Junge Mutter im Wochenbett

Das Handy im Gebärsaal und im Wochenbett

Das Smartphone ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und für viele Eltern ist es eine Selbstverständlichkeit, dass es auch im Gebärsaal und auf der Wochenbettstation mit dabei ist. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Den einen mag es darum gehen, auch während der Geburt erreichbar zu bleiben, andere wollen eine Möglichkeit haben, sich abzulenken und wieder andere möchten das denkwürdige Ereignis fotografieren oder filmen. Was auch immer die Beweggründe sein mögen, einige Gedanken zum Smartphone im Gebärsaal und im Wochenbett sollten sich alle Eltern machen.

Beachten Sie!

Babys und Digitale Medien

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema bietet die Broschüre "Digitale Medien als Spielverderber für Babys". Diese ist beim Verein "Spielraum - Lebensraum" zum Preis von Fr. 8.- (zzgl. Versandkosten) erhältlich. 

Gebären erfordert Präsenz, nicht Ablenkung

Eine Geburt kann lange dauern und es mag verlockend erscheinen, sich ab und zu ein wenig Ablenkung zu verschaffen. Doch viel wichtiger, als sich abzulenken, ist es jetzt, bewusst die im Geburtsvorbereitungskurs eingeübten Atem- und Entspannungstechniken anzuwenden. Wer ganz präsent ist, nimmt auch die Signale des Körpers besser wahr und spürt, was im Moment guttun würde, zum Beispiel ein Positionswechsel oder eine Massage.   

Auch Papas Präsenz ist gefordert

Für den werdenden Vater kann die Zeit im Gebärsaal erst recht lang werden. Doch als aufmerksamer Begleiter dient er seiner Partnerin mehr, als wenn er gelangweilt auf dem Stuhl sitzt und die neuesten Nachrichten checkt. Wirklich anwesend zu sein und zu spüren, was die Partnerin braucht, ist schwierig, wenn man andauernd von der nächsten Push-Nachricht abgelenkt wird.

Die Geburt im Bild

Ob der Partner während der Geburt filmen oder fotografieren darf, muss jedes Paar mit sich selber ausmachen. In dieser Frage hat aber eindeutig die Frau das Sagen, denn sie ist es, die den Geschehnissen ausgeliefert ist, also ist es ihre Entscheidung, ob sie diese Momente bildlich festgehalten haben will oder nicht. Wichtig ist auch, dass die Arbeit von Hebammen und Ärzten nicht behindert wird. Nicht das schönste Bild steht an erster Stelle, sondern die Sicherheit von Mutter und Kind. Schliesslich stellt sich auch die Frage, ob man nicht einfach die intensiven Momente ganz bewusst erleben möchte, anstatt nach dem perfekten Bildwinkel zu suchen und dabei das Wichtigste zu verpassen.

Das Baby steht im Zentrum

Wenn das Baby da ist, soll nichts und niemand das erste Kennenlernen stören. Jetzt zählen echte Erfahrungen, nicht Bilder. Berührungen, Blickkontakt, den Geruch des Neugeborenen wahrnehmen, ganz bewusst erleben, wie es zum ersten Mal die Brust sucht und findet – in den ersten Stunden nach der Geburt finden Begegnungen statt, die nie wieder so intensiv sein werden wie gerade jetzt. Das winzige Händchen zu halten ist da eindeutig wertvoller, als später das Foto zu betrachten und zu staunen, wie zart die Fingerchen waren. Diese werden auch ein paar Stunden später noch gleich zart und klein sein, also können Sie das Fotografieren getrost auf später verschieben und die erste Begegnung mit Ihrem Kind ganz bewusst und in aller Ruhe geniessen.

Müssen immer alle anderen dabei sein?

Natürlich möchten Eltern das freudige Ereignis nicht für sich behalten und es spricht ja auch nichts dagegen, Grosseltern, Gotte und Götti sowie beste Freunde schon bald über die Geburt zu informieren. Ob es dazu aber sofort ein Bild des Neugeborenen auf Facebook braucht, ist fraglich. Kaum ist das Bild gepostet, kommen die Likes und Gratulationsnachrichten von Menschen, die Sie kaum kennen und dann gilt Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr dem Neugeborenen, sondern dem Smartphone. Kommt hinzu, dass Ihr Baby sein Einverständnis zur Veröffentlichung des Bildes nicht geben kann. Momentan mag es dazu noch keine Meinung haben, aber es kann durchaus sein, dass es sich in ein paar Jahren an den intimen Bildern auf dem Profil seiner Eltern stört.

Ungestörtes Wochenbett

Das erste Kennenlernen ist nicht abgeschlossen, wenn Sie den Gebärsaal verlassen. Im Gegenteil, es hat gerade erst begonnen, denn jetzt gilt es, die Signale des Babys deuten zu lernen und dies erfordert grosse Aufmerksamkeit. So suchen zum Beispiel viele Babys beim Stillen den Blickkontakt zur Mutter, den sie dann lange halten. Ist der Blick der Mutter auf das Smartphone gerichtet, fehlt dem Baby das Gegenüber. Das Wochenbett ist nicht die Zeit, um sich ungestört Serien reinzuziehen, sondern um die wachsende Beziehung zum Baby zu pflegen. Versuchen Sie, sich feste Telefonzeiten einzurichten, während derer Sie erreichbar sind und legen Sie für den Rest des Tages das Gerät beiseite, um ganz bei sich und Ihrem Baby zu sein. Wickeln, Baden, Stillen und Anziehen sind keine Routinearbeiten, die sich nebenbei erledigen, sondern Gelegenheiten, um mit Ihrem Kind in Kontakt zu treten und es besser kennen zu lernen. 

Rücksicht auf die Zimmernachbarin

Mit einer Mutter, die pausenlos telefoniert oder Nachrichten empfängt, das Wochenbett-Zimmer zu teilen, kann eine echte Herausforderung sein. Wenn Ihr Handy mehrheitlich ausgeschaltet bleibt, tun Sie auch Ihrer Zimmernachbarin etwas Gutes. 

Der Luxus der Unerreichbarkeit

Warum nicht eine digitale Auszeit nehmen, um sich ganz dem neuen Familienmitglied zu widmen? Die Welt wird sich auch ohne Ihre Aufmerksamkeit weiter drehen und Verwandte und Freunde werden Verständnis haben, wenn Sie mal ein paar Tage lang nur eingeschränkt erreichbar sind. 

Wie ist das eigentlich mit der Strahlung?

Die Mobilfunktechnologie ist noch jung, darum können noch keine abschliessenden Aussaggen über die Langzeitwirkung der Handynutzung gemacht werden. Obschon nach heutigem Erkenntnisstand keine kurzfristigen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit zu erwarten sind, ist es auf jeden Fall empfehlenswert, die Strahlenbelastung für das Baby möglichst gering zu halten, indem Sie nicht zu häufig und nur kurz telefonieren, das Gerät nicht in der Nähe des Babys deponieren und es ausschalten, wenn es nicht benötigt wird. Achten Sie zudem beim Kauf darauf, ein möglichst strahlungsarmes Gerät (tiefer SAR-Wert) zu erwerben. Weitere Empfehlungen zur strahlungsarmen Verwendung von Mobiltelefonen finden Sie auf dem "Faktenblatt Mobiltelefon & Smartphone" des Bundesamts für Gesundheit (BAG).  


 

 

Letzte Aktualisierung: 06.2017, TV