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                              grosse Babyaugen

                              Lese-, Lern- und Schreib­för­de­rung mit Vi­su­al­trai­ning 

                              In­ter­view mit Ni­co­le Mat­t­hies­sen


                              swiss­mom: Was ist Se­hen?

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen: Un­se­re Au­gen neh­men Licht auf, die­ses Licht trifft auf den Au­gen­hin­ter­grund und löst dort Ner­ven­im­pul­se aus. Die­se wer­den über den Seh­nerv ins Ge­hirn wei­ter­ge­lei­tet - die „Au­gen“ se­hen! Eine sehr ein­fa­che „Er­kennt­nis“, in der sehr viel mehr In­for­ma­tio­nen ste­cken. Die Bil­der, die un­se­re Au­gen auf­neh­men, wer­den mit den Er­fah­run­gen, die wir bis­her ge­macht ha­ben, ver­gli­chen, er­kannt und ggf. er­wei­tert. So er­mög­licht uns un­ser Ge­hirn zu ver­ste­hen, zu ler­nen und zu be­ur­tei­len, was ge­ra­de vor un­se­ren Au­gen pas­siert. Se­hen ist ein Zu­sam­men­spiel von vier Sys­tem

                              • Zu­erst muss man wis­sen: „Wo bin ich?“ Wir ori­en­tie­ren uns. Dies ge­schieht über die Au­gen­be­we­gung (Blick­sprün­ge und Fol­ge­be­we­gun­gen). Zu die­sem Sys­tem ge­hört auch der Gleich­ge­wichts­sinn.

                              • Da­nach kommt das Zen­trie­ren, also „WO bin ich und WAS ist um mich her­um?“.  Dazu müs­sen un­se­re Au­gen zu­sam­men­ar­bei­ten und sich ge­mein­sam im glei­chen Win­kel auf ein Ob­jekt aus­rich­ten.

                              • Es folgt die Iden­ti­fi­zie­rung, das „Scharf­stel­len“ auf eine be­stimm­te Ent­fer­nung und die Ana­ly­se des Ge­se­he­nen (wir ver­glei­chen Ge­se­he­nes mit Ge­spei­cher­tem und so brau­chen wir ein bild­li­ches Vor­stel­lungs­ver­mö­gen).

                              • Erst jetzt kön­nen wir uns ein „Bild ma­chen“ und mit an­de­ren Men­schen kom­mu­ni­zie­ren, was wir se­hen.

                              Zur Per­son

                              Nicole Matthiesen

                              Nicole Matthiessen hat sich als Augenoptikerin ausbilden lassen, danach wurde sie Augenoptikermeisterin (Optometristin). Schnell hat sie gemerkt, dass Augenoptik noch mehr zu bieten hat als Brillen verkaufen und Sehtests durchzuführen. So hat sie sich von  der OEPF (Optometric Extension Program Foundation) zur Funktionaloptometristin ausbilden lassen. In der gesamten Schweiz, Deutschland und Österreich hat es bisher nur einen Kurs dieses komplexen Wissensgebietes gegeben und sie gehört zu diesen ersten Teilnehmern. 

                              swiss­mom: Was ist Vi­su­al­trai­ning?

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen:  Vi­su­al­trai­ning ist ein spe­zi­el­ler Be­hand­lungs­plan, um spe­zi­fi­sche Stö­run­gen des vi­su­el­len Sys­tems zu kor­ri­gie­ren oder zu ver­bes­sern. So wird vi­su­el­len Funk­ti­ons­stö­run­gen vor­ge­beugt oder die­se wie­der­her­ge­stellt. Die Be­hand­lung scheint für vie­le sehr un­kom­pli­ziert und ein­fach, je­doch braucht es je nach „Be­fund“ spe­zi­el­le Ver­fah­ren und Ge­rä­te. Die­se rei­chen von kom­pli­zier­ten op­ti­schen und elek­tro­ni­schen In­stru­men­ten bis zu ein­fachs­ten Stif­ten, Ta­schen­lam­pen oder ei­nem Spie­gel. Ein Vi­su­al­trai­ning wird nicht aus­schliess­lich dazu ein­ge­setzt, die Au­gen­mus­ku­la­tur zu ver­bes­sern, son­dern um vi­su­el­le „De­fek­te“ zu be­han­deln. So wird ein bes­se­res und an­ge­neh­me­res Se­hen er­reicht, wo­durch sich die Leis­tungs­fä­hig­keit ver­bes­sert und die Le­bens­qua­li­tät steigt. So ein Trai­ning wird von aus­ge­bil­de­ten Funk­tio­nal­op­to­me­tris­ten durch­ge­führt.

                              swiss­mom: Was sind Funk­tio­nal­op­to­me­tris­ten und wo ar­bei­ten sie?

