Entspannungstechniken ersetzen nicht geburtshilfliche Anästhesie

Natürliche Entspannungs- und Atemtechniken (sogenannte Psychoprophylaxe) während der Geburt machen eine Epidural-Anästhesie - bei der das Betäubungsmittel in den Epiduralraum gespritzt wird - nicht überflüssig. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der schwedischen Karolinska Universität gekommen. Mehr als 1.000 Mütter nahmen an einem Experiment teil, das die erste aussagekräftige Analyse zur Wirksamkeit derartiger Verfahren bei Wehen sein dürfte.

Die Frauen besuchten einen von zwei Kursen. In einem wurden natürliche Verfahren gelehrt, beim anderen lag der Schwerpunkt auf der Verringerung der Schmerzen. Die jetzt im renommierten British Journal of Obstetrics and Gynaecology veröffentlichte Studie konnte keinen Unterschied beim tatsächlichen Einsatz der Anästhesien während der Wehen feststellen. Etwas mehr als die Hälfte der Frauen beider Gruppen entschieden sich für eine Epidural-/Spinalanalgesie, welche die Schmerzen während der Wehen verringert oder ganz verschwinden lässt.

Rund 70 Prozent der Frauen, die über natürliche Methoden der Schmerzverringerung informiert worden waren, setzten das Gelernte auch tatsächlich ein. Dazu gehörte richtiges Atmen, Entspannungsmethoden und Möglichkeiten, dem Schmerz mit positiven bildlichen Vorstellungen (Visualisierung) zu begegnen. Genauso wie bei der Verteilung der Anästhesien gab es auch in beiden Gruppen keine Unterschiede im Verhältnis von normalen Geburten und Kaiserschnitten. Bei der ersten Gruppe kamen Instrumente wie Geburtszange und Saugglocke allerdings etwas häufiger zum Einsatz.

Im Allgemeinen war der Grossteil der Frauen mit den während der Geburt gemachten Erfahrungen zufrieden. Der geringe Anteil, der sie als negativ oder sehr negativ beschrieb, war in beiden Gruppen in etwa gleich hoch.

Die Studienleiterin Malin Bergström erklärte als Ergebnis der Untersuchung, dass eine Psychoprophylaxe die Notwendigkeit der Spinalanalgesie nicht verringert und auch die Erfahrungen während der Geburt dadurch nicht verbessert werden. Experten bewerteten die Ergebnisse dieser Studie laut BBC unterschiedlich. Die Bandbreite reichte von „Frauen sollten die Ergebnisse kennen“ bis hin zu einer klaren Befürwortung der Entspannungstechniken, weil diese das Selbstvertrauen der Gebärenden in ihre eigenen Kräfte stärken und Angst und damit Verspannung mindern können.

Quelle: M Bergström et al.: British Journal of Obstetrics and Gynaecology 2009, DOI: 10.1111/j.1471-0528.2009.02144.x.

Stand: 06/09, BH