Mädchen liegt in einem Wutanfall schreiend auf dem Boden

Affektkrämpfe (Wutkrämpfe, Wegschreien, Schreikrampf)

Unter einem Affektkrampf versteht man eine starke emotionale Reaktion, die nicht mehr kontrolliert werden kann und sich in Wein- oder Lachkrämpfen, hauptsächlich aber in Schreikrämpfen äussert. Etwa 5 bis 10 % aller Babys und Kleinkinder zwischen sechs Monaten und vier Jahren neigen zu so genannten respiratorischen Affektkrämpfen, manche nur selten pro Jahr, andere mehrmals am Tag.

Merkmale

Verursacht wird ein Affektkrampf durch einen negativen Reiz, häufig durch Schmerzen oder heftiges Erschrecken. Er ist auch bei Kindern zu beobachten, denen etwas verboten wird oder die sich über etwas ärgern. Sie steigern sich beim Schreien mitunter derartig in einen Anfall aus Wut, Trotz oder Angst hinein, dass sie nach dem Ausatmen sekundenlang den Atem anhalten.

Die abnorme Erregung des Kindes bewirkt einen krampfartigen Verschluss der Stimmritze mit Atemstillstand. Der Blutdruck fällt ab, der Herzschlag wird langsamer. Der Körper versteift sich, das Gesicht wird blass, die Lippen oft bläulich ("zyanotisch"). Schliesslich verdreht das Kind die Augen, wird bewusstlos und fällt schlaff hin.

Dies versetzt Eltern meist in Panik, vor allem beim ersten Mal.  Es ist jedoch körperlich gesehen eine absolut sinnvolle Reaktion. Durch die  Bewusstlosigkeit  löst sich der Krampf und das Kind beginnt wieder richtig zu atmen. Trotz der kurzzeitigen Unterbrechung der Versorgung durch Sauerstoff, nimmt das Gehirn keinen Schaden. Nach einigen Sekunden bis Minuten kommt das Kind wieder zu sich, ist dann meist erschöpft, gelegentlich schlafbedürftig.

Obschon ein solches Ereignis für Eltern dramatisch und erschreckend ist, besteht kein Grund zur Besorgnis. Es handelt sich hierbei nicht um ein Anfallsleiden (Epilepsie) oder um einen Fieberkrampf, sondern um Krämpfe, die durch den Sauerstoffmangel bedingt sind. Trotzdem empfiehlt es sich, nach dem ersten grossen Schreikrampf vorsorglich den Kinderarzt aufzusuchen, um etwaige andere Krankheiten, z.B. der Lungen oder des Herzens auszuschliessen.

Ursache

Man weiss zwar, wie solche Affektkrämpfe zustande kommen. Die eigentliche Ursache ist jedoch weitestgehend unbekannt. Sie kommt bei Jungen häufiger vor als bei Mädchen. Und besonders willensstarke, lebhafte und vermehrt reizbaren Kleinkinder sind öfters betroffen. Oft besteht eine familiäre Veranlagung zu übermässiger Erregbarkeit, zu Jähzorn und Angstzuständen. Bei etwa einem Viertel der betroffenen Kinder kommen Affektkrämpfe auch bei Geschwistern oder sind früher bei den eigenen Eltern vorgekommen.

Was ist zu tun?

Medizinisch gesehen sind diese Wutreaktionen relativ harmlos. Auch bei häufigerem Auftreten und längerer Dauer der Anfälle sind schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes nicht zu befürchten. Behandeln lassen sich diese Krämpfe nicht. Eltern können aber die Intensität die Häufigkeit vom Krampfanfällen positiv beeinflussen, indem sie nicht in Panik geraten und möglichst ruhig, gelassen und beschwichtigend darauf reagieren. Der sich aufschaukelnden Affekt kann ausserdem vermieden oder abgeschwächt werden, indem man die Aufmerksamkeit des Kindes auf eine andere Sache lenkt. Es kann auch hilfreich sein, dem Kind mit einem kalten Waschlappen über das Gesicht zu streichen.

Die Gefahr ist gross, dass die verständlicherweise besorgten Erwachsenen falsch reagieren - vor allem durch überbesorgtes Verhalten oder indem dem Kind jeder Wunsch erfüllt wird, um ihm keinen Anlass zu Wut und Trotz zu geben und somit einen Affektkrampf möglichst zu vermeiden. Damit tut man dem Kind und auch sich selber aber keinen Gefallen. Lässt man nämlich dem Kind als Folge seines Verhaltens zusätzliche Aufmerksamkeit zukommen, wird sein Verhalten damit belohnt. Es tritt ein Lerneffekt des Körpers ein, eine sogenannte Konditionierung des Gehirns,  die Verhaltensabläufe festigen sich und die Affektkrämpfe könnten folglich sogar noch häufiger auftreten.

Mit zunehmendem Alter verfügt das Kind über bessere Bewegungskoordination und wird immer sicherer. Es lernt, besser mit seinen Emotionen, seiner Wut oder seinem Trotz umzugehen und die Anfälle klingen nach und nach ab.

Stand: 01/15, BH/JH