Kleinkinder spielen mit Einkaufswagen

Die soziale Kompetenz fördern

Ein Neugeborenes könnte nicht überleben ohne die Menschen, die es umsorgen und seine Bedürfnisse stillen. Die sozialen Kompetenzen, die es braucht, um sein Überleben zu sichern, sind ihm deshalb in die Wiege gelegt. Es kann beispielsweise grundlegende Bedürfnisse äussern und ist fähig, eine sichere Bindung zu seinen engsten Bezugspersonen aufzubauen. Der Grundstein für das Zusammenleben mit anderen Menschen ist von Anfang an gelegt, doch im Laufe der kommenden Jahre gilt es in diesem Bereich noch viel zu lernen. 

Doch was ist eigentlich Sozialkompetenz? Der Duden definiert den Begriff als die "Fähigkeit einer Person, in ihrer sozialen Umwelt selbstständig zu handeln". Damit ist unter anderem gemeint, dass man fähig ist, im Zusammenleben mit anderen die eigenen Bedürfnisse zu stillen und Ziele zu erreichen. Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille, denn wer nur sich selber im Blickfeld hat, macht sich schnell einmal unbeliebt. Zur Sozialkompetenz gehört es deshalb auch, die Bedürfnisse und Ziele anderer zu berücksichtigen. Sie umfasst zahlreiche soziale Fähigkeiten, die in der Gemeinschaft zum Tragen kommen, zum Beispiel:

  • Kontakt aufnehmen 
  • andere imitieren oder ihnen etwas vorzeigen 
  • etwas teilen
  • sich in die Sichtweise anderer einfühlen können 
  • gemeinsam Ideen entwickeln und etwas erarbeiten 
  • sich an Regeln halten, die das Zusammenleben erleichtern 
  • jemanden motivieren 
  • Konflikte lösen 
  • Verantwortung übernehmen 
  • einander helfen, etc.

Viele dieser Fähigkeiten werden im Familienalltag ganz nebenbei erlernt und trainiert. Hier einige Anregungen, wie Sie die soziale Entwicklung Ihres Kindes unterstützen können:

  • Ihr Kind lernt mehr durch das, was Sie vorleben, als durch das, was Sie sagen. Pflegen Sie in der Familie einen liebe- und respektvollen Umgang, prägt dies Ihr Kind positiv. Von Ihnen schaut es sich ab, wie man Freundschaften aufrecht erhält, Konflikte löst, mit Fehlern umgeht, sich entschuldigt oder jemandem zeigt, dass man ihn oder sie mag.   
  • Im Familienalltag erleben Kinder, dass es gewisse Regeln gibt, die man einhalten muss und dass es Konsequenzen nach sich zieht, wenn man sie missachtet. Dies zu lernen ist ausgesprochen wichtig, denn überall, wo Menschen zusammenkommen, begegnet das Kind Vorschriften und Regeln, egal ob im Strassenverkehr, im Kindergarten oder auf dem Spielplatz
  • Respektieren Sie die Grenzen, die Ihr Kind setzt. Dies gilt ganz besonders für Berührungen. Wenn es zum Beispiel gerne umarmt wird, aber nicht geküsst werden will, müssen Erwachsene dies akzeptieren. So lernt das Kind, dass es ein Recht hat, Nein zu sagen. 
  • Erledigen Sie kleine Arbeiten gemeinsam: Kuchen backen, im Garten etwas pflanzen, einen Gegenstand reparieren, etc. Ihr Kind lernt dabei, Anweisungen zu befolgen, erlebt aber vor allem auch, dass seine Hilfe geschätzt wird und dass es zu einem gelungenen Resultat beitragen kann. 
  • Rollenspiele machen es möglich, in die Haut einer anderen Person zu schlüpfen und ihre Sichtweise einzunehmen. Mit einer gut ausgestatteten Verkleidungskiste, einem Puppenhaus oder einem Kasperli-Theater sind Kinder bestens für solche Spiele ausgerüstet. 
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind Kontakt mit Gleichaltrigen. Dies gilt auch für Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen. Es ist nämlich nicht das gleiche, ob man mit der kleinen Schwester, die in vielen Dingen noch unterlegen ist, im Sandkasten spielt oder mit einem kräftemässig ebenbürtigen Kind, das die Sandschaufel partout nicht hergeben will. 
  • Sich eine gewisse Zeit alleine beschäftigen zu können, ist eine bedeutende Fähigkeit. Zur sozialen Entwicklung gehört es, dass man nicht pausenlos von anderen unterhalten werden muss, sondern auch mal selber einen Ausweg aus der Langeweile findet. 
  • Kinder müssen lernen, Konflikte auszutragen. Dies ist nicht möglich, wenn Erwachsene ihnen eine pannenfertige Lösung servieren, sobald es in der Spielecke laut wird. Ihre Aufgabe ist es nicht, den Konflikt aus dem Weg zu räumen, sondern zwischen den Streithähnen zu vermitteln und sie dabei zu begleiten, selber eine Lösung zu finden. 
  • Wenn Ihr Kind nur wenige Freunde hat und sich selten zum Spielen verabredet, muss dies nicht zwangsläufig bedeuten, dass es ausgeschlossen wird. Nicht jeder Mensch hat ein gleich starkes Bedürfnis nach sozialen Kontakten. Während die einen in grossen Gruppen richtig aufblühen, sind andere mit zwei oder drei guten Freundschaften am glücklichsten. Wenn Sie merken, dass Ihr Kind unter der Situation leidet und eigentlich ganz gerne mehr Anschluss hätte, braucht es selbstverständlich Unterstützung. Wenn es aber zufrieden ist, seine Freundschaften pflegt und in sozialen Zusammenhängen grundsätzlich gut zurechtkommt, müssen Sie sich keine Sorgen machen. 
  • Im Umgang mit Haustieren lernen Kinder, sich um die Bedürfnisse eines Lebewesens zu kümmern und Verantwortung zu übernehmen. 
  • Damit Beziehungen gelingen, ist es wichtig, mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer angemessen umgehen zu können. Wie Sie Ihr Kind dabei unterstützen können, seine emotionale Kompetenz zu entwickeln, lesen Sie hier

Letzte Aktualisierung: 09.2017, TV