Zwillinge reden miteinander

Erziehung von Mehrlingen

Mehrlinge zu erziehen, ist eine spannende Aufgabe, welche die Eltern je nach Familienkonstellation vor ganz unterschiedliche Herausforderungen stellt. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema kann ein einzelner Artikel natürlich nicht bieten, dafür aber einige Denkanstösse:

  • Egal, wie ähnlich sie sich sehen mögen und wie eng die Bindung zwischen ihnen sein mag, Mehrlinge sind nicht einfach "die Zwillinge" oder "die Drillinge", sondern eigenständige Menschen. Auch wenn es bequem ist, die Kinder in der Mehrzahl anzusprechen und auch wenn es hübsch aussieht, wenn alle das Gleiche tragen, sollten sich Mehrlingseltern doch von Anfang an darum bemühen, jedes Baby in seiner Persönlichkeit kennen zu lernen und anzusprechen.  Während es den Eltern nach einiger Zeit leicht fällt, die Kleinen zu unterscheiden, brauchen Verwandte und Freunde dafür zuweilen länger. Falls Eltern bemerken, dass andere Bezugspersonen sich nicht die Mühe machen, die Kinder als Individuen wahrzunehmen, sollten sie dies ansprechen und darauf bestehen, dass jedes Kind als eigenständige Person angeredet und behandelt wird. 
  • Auch wenn es sich nie ganz vermeiden lässt, sollten Eltern von Mehrlingen doch so weit als möglich darauf verzichten, ihre Kinder miteinander zu vergleichen. Jedes Kind macht die Entwicklungsschritte in seinem eigenen Tempo durch und es ist vollkommen normal, dass das eine vielleicht schon läuft, währenddem das andere noch auf allen Vieren unterwegs ist. 
  • Viele Mehrlingskinder vermissen einander schnell einmal, wenn sie nicht zusammen sind. Dennoch tut es Kindern und Eltern gut, wenn man mal einem einzelnen Kind die ganze Aufmerksamkeit schenken kann. Tage, an denen jedes Kind einen Elternteil für sich hat, sind darum sehr wertvoll. 
  • Da Mehrlinge stets mindestens einen gleichaltrigen Spielkameraden an ihrer Seite haben, sind sie sich oft selbst genug. Dennoch ist es wichtig, dass sie auch mit anderen Kindern in Kontakt kommen. Dies muss nicht bedeuten, dass die Mehrlinge künstlich voneinander getrennt werden. Der gemeinsame Besuch einer Spielgruppe oder einer Krippe, wo sie zwar einander haben, aber doch auch mit anderen Kinder spielen, trägt viel dazu bei, dass die Mehrlinge lernen, sich in Kindergruppen zu integrieren. 
  • Was Einlinge erst später lernen müssen, beginnt für Mehrlinge schon sehr früh: Das Teilen von Aufmerksamkeit, Spielsachen und Alltagsgegenständen. Zwar mag es sinnvoll sein, sehr beliebte Spielgeräte wie z. B. Bobby Cars in mehrfacher Ausführung anzuschaffen, es würde aber sicher den Rahmen der meisten Wohnungen und Budgets sprengen, dem lieben Frieden zuliebe alles doppelt oder dreifach zu kaufen. Es gilt also, sich mit einer gehörigen Portion Geduld zu wappnen, denn die Kämpfe um "Mein" und "Dein" müssen früher oder später durchgestanden werden. Unterschiedliche Aufkleber oder Farben helfen den Kindern bei der Unterscheidung, wem was gehört. Auch wenn Mehrlinge oft gerne und lange das Zimmer teilen, sollten sie mit der Zeit einen Ort haben, wo sie ihre persönlichen Gegenstände, die sie mit niemandem teilen wollen, unterbringen können. 
  • Eltern von Mehrlingen kommen nicht umhin, in der Erziehung konsequent zu sein, denn sonst laufen die Dinge schnell einmal aus dem Ruder. Wenn zwei oder mehr kleine Menschen den lieben langen Tag ihren Kopf durchsetzen wollen, kann man sich nicht bei jeder Kleinigkeit Grundsatzdiskussionen leisten.   
  • Bei vielen Mehrlingen verläuft die Sprachentwicklung etwas verzögert, was Forscher darauf zurückführen, dass Mehrlinge weniger oft einzeln angesprochen werden und dass die Eltern allgemein mehr zu tun haben. Einige Zwillinge entwickeln in der frühen Kindheit eine "Zwillingssprache", die ausser ihnen niemand verstehen kann. Meistens verliert sich diese mit der Zeit von selbst wieder. Wenn Eltern aber bemerken, dass die gewöhnliche Sprachentwicklung leidet und die Mehrlinge nicht in der Lage sind, sich gegenüber anderen Personen verständlich zu machen, sollten sie sich an den Kinderarzt oder die Kinderärztin wenden. 

Lesen Sie auch unser Interview mit Frau Elian Zürcher zum Thema Gut vorbereitet auf den Alltag mit Mehrlingen.


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