Wunschkaiserschnitt so spät wie möglich

Babys, die durch einen Kaiserschnitt (Sectio caesarea) auf die Welt kommen, haben ein bis zu viermal höheres Risiko für Komplikationen mit ihrer Atmung als solche, die vaginal entbunden werden – es wird jedoch umso geringer, je näher am errechneten Geburtstermin der Kaiserschnitt durchgeführt wird. Die alte Empfehlung, einen gewünschten oder geplanten Kaiserschnitt in der 38. Schwangerschaftswoche durchzuführen, sollte daher revidiert werden.

Dänische Wissenschaftler untersuchten die Daten von zwischen 1998 und 2006 geborenen Kindern. Von diesen 34.458 Babys, die alle zwischen der 37. und 41. Schwangerschaftswoche auf die Welt kamen, wurden insgesamt 2.687 durch einen geplanten Kaiserschnitt geholt.

Die durch einen Kaiserschnitt entbundenen Kinder litten mit höherer Wahrscheinlichkeit an Problemen mit der Atmung. Das hat seine Ursache in der noch nicht abgeschlossenen Resorption der Flüssigkeit in den Lungenalveolen, die in den letzten Schwangerschaftswochen erfolgt. So kommt es bei zu früher Geburt zu Komplikationen wie dem akuten Lungenversagen (ARDS) oder einer stark erhöhten Atemfrequenz, der so genannten Tachypnoe. Dieses Risiko war umso grösser, je geringer das Schwangerschaftsalter war. Bei einem Kaiserschnitt in der 37. Schwangerschaftswoche hatten die Babys eine 10-prozentige Wahrscheinlichkeit für Atemprobleme. Dagegen hatten vaginal entbundene Kinder zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft nur ein Risiko von 2,8 %. In der 38. Woche lag das Verhältnis bei 5,1 % zu 1,7 % und in der 39. Woche bei 2,1 % zu 1,1 %.

Ähnliche Ergebnisse brachte eine Studie aus den USA über geplante Kaiserschnittentbindungen, die ohne medizinische Gründe durchgeführt wurden (so genannter Wunsch-Kaiserschnitt). Schwere Komplikationen wie Atemprobleme, Hypoglykämie, Neugeborenen-Sepsis oder eine Behandlung auf einer Intensivstation aus anderen Gründen trat bei 8 % der Kinder ein, die in der 39. Woche geboren wurden. Die Rate stieg auf elf Prozent, wenn die Sectio in der 38. Woche erfolgte und auf 15,3 Prozent bei einer Geburt in der 37. Woche. Wenn eine möglichst gefahrlose Geburt angestrebt wird, zählt demnach jeder Tag.

Aufgrund dieser Studienergebnisse empfehlen die Autoren, einen gewünschten Kaiserschnitt möglichst erst nach Abschluss der 38. Schwangerschaftswoche durchzuführen. Am günstigsten sind die 39. und die 40. Woche.

Quelle: Anne Kirkeby Hansen et al.: British Medical Journal, 2008; 336(7635), S. 85–87.
Alan Tita et al.: New England Journal of Medicine, 2009; 360, S. 111-120

Stand: 1/09, BH