Schlafwandeln

Schlafwandeln

Schlafwandeln, wissenschaftlich als Somnambulismus (lat.: somnus = Schlaf, ambulare = wandern) bezeichnet, ist keine Krankheit. Auch ist es im Kindesalter keinesfalls selten, etwa drei Prozent soll es hin und wieder tun. Der Beginn liegt meist im Alter zwischen drei und fünf Jahren, in der Pubertät verschwindet das Phänomen in der Regel wieder.

Oft tritt Schlafwandeln familiär gehäuft auf. Die Bereitschaft dazu kann durch fiebrige Erkrankungen, psychischen Stress oder Lärm verstärkt werden.

Nur in Einzelfällen macht Schlafwandeln einen Besuch beim Kinderarzt nötig,

  • wenn das Ereignis über einen längeren Zeitraum oder fast jede Nacht auftritt,
  • wenn die nächtlichen Verhaltensweisen des Kindes besonders aggressiv sind und eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht,
  • wenn das Kind unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit leidet;
  • wenn andere Familienmitglieder stark beeinträchtigt werden.

Eigentlich handelt es sich beim Schlafwandeln um ein unvollständiges Erwachen, oft aus dem ersten Tiefschlaf heraus, weshalb es häufig ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen auftritt. Mit starrem Gesichtsausdruck und scheinbar zielstrebig tapst das Kind durch die Zimmer. Die Augen sind weit geöffnet, doch es schläft tief und fest. Schlafwandler tun durchaus logische und folgerichtige Dinge. So ist es nicht ungewöhnlich, dass sie sich am Kühlschrank bedienen oder sich anziehen und die Wohnung verlassen. Am nächsten Morgen erinnern sie sich an nichts mehr.

Wenn Ihr Kind schlafwandelt, sollten Sie daher Vorsichtsmassnahmen treffen, denn die sogenannte schlafwandlerische „Sicherheit“ ist ein gefährlicher Irrtum: Schlafwandler bewegen sich meist geradeaus, selbst dann, wenn ihr Weg zu Ende ist (Absturzgefahr), oder essen bei Nachtmahlzeiten die Verpackung mit. Achten Sie darauf, dass alle Fenster, Wohnungs- und Balkontüren gut verschlossen sind. Nützlich kann es auch sein, an der Kinderzimmertür ein kleines Glöckchen anzubringen, das Sie in der Nacht darauf aufmerksam macht, wenn Ihr Kind „auf Wanderschaft“ geht. Wenn Sie das Schlafwandeln bemerken, sollten Sie aus Sicherheitsgründen versuchen, Ihr Kind in sein Bett zurückzuführen - allerdings mit grosser Behutsamkeit, denn Schlafwandler wehren sich, wenn man sie aufhalten will. Vermeiden Sie es, Ihrem Kind am nächsten Tag von den Gefahren der Nacht zu berichten - das löst unter Umständen zusätzlich Ängste aus.

Es gibt Hinweise darauf, dass Schlafwandeln bei Schlafmangel häufiger auftritt. Regelmässige und ausreichende Schlafenszeiten können dem nächtlichen Spuk daher entgegen wirken.

Die genauen Ursachen von Parasomnien (Schlafstörungen) sind bislang aber nicht eindeutig geklärt. Als Auslöser wird ein gestörtes Verhältnis im Schlaf-Wach-Rhythmus diskutiert. Bei Kindern wird das mit einer verzögerten Hirnreife erklärt, die sich im Laufe der Jahre wieder gibt.

Quelle: www.kindergesundheit-info.de


Wissen

Nachtschreck


Newsticker

Schlafwandeln wird vererbt: Schlafwandeln und Nachtangst sind bei Kindern keine Seltenheit. Die Eltern von 1940 Kindern wurden in einer Studie zu Schlafstörungen beim Nachwuchs befragt – und ob sie selbst auch als Kind darunter litten. Über die Hälfte aller Kinder (56%) wurde einmal im Alter zwischen 1 ½ und 13 Jahren von typischen Symptomen eines Pavor nocturnus wie plötzlichem Aufwachen im Schlaf, Schreien, Verwirrtheit oder schweissgetränktem Erwachen geplagt. Etwa ein Drittel der Kleinkinder wandelt im Schlaf. Deutlich wahrscheinlicher war dies, wenn bereits die Eltern als Schlafwandler aufgefallen waren: nämlich drei- bzw. siebenmal höher im Falle von einem bzw. zwei betroffenen Elternteilen. Familiär gehäuft trat auch der Pavor nocturnus (Nachtschreck) auf, allerdings in einem geringeren Ausmass. (swissmom Newsticker, 28.6.15)

Letzte Aktualisierung: 11.2016, BH