Blinddarmentzündung, Appendizitis

Blinddarmentzündung

Jedes Kind hat irgendwann einmal Bauchschmerzen. Meist sind Blähungen, Verstopfungen, eine Darminfektion oder verdorbene Lebensmittel die Ursache. Auch Kummer, Angst oder Aufregung lösen bei manchen Kindern Bauchweh aus. Manchmal steckt hinter den Beschwerden aber auch eine ernsthafte Erkrankung wie beispielsweise eine Blinddarmentzündung (Appendizitis). Dann schwillt der entzündete Darmabschnitt des winzigen Wurmfortsatzes an und kann schlimmstenfalls innerhalb weniger Stunden platzen.

Kinder sind durch eine Appendizitis besonders gefährdet. Andererseits ist die Diagnose bei Kindern zunächst einmal nicht einfach zu stellen, weil sie ihre Beschwerden nicht genau beschreiben können. Auch sind die Symptome sehr unterschiedlich. Dies kann einerseits  dazu führen, dass der Blinddarm unnötigerweise entfernt wird, oder es andererseits zu einem Durchbruch (Perforation) kommt. Fachleute empfehlen deshalb, die kleinen Patienten auch mittels Ultraschall untersuchen. Mit hochauflösenden Ultraschallgeräten können sogar leichte Schwellungen des zwei bis sechs Millimeter dünnen Wurmfortsatzes gesehen werden. Mit diesem schmerzfreien, schnellen und kostengünstigen Verfahren erreichen erfahrene Untersucher bei normalgewichtigen Kindern eine hohe Treffsicherheit.

Bestehen nach der Sonografie jedoch nach wie vor Zweifel, ob der Blinddarm entzündet ist, sollte der Kinderchirurg eher operieren als hinauszögern. Abwarten ist bei Heranwachsenden nicht besser, auch wenn das in der Erwachsenenmedizin immer häufiger praktiziert wird. Wenn der Blinddarm durchbricht, drohen Komplikationen wie eine Bauchhöhlenvereiterung. Dagegen sei das Risiko einer Blinddarmentfernung (Appendektomie) als Routineeingriff wesentlich geringer.

Und auch bei der Art des Eingriffs geht man heute anders vor: Eine aktuelle Umfrage an 98 kinderchirurgischen Kliniken in Deutschland zeigte, dass über 70 Prozent den entzündeten Blinddarm minimalinvasiv operieren. Dabei entfernt der Chirurg den entzündeten Wurmfortsatz mit stabförmigen Instrumenten entweder über drei winzige Schnitte in die Bauchdecke oder über einen einzigen Zugang über den Bauchnabel – anstatt den Bauch wie bisher mit einem grösseren Schnitt zu eröffnen. Nach einer solchen "Schlüsselloch-Operation" des Blinddarms leiden Kinder weniger unter Schmerzen, die Wunde entzündet sich seltener, Narben sind kaum sichtbar und die kleinen Patienten können schneller wieder nach Hause.

Letzte Aktualisierung : 05.2016, BH

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