Entspannen am Kamin

Gelassenheit in der Erziehung – aber wie?

Das Leben mit Kindern ist eine wunderschöne Sache, aber sie bringt Eltern manchmal auch an ihre Grenzen. Denn Kinder erziehen ist eine tägliche Herausforderung. Die Anforderungen, die im Alltag mit Kindern auftauchen, sind oft auch viel umfassender, als wir uns das vorgestellt haben. Und deshalb verläuft nicht immer alles nur harmonisch und glatt. Und es gibt Tage, da läuft gar nichts.

Man bekommt dann den Eindruck, den ganzen Tag nur genörgelt und herumgeschrien zu haben. Manchmal ist man auch einfach nicht in der Lage, in schwierigen Situationen „richtig“ (d.h. für sich selber zufrieden stellend) zu reagieren. Und am Abend bleibt ein ungutes Gefühl und manchmal gar ein schlechtes Gewissen. Das kennen alle, denn die geborenen Eltern, die von Anfang an alles richtig machen, gibt es nicht.

An solchen Tagen ist Gelassenheit der beste Ratschlag.

Eltern sein bedeutet nämlich nicht nur Erziehung der Kinder, sondern auch Selbsterziehung. Mit Gelassenheit ist hier in keiner Weise Laisser-faire Erziehung, Ignoranz oder Desinteresse gemeint. Mit Gelassenheit erziehen heisst, auf mögliche Situationen vorbereitet zu sein, und ruhig, gefasst aber bestimmt zu reagieren.

Um mit Gelassenheit auf seine Kinder einzugehen, ist es in erster Linie wichtig, vorausschauend zu denken und zu handeln und über einige Erziehungsstrategien zu verfügen. Versuchen Sie als Erwachsene Ihrem Kind immer einen Schritt voraus zu sein. So sind Sie auf mögliche schwierige Situationen vorbereitet und haben unmittelbare und logische Konsequenzen zur Hand. Wenn Sie sich selber handlungsfähig erleben, werden Sie eher in der Lage sein, bestimmt und gelassen erzieherisch zu reagieren. Ihr Kind merkt dann, dass Mama und Papa nicht aus der Fassung geraten und ruhig bleiben und ganz genau wissen, was sie tun.

Doch nicht immer weiss man genau, was zu tun ist oder welche logische Konsequenz nun angebracht ist. Und manchmal bringt Sie der kleine Trotzkopf derart auf die Palme oder lassen Sie sich von Ihrem Teenager so provozieren, dass von Gelassenheit oder Ruhe keine Spur mehr zu erkennen ist. Die Emotionen kochen hoch, sie sind wütend und genervt. Das ist ganz natürlich. Kinder fordern ihre Eltern heraus.

Üben Sie sich selber deshalb in Gelassenheit. Hier ist ein neues Selbstverständnis und Selbstbewusstsein gefragt. Versuchen Sie sich nicht nur auf das Handeln zu konzentrieren, sondern auch auf das Fühlen und Denken: Machen Sie es zu Ihrem persönlichen Ziel, gelassener und ruhiger zu werden.

Nehmen Sie sich das bewusst jeden Tag wieder neu vor. „Ich bleibe ruhig, ich rege mich nicht auf, ich lasse mich von meinem Kind nicht provozieren, ich nehme das Verhalten meines Kindes nicht persönlich.“

Versuchen Sie, die Erziehung Ihres Kindes als Herausforderung im Sinne eines Spiels anzuschauen. Sagen Sie sich: „Mein Kind fordert mich heraus. Es will testen, wie gut ich im „Spiel“ der Erziehung bin. Diese Herausforderung nehme ich an. Mein Kind ist kreativ und lässt sich einiges einfallen, um mich zu prüfen. Aber ich lasse mich nicht provozieren, ich werden nicht mehr wütend und genervt sein.“

Um sich nicht von seinem Sprössling aus der Fassung bringen zu lassen, kann es auch helfen, wenn Sie sich kleine Zettel mit positiv formulierten Botschaften schreiben und diese an verschiedenen Orten in der Wohnung gut sichtbar aufhängen.

Sie können sich auch durch Ihre Vorstellungskraft Hilfestellungen geben, die Sie in schwierigen Situationen unterstützen. Entwickeln Sie dazu ein Bild von etwas oder jemandem, der für Sie die „Ruhe und Gelassenheit in Person“ darstellt (z.B.  eine würdige Königin). In schwierigen Momenten können Sie vor Ihrem inneren Auge dieses Bild entstehen lassen. Das wird Ihnen helfen, Ihre Emotionen zu kühlen.

In Situationen, in denen Sie genervt oder wütend werden, hilft es zudem, wenn Sie bewusst kurz „aussteigen“ und sozusagen den Topf vom heissen Herd wegziehen, bevor er überkocht. Halten Sie einen Moment inne, zählen Sie leise und langsam bis 10, überlegen Sie, was geschehen ist und was nun weiter passieren soll, bevor Sie überhaupt irgendetwas sagen oder tun.

Sie werden die Erfahrung machen, dass sich Ihre elterliche Gelassenheit und Ruhe mit den ersten Erfolgserlebnisse selber weiter verstärken wird und es Ihnen immer leichter fallen wird, je mehr Erfolg Sie spüren. 

Newsticker

Kinder teilen freiwillig | 18.07.2016

US-Forscher haben Drei- bis Fünfjährige in drei Gruppen getestet. Jedes Kind bekam eine Puppe und einen Aufkleber. Die erste Gruppe konnte den Aufkleber entweder behalten oder mit der Puppe teilen, die zweite entweder teilen oder beiseitelegen. Die Kinder der dritten Gruppe wurden angewiesen, den Aufkleber zu teilen. Bei einem zweiten Experiment bekamen die Kinder drei Aufkleber, die sie freiwillig teilen konnten. Die Kinder, die zuvor die Wahl hatten, teilten nun bereitwilliger. Auch beim dritten Experiment mit Spielzeugfröschen und Papierfetzen waren diese Kinder im Durchschnitt grosszügiger. Fazit: Es sei vorteilhafter, wenn die Kinder ihr soziales Wesen selber entdeckten, als wenn sie ständig angehalten werden, höflich und freundlich zu anderen zu sein.

Letzte Aktualisierung : 05.2016, JL

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