Mutter mit ihren Söhnen bei den Hausaufgaben
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Plötzlich Homeschooling - so gelingt es

Die Schulen sind bis auf Weiteres geschlossen, die Kinder sollten zu Hause trotzdem etwas lernen und Sie als Eltern fragen sich, wie das überhaupt gehen soll. Bevor Sie versuchen, ein umfassendes Bildungsprogramm aus dem Ärmel zu schütteln, ist erst einmal gut Durchatmen angesagt. Es erwartet nämlich niemand von Ihnen, dass Sie über Nacht zur Lehrerin oder zum Lehrer werden.

Unterricht zu Hause - was ist die Aufgabe der Eltern?

Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten weiter, auch wenn in den Kindergärten und Schulhäusern derzeit kein Unterricht stattfindet. Dies bedeutet, dass nicht Sie verantwortlich sind für die Lerninhalte, die Ihre Kinder während dieser Zeit erarbeiten. Da nicht alle Eltern ihre Kinder in gleichem Masse unterstützen können, stellt die Lehrperson ein Programm zusammen, das auf die Bedürfnisse der Klasse zugeschnitten ist.

Vermutlich hat Ihr Kind bereits Unterrichtsmaterialien bekommen, an denen es arbeiten kann. Vielleicht verfügt es zusätzlich über einen Zugang zu einem Online-Lernangebot, über das es auch den Kontakt zur Lehrperson und zu den Klassenkameraden halten kann. Bestimmt hat Ihnen die Klassenlehrperson auch bekannt gegeben, zu welchen Zeiten und auf welchem Weg sie erreichbar ist, falls Fragen aufkommen.

Ihre Aufgabe ist es, mit Ihrem Kind eine Tagesstruktur zu erarbeiten, damit es gezielt und konzentriert arbeiten kann. Wenn es noch kleiner ist und bereits Online-Aufgaben zu lösen hat, müssen Sie vermutlich auch Ihr Tablet oder Ihren Computer mit ihm teilen und ihm beim Login helfen. Natürlich ist Ihr Kind auch sonst froh um Ihre Unterstützung, wenn es an einem Punkt nicht mehr weiterkommt. Ermutigen Sie Ihr Kind dazu, nach Möglichkeit die Lehrperson um Hilfe zu bitten. Auch für die meisten Lehrerinnen und Lehrer ist diese Art des Arbeitens noch neu und sie müssen erst noch Erfahrungen sammeln. Das direkte Gespräch mit den Kindern hilft ihnen, das Schulangebot anzupassen, falls es irgendwo noch hakt.

So klappt das Homeschooling

Auch wenn Sie also nicht von einem Tag auf den anderen einen neuen Beruf erlernen müssen, tragen Sie nun doch eine recht grosse Verantwortung dafür, dass Ihr Kind weiterhin erfolgreich lernen kann. Das können Sie tun, damit der Unterricht zu Hause gelingt:

Richten Sie einen festen Arbeitsplatz ein

Zwischen der Legobaustelle und dem Wäscheberg konzentriert zu arbeiten, ist nahezu unmöglich. Wenn Sie nur wenig Platz haben, räumen Sie während der "Schulzeiten" einen möglichst grossen Tisch leer und legen Sie alles bereit, was die Kinder zum Arbeiten brauchen. Falls es die Platzverhältnisse zulassen, lohnt es sich, für die kommenden Wochen eine Ecke oder gar ein Zimmer fix einzurichten, wo Schulkinder ungestört arbeiten können.

Aufstehen und bereit machen, als ob nichts wäre

Natürlich spricht nichts dagegen, die Kinder etwas länger schlafen zu lassen und auch selber etwas gemächlicher in den Tag zu starten als sonst. Damit keine Ferienstimmung aufkommt, ist es hilfreich, an Wochentagen immer etwa zur gleichen Zeit aufzustehen, gemeinsam zu frühstücken und sich anzuziehen. Im Pyjama und mit ungeputzten Zähnen dürfte es den meisten Kindern schwerfallen, den heimischen Schulunterricht ernst zu nehmen.

Erstellen Sie einen Stundenplan

Ohne Zeitplan passiert es schnell einmal, dass Aufgaben den ganzen Tag über aufgeschoben werden und dass es zu endlosen Diskussionen mit den Kindern kommt, weil noch nichts erledigt ist. Insbesondere wenn Sie selbst im Home Office arbeiten müssen, ist es wichtig, feste Arbeitszeiten zu vereinbaren. Ohne klare Tagesstruktur entsteht sonst ein nervenaufreibendes Hin und Her in dem noch ungewohnten Familien-, Berufs- und Schulalltag. Manchen Kindern reicht es, wenn  Sie "Schulstart" und "Schulschluss" gemeinsam festlegen, andere sind froh, wenn Sie auch im Voraus vereinbaren, welches Schulfach um welche Zeit dran ist.

