7. Woche - "Gute Schmerzen, schlechte Schmerzen"

Eigentlich wollte ich diese Woche über Emil’s erste Flugreise berichten. Ein Mädels-Trip nach Amsterdam, wo eine Freundin von mir seit einem halben Jahr wohnt, war schon seit langem für dieses Wochenende geplant. Dann kam aber alles anders. In der Nacht vor dem Abflug – die Koffer standen fertig gepackt im Flur – bin ich plötzlich mit starken Bauchkrämpfen aufgewacht und musste die Reise schweren Herzens absagen. Nach mehreren Untersuchungen weiss ich inzwischen, dass ich Gallensteine habe, die wohl ab und zu mal abgehen, was sich dann in Form von schmerzhaften Koliken äussert.

Gallensteine?! Ich weiss, dass klingt unglaublich sexy. Auch ich war bisher immer der Meinung, das hätten nur über 70 jährige, stark übergewichtige, alkoholabhängige Kettenraucher. Es war mir ja klar, dass es ab 30 stetig abwärts geht, aber so schnell habe ich den körperlichen Zerfall noch nicht erwartet… Aber nein, offensichtlich ist auch eine Schwangerschaft ein Auslöser für Gallensteine. Viele Frauen bemerken es dann noch nicht einmal, weil es nie zu solchen Koliken kommt. Werden diese jedoch häufiger und schmerzhafter, muss man über eine Entfernung der Gallenblase nachdenken. Das tue ich jetzt also, darüber nachdenken… anscheinend kann man ja auch ohne Gallenblase sehr gut leben.

Apropos Schmerzen, ich war nun tatsächlich zum ersten Mal in der Rückbildungsgymnastik. Und siehe da, ich scheine tatsächlich irgendwo noch Bauchmuskeln zu besitzen, jedenfalls hatte ich am nächsten Tag einen heftigen Muskelkater. Emil durfte auch am Kurs teilnehmen, da ich mich dieses Mal für einen Kurs mit Baby entschieden habe. Er war auch die ganze Zeit über ganz lieb und hat kaum geschrien. Manchmal habe ich mir das zwar gewünscht, damit ich bei der einen oder anderen Übung mal kurz aussetzen kann… Die Instruktorin, eine dynamische Mittfünfzigerin im Körper einer 19-jährigen, hatte keine Gnade mit uns. Wenn man wie ich auch vor der Schwangerschaft schon nach einem Sit-Up das Handtuch geworfen hätte, wurde man in diesem Kurs wirklich gefordert. Ich habe mir aber ganz fest vorgenommen, die Chance zu nutzen und meine Bauchmuskeln nach dieser Geburt tatsächlich wieder in Form zu bringen. Somit bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als den Kurs nun Woche für Woche während der nächsten drei Monate tapfer durchzustehen und die Zähne zusammen zu beissen. Muskelkater ist ja im Gegensatz zu den fiesen Gallenkoliken ein „guter“ Schmerz, der einem zeigt, dass man es richtig gemacht hat.

Mit der Gewichtsabnahme klappt es soweit eigentlich ganz gut. Mir fehlen jetzt noch drei Kilo bis zum Gewicht vor der Schwangerschaft und fünf bis zum Wunschgewicht. Leider hatte ich während der Schwangerschaft oft Heisshungerattacken, welche ich mit Unmengen von Schokolade und anderen Süssigkeiten gestillt habe. Es fällt mir ziemlich schwer, diese schlechte Angewohnheit jetzt wieder loszuwerden. Nach einem anstrengenden Tag mit den beiden Kindern, wenn Julius endlich im Bett ist und ich mit Emil auf dem Sofa liege und mir mit dem obligatorischen „Prominent“ meine tägliche Dosis Promiklatsch einverleibe, ist meistens auch der ein oder andere Keks oder Schokoriegel mit im Spiel… sei es zum Trost, als Belohnung oder einfach nur aus Genuss. Irgendwas ist ja immer. Ich bin mir sicher, dass die letzten fünf Kilo ohne diese zusätzlichen Kalorien ganz schnell schmelzen würden, aber so kann es durchaus sein, dass sie mich bis zum Lebensende begleiten werden. Ob ich diese Disziplin wohl irgendwann aufbringen werde?  

Caroline Hafner schreibt in den ersten 8 Lebenswochen Ihres Emils wöchentlich, danach monatlich über Ihre Erfahrungen als junge Mutter. Fortsetzung folgt...