Hände am Kopf des Babys

Das KiSS-Syndrom

Das KiSS-Syndrom steht für die Abkürzung „Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung“ und bezeichnet eine Bewegungsstörung bzw. Haltungsstörung, die in erster Linie Babys und Kleinkinder betrifft. Die Fehlstellung geht vom Übergangsbereich zwischen der Schädelbasis und den Wirbelgelenken im Bereich der oberen Halswirbelsäule aus und führt zu Verspannungen der Nackenmuskulatur.

In der Osteopathie und Alternativmedizin spielt das KiSS-Syndrom heute eine bedeutende Rolle. Die Schulmedizin zweifelt die Existenz des Krankheitsbildes allerdings bislang an und argumentiert, dass alle Symptome auch andere Ursachen haben können. Einen wissenschaftlichen Beweis für den beim KiSS-Syndrom angenommenen Zusammenhang zwischen der Fehlhaltung und den resultierenden Beschwerden gebe es nicht.

Der Begriff KiSS-Syndrom geht auf den Arzt Heiner Biedermann zurück. Er geht davon aus, dass Verschiebungen der Wirbelgelenke der Halswirbelsäule schon vor der Geburt (z.B. bei Steiss- oder Beckenendlage) für die Symptome verantwortlich sind. Auch Probleme während der Geburt können zum KiSS-Syndrom führen, wenn das Köpfchen des Ungeborenen unter hohem Druck durch den engen Geburtskanal der Mutter gepresst wird oder es während der Geburt Drehbewegungen durchführt, die das Kopfgelenk stark belasten. Risikofaktoren für ein KiSS-Syndrom sind deshalb eine Saugglockengeburt oder Zangengeburt, Notfall-Kaiserschnitte, Zwillingsgeburten, sehr schnelle Geburten und ein Geburtsgewicht von mehr als 4.000 g.

KiSS-Syndrom-Babys können eine starke Schiefhaltung des Kopfes – deshalb früher die Bezeichnung Schiefhals – und des Rumpfes sowie gegebenenfalls eine deutlich asymmetrische Schädelform mit abgeplattetem Hinterkopf aufweisen. Probleme im Bereich der Halswirbelsäule können sich aber auch durch eine zur Seite oder nach hinten gekrümmte Wirbelsäule mit Rückbeuge des Kopfes bemerkbar machen. Babys mit KiSS-Syndrom meiden typischerweise die Bauchlage und krabbeln ungern.

Das KiSS-Syndrom kann weitere schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung des betroffenen Kindes haben:

Bevor das KiSS-Syndrom alternativmedizinisch behandelt wird, ist eine umfassende Untersuchung der Kinder empfehlenswert, damit eine andere, schwerwiegendere Ursache nicht übersehen wird. Findet sich nichts, ist ein Behandlungsansatz die manuelle Therapie, welche die Symmetrie der Halswirbelsäule wiederherstellen soll. Eine osteopathische Therapie ist als unterstützende Massnahme möglich. Wenn die manuelle Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringt, folgt im nächsten Schritt der Behandlung die Krankengymnastik. Allerdings sollte die Physiotherapie frühestens vier Wochen nach der manuellen Therapie beginnen.

Wird das KiSS-Syndrom im Säuglingsalter nicht behandelt, kann – nach Meinung der Alternativmediziner - als Folgeerscheinung das sogenannte Kidd-Syndrom auftreten (Kopfgelenk-induzierte Dyspraxie/Dysgnosie). Dyspraxie steht für die Unfähigkeit zum Ausführen erlernter Bewegungen trotz vorhandener Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit, Dysgnosie für eine gestörte Wahrnehmung. Bei Kindern im Schulalter stehen Lernschwierigkeiten, Hyperaktivität oder Aggressivität, Kopfschmerzen und Haltungsschwächen im Vordergrund.

Stand: 11/14, BH

Letzte Aktualisierung : 06-11-19, BH