Sorgen Sie für Abwechslung

Immer nur Arbeitsblätter ausfüllen oder am Tablet Aufgaben lösen, wird schnell einmal langweilig. Insbesondere kleinen Kindern fällt es schwer, lange an der gleichen Sache dranzubleiben. Ermutigen Sie Ihr Kind, mit verschiedenen Stiften zu arbeiten, schöne Titel zu gestalten, eine zum Thema passende Zeichnung zu machen - und so etwas Farbe in den ungewohnten Schulalltag zu bringen. Singen Sie zur Auflockerung zwischendurch gemeinsam ein paar Lieder oder legen Sie eine "Sportlektion" ein, z. B. mit "ALBAs tägliche Sportstunde" auf youtube.

Grosse Pause? Jetzt erst recht!

Pausen sind wichtig, um neue Energie zu tanken. Geben Sie Ihrem Kind Zeit, sich die Beine zu vertreten, einen gesunden Znüni zu essen und sich zu entspannen. Ihr Kind wird die Zeit, die es gewöhnlich mit seinen Freundinnen und Freunden verbringt, schmerzlich vermissen. Warum also nicht mit den allerliebsten Gspänli verabreden, dass man regelmässig in der "grossen Pause" miteinander telefoniert?

Helfen Sie Ihrem Kind bei der Arbeitseinteilung

Wenn sich alles ein wenig eingespielt hat, werden wohl viele Lehrpersonen den Kindern Wochenpläne zukommen lassen. Doch zu Beginn kommt erst mal eine rechte Fülle an Material ins Haus. Helfen Sie Ihrem Kind, das Material zu sortieren, die Aufgaben einzuteilen und einen Arbeitsplan zu erstellen.

Lassen Sie Ihr Kind möglichst selbständig arbeiten

Genau wie zu gewöhnlichen Zeiten auch, lernt Ihr Kind dann am meisten, wenn es sich die Inhalte selbständig erarbeiten kann. Natürlich ist Ihre Unterstützung jetzt mehr gefragt, weil weder Klassenkameraden noch Lehrpersonen da sind, um Dinge zu erklären und Aufgaben gemeinsam zu lösen. Dennoch brauchen Sie nicht stets neben Ihrem Kind zu sitzen, bis es alles erledigt hat. Es fühlt sich durch Ihre dauernde Anwesenheit vielleicht sogar gestresst - und Sie sind am Ende ebenfalls nur noch genervt, weil Sie ja auch noch anderes zu tun haben. Seien Sie deshalb voll für Ihr Kind da, wenn es auf Ihre Hilfe angewiesen ist und wenden Sie sich anderen Dingen zu, wenn es ganz gut alleine klarkommt.

Überlassen Sie das Korrigieren der Lehrperson

Auch in ausserordentlichen Zeiten gilt in Sachen Hausaufgaben der alte Grundsatz: Der Lehrer oder die Lehrerin kann nicht wissen, ob ein Kind den Lernstoff verstanden hat, wenn es seine Aufgaben erst abgibt, nachdem Sie alle Fehler korrigiert haben. Falls die Lehrperson Ihres Kindes keine Angaben gemacht hat, wie die Korrekturen gehandhabt werden, fragen Sie nach.

Lassen Sie sich vom Schulstoff inspirieren

Ihr Kind muss sich in der Mathematik mit Massen und Gewichten befassen? Dann backen Sie am Nachmittag einen Kuchen, damit es das Gelernte gleich anwenden kann. Es lernt in der Sachkunde etwas über Pflanzenwachstum? Dann setzen Sie mit ihm ein paar Erbsen oder Bohnenkerne und beobachten Sie, wie innert kurzer Zeit ein Pflänzchen zu keimen beginnt. Es muss einen Text über den Regenwald lesen? Dann suchen Sie nach einem spannenden Dokumentarfilm, um das Thema zu vertiefen.

Die Tage ohne Schulunterricht und Freizeitaktivitäten können sehr lang werden, da sind Sie froh, wenn Sie nicht immer selbst nach Inspiration für Beschäftigungsmöglichkeiten suchen müssen, sondern dort anknüpfen können, wo das Kind ohnehin gerade dran ist. Manche Lehrpersonen geben den Kindern Mini-Projekte auf, an denen sie über mehrere Tage oder Wochen arbeiten können. Ist dies bei Ihnen nicht der Fall, suchen Sie mit Ihrem Kind nach einer Idee für ein eigenes Projekt.

Letzte Aktualisierung : 19-03-20, TV

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