzen führt zu Reizung und zu vermehrtem Kratzen. Günstig sind Temperaturen von etwa 19 bis 20 Grad Celsius im Kinderschlafzimmer. Saubere, kurz geschnittene Nägel können tiefere Wunden und eine Infektion vermeiden. Eltern und betroffene Kinder profitieren, wenn sie an einer Neurodermitis‐Schulung teilnehmen. Neuere Studien weisen darauf hin, dass für manche Kinder auch eine Phototherapie (Blaulicht, s.u.) hilfreich sein könnte.

Wundermittel gegen die Neurodermitis gibt es allerdings noch nicht. Von den Eltern wird viel Geduld verlangt, denn die Kinder können durch den quälenden Juckreiz nicht schlafen, sind müde und gereizt. Die Neurodermitis verschwindet in vielen Fällen erst nach der Pubertät. Leider wird sie häufig durch Heuschnupfen und Bronchial-Asthma ersetzt.

Da Schweizerische Zentrum für Allergie, Haut und Asthma (aha!) hat diverses Informationsmaterial für Eltern von Neurodermitis-Kindern und bietet seit drei Jahren auch Elternschulungen in Aarau, Basel, Bern Luzern und Zürich an.

Newsticker

Gegen den Juckreiz | 19.06.2018

Die Ursachen von Neurodermitis (atopische Dermatitis) und dem damit verbundenen quälenden Juckreiz sind bislang noch unbekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Haut von Neurodermitis-Patienten von anderen Keimen besiedelt ist als die Haut von Gesunden. Durch eine Bakterienübertragung konnten Forscher jetzt das Mikrobiom der Haut von Neurodermitis-Patienten verbessern. Roseomonas mucosa-Bakterien, die natürlicherweise auf der menschlichen Haut zu finden sind, werden auf die Haut aufgesprüht. Bei vier von fünf Kindern gingen die typischen Symptome daraufhin deutlich zurück. Um zu sehen, wie effektiv die neue Therapie tatsächlich ist, sollen aber noch weitere Studien folgen.

Newsticker

Feuchte Wickel gegen Neurodermitis: Die Beschwerden einer Neurodermitis werden mit speziellen Lotionen bis hin zu entzündungshemmenden Mitteln wie Kortison behandelt. Aber feuchte Wickel sind eine nebenwirkungsfreie Alternative, wie Forscher nun zeigen konnten: Zunächst badeten die Kinder für 20 Minuten in warmem Wasser – danach wurden die betroffenen und noch feuchten Hautstellen sofort eingecremt. Auf nasse Wickel kam trockene Kleidung, um die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren, und dies täglich zwei Stunden lang. Bereits nach vier Wochen waren die Beschwerden um durchschnittlich 71 Prozent zurückgegangen. Diese Prozedur bedürfe jedoch einer bestimmten Technik und sollte mit professioneller Hilfe (Hautarzt) erlernt werden. (swissmom Newsticker, 4.10.14). 

Blaues Licht gegen Neurodermitis: Insgesamt 36 Patienten mit schwerer Neurodermitis, die auf die übliche Kortison-Behandlung nicht mehr angesprochen hatten, wurden an der Mainzer-Uniklinik mit blauem Licht behandelt. Das Ergebnis: Die Lichttherapie verstärkte deutlich die Kortisonwirkung. Die Hautentzündungen verbesserten sich drei Monate nach der Therapie durchschnittlich um 41 Prozent, nach sechs Monaten sogar um 54 Prozent. Noch sind keine Nebenwirkungen der Behandlung bekannt. Bislang ist auch noch unklar, auf welche Weise das Blaulicht die Symptome der Neurodermitis lindert. Die Forscher vermuten, dass Substanzen in der Haut das blaue Licht absorbieren und Sauerstoff erzeugen. Das könnte das Immunsystem beeinflussen. (swissmom Newsticker, 26.12.14)

Cortisonfrei gegen Juckreiz: Gute Nachricht: Eine Pflegecreme auf Haferbasis bessert die Hautsymptome bei kleinen Neurodermitikern. In einer internationalen Studie mit 108 Kindern sank unter der Anwendung nicht nur die Dauer und Zahl der Schübe, sondern auch der Verbrauch von Kortikosteroid-haltigen Präparaten. Das neue Pflegeprodukt enthält Extrakte aus dem Setzling der Haferpflanze und ist reich an Flavonoiden und Avenacosiden. Diese sollen sowohl antientzündliche als auch immunstärkende Wirkung haben und die natürliche Barrierefunktion der Haut wiederherstellen. Getestet wurde dies in einer Studie an 108 Kindern zwischen sechs Monaten und sechs Jahren mit mittelschwerer atopischer Dermatitis. (swissmom Newsticker, 9.4.15)

Letzte Aktualisierung : 31-05-16, BH

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