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen:  Funk­tio­nal­op­to­me­tris­ten sind Op­to­me­tris­ten (Au­gen­op­ti­ker mit Di­plom), die sich auf dem Ge­biet der Funk­tio­nal­op­to­me­trie wei­ter­ge­bil­det ha­ben. Die­se Spe­zia­li­sie­rung ist lei­der noch sel­ten und wird von der Schul­me­di­zin nicht be­ach­tet. Die Be­trach­tung des ganz­heit­li­chen Se­hens kann man da­her als Al­ter­na­tiv­the­ra­pie be­zeich­nen. Wir ar­bei­ten bei spe­zia­li­sier­ten Op­ti­kern oder in ei­ner ex­ter­nen ei­ge­nen „Pra­xis“.

                              swiss­mom: Wo hilft Vi­su­al­trai­ning und was kann es be­wir­ken? 

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen: Vi­su­al­trai­ning kann hel­fen bei:

                              • Lese-, Lern- oder Recht­schreib­schwä­che,

                              • Auf­merk­sam­keits­de­fi­zi­ten und Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten,

                              • Nicht durch Krank­heit be­ding­tes sicht­ba­res Schie­len oder Schwach­sich­tig­keit ei­nes Au­ges,

                              • Pris­men­re­du­zie­rung durch ver­steck­tes Schie­len („Win­kel­fehl­sich­tig­keit“),

                              • Kurz­sich­tig­keit (Sta­bi­li­sie­rung und Ent­ste­hung),

                              • Ver­bes­se­rung von Ak­ko­mo­da­ti­ons-, Au­gen­be­we­gungs- und vi­su­ell-mo­to­ri­schen Wahr­neh­mungs­fä­hig­kei­ten,

                              • Leis­tungs­sport­ler, die ihre vi­su­el­len Fä­hig­kei­ten ver­bes­sern wol­len (z.B. Ten­nis-, Fuss­ball-, Ski- und Reit­sport),

                              • Re­ha­bi­li­ta­ti­on nach Hirn­ver­let­zun­gen, nach Schlag­an­fall oder Un­fall (im Be­reich der vi­su­el­len Fä­hig­kei­ten) 

                              Es be­wirkt, dass das vi­su­el­le Sys­tem wie­der ins Gleich­ge­wicht kommt und leis­tungs­fä­hi­ger wird. Hier eine kur­ze Auf­lis­tung ei­ni­ger Din­ge, die sich durch ein Vi­su­al­trai­ning ver­bes­sern kön­nen: 

                              • Un­schär­fen in der Nähe beim Le­sen ver­schwin­den, man ist ent­spann­ter und leis­tungs­fä­hi­ger,

                              • kein Dop­pelt­se­hen mehr, 

                              • Kopf­schmer­zen ver­schwin­den, 

                              • es wird mög­lich, sich bes­ser zu kon­zen­trie­ren,

                              • Ent­fer­nun­gen wer­den rich­tig ein­ge­schätzt, usw. .. 

                              Oft ver­bes­sert sich auch das Schrift­bild. Le­sen und Schrei­ben sind kei­ne „Fein­de“ mehr und Schu­le be­rei­tet wie­der Freu­de. So­mit steigt die Le­bens­qua­li­tät; Zie­le sind leich­ter zu er­rei­chen. 

                              swiss­mom: Wie be­ur­tei­len Sie vor­gän­gig das vi­su­el­le Wahr­neh­mungs­ver­mö­gen ei­nes Kin­des?

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen:  Bei ei­ner aus­führ­li­chen Ab­klä­rung wird ge­prüft, ob eine „nor­ma­le“ Kor­rek­tur und/oder eine Win­kel­fehl­sich­tig­keit vor­liegt. Da­nach fol­gen vie­le ver­schie­de­ne Tests um die Leis­tungs­fä­hig­keit des vi­su­el­len Sys­tems (Auge < - > Ge­hirn) zu be­ur­tei­len. Dazu ge­hö­ren die Au­gen­be­we­gungs­fä­hig­kei­ten, die Fä­hig­keit, die Au­gen auf ein Ob­jekt kor­rekt aus­zu­rich­ten, der Wech­sel von der Fer­ne zur Nähe und um­ge­kehrt und die Wei­ter­ver­ar­bei­tung und das Be­grei­fen des Ge­se­he­nen. Mit Hil­fe von In­fra­rot­sen­so­ren in ei­ner spe­zi­el­len Bril­le kann fest­ge­stellt wer­den, wie schnell und prä­zi­se ge­le­sen wer­den kann und ob bei­de Au­gen gleich stark am Le­sen be­tei­ligt wer­den (sie­he Bild). Da­nach kann ich be­stim­men, ob eine Bril­le und/oder ein Vi­su­al­trai­ning in Fra­ge kom­men.

                              swiss­mom: Wie läuft ein Vi­su­al­trai­ning ab? 

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen: Der Ab­lauf ei­nes Vi­su­al­trai­ning ist ganz in­di­vi­du­ell und wird für je­den Ein­zel­nen neu be­stimmt und im Lau­fe des Trai­nings an­ge­passt. Mit ge­ziel­ten Übun­gen wird die Wahr­neh­mung und da­mit auch die Ver­ar­bei­tung von In­for­ma­tio­nen ge­schult, ver­bes­sert und au­to­ma­ti­siert. Das heisst: Mehr In­for­ma­tio­nen in we­ni­ger Zeit ef­fek­ti­ver nut­zen. Auch die Ge­samt­dau­er ei­nes kom­plet­ten Trai­nings ist un­ter­schied­lich (ca. 1/2 bis 3/4 Jahr). Hier ein Bei­spiel:

                              • 23 Ein­hei­ten zu je 50 Mi­nu­ten in der Pra­xis (Ein­zel­un­ter­richt) 

                              • täg­li­ches Trai­ning zu Hau­se (ca. 15 Mi­nu­ten)

                              • Zwi­schen-, End-, und Nach­kon­trol­len 

                              Je kon­se­quen­ter auch zu Hau­se ge­übt wird, des­to schnel­ler ent­ste­hen Ver­bes­se­run­gen (wie bei je­dem an­de­ren Trai­ning auch). 

                              swiss­mom: Ab wel­chem Al­ter ist eine Ab­klä­rung mög­lich? 

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen: Eine Ab­klä­rung ist be­reits ab ei­nem Al­ter von we­ni­gen Mo­na­ten mög­lich. Hier­bei han­delt es sich aber eher um eine Ab­klä­rung der all­ge­mei­nen vi­su­el­len Mög­lich­kei­ten und Funk­tio­nen. Es ist sehr wich­tig, mög­lichst früh zu er­ken­nen, ob „Feh­ler“ vor­lie­gen, um spä­te­re Pro­ble­me di­rekt zu ver­mei­den. Vie­len El­tern fällt erst bei Ein­tritt in die Schul­zeit auf, dass es Schwie­rig­kei­ten gibt. Das ist sehr ver­ständ­lich, da bis­her nie­mand ge­tes­tet hat, ob das vi­su­el­le Sys­tem den An­for­de­run­gen in der Schu­le ge­wach­sen ist. Ein Seh­test beim Kin­der­arzt prüft in ers­ter Li­nie nur die Seh­schär­fe und die Stel­lung der Au­gen.

                              swiss­mom: Bei wel­chen An­zei­chen sol­len El­tern ei­nen Au­gen­op­ti­ker/in, Op­to­me­tris­ten/in oder Au­gen­arzt/in auf­su­chen?

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen: Es gibt sehr vie­le An­zei­chen:

                              • Kopf­schmer­zen, 

                              • un­schar­fes Se­hen, 

                              • dop­pelt Se­hen

                              • wenn ein Auge in eine an­de­re Rich­tung schaut als das an­de­re, 

                              • lang­sa­mes Le­sen („Le­sen ist doof“), 

                              • Ver­tau­schen von Buch­sta­ben (b,d,p,q) und/oder Wör­tern, 

                              • un­re­gel­mäs­si­ges Schrift­bild, 

                              • Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, 

                              • sehr kur­ze Ent­fer­nung beim Le­sen oder Schrei­ben, 

                              • häu­fi­ges Stol­pern und An­stos­sen

                              • Schwie­rig­kei­ten bei Ball­sport­ar­ten, usw.. 

                              swiss­mom: Ist es wich­tig, bei Lern-, Lese- und Schreib­schwä­che mög­lichst früh­zei­tig zu han­deln? Und war­um?

                              Ni­co­le Mat­t­hies­sen: Ja, je frü­her des­to bes­ser. Je län­ger man war­tet, des­to wei­ter kann ein Kind in eine Art Spi­ra­le ge­lan­gen, aus der es im­mer schwe­rer wird, wie­der her­aus­zu­kom­men. Als ers­tes ist da „nur“ das lang­sa­me­re Le­sen oder die Haus­auf­ga­ben, die kei­nen Spass ma­chen. Es fol­gen die schlech­te­ren No­ten und ein stei­gen­der Druck. Ir­gend­wann kommt dann das Flucht­ver­hal­ten: „Ich kann das nicht“! Da­mit so eine es­ka­lie­ren­de Si­tua­ti­on nicht ein­tritt und es zu kei­ner Lese-/Lern­ver­wei­ge­rung kommt, braucht es ne­ben dem Trai­ning auch Ge­duld, Ver­ständ­nis und Zu­spruch, aber kein Schimp­fen und De­mü­ti­gun­gen. Oft wer­den die­se Kin­der als faul oder dumm ge­se­hen, ob­wohl sie in an­de­ren Be­rei­chen, die nicht so ab­hän­gig sind von den Au­gen, sehr gute Leis­tun­gen brin­gen. In vie­len Fäl­len ist es auch so, dass die ge­sam­te Fa­mi­lie dar­un­ter lei­det, wenn ein Kind nicht die Leis­tun­gen brin­gen kann, die er­war­tet wer­den.  Es herrscht kein „Frie­den“ zu Hau­se, wenn es je­den Tag Schwie­rig­kei­ten gibt.

                              Mehr In­for­ma­tio­nen zum The­ma Vi­su­al­trai­ning - ob eine Ab­klä­rung sinn­voll ist, "er­fah­ren sie di­rekt im seh­blick“ wir freu­en uns auf ei­nen Be­such un­ter www.seh­blick-hor­gen.ch.

                              Letzte Aktualisierung: 18.12.2020, AS
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