Vater wickelt neugeborenes Baby
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Vaterschaftsurlaub - Warum Papas Beitrag so wichtig ist

Dass Väter innerhalb von 6 Monaten nach der Geburt ihres Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub beziehen können, ist ein längst fälliger Schritt auf dem langen, zuweilen recht steinigen Weg der Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann. Es gibt jedoch auch ganz praktische Gründe, warum Papas Anwesenheit zu Hause so wichtig ist – das Leben mit einem Neugeborenen lässt sich nämlich ganz und gar nicht mit einem entspannenden Urlaub vergleichen.

Erholungszeit für die Mutter

Bereits wenige Tage nach der Geburt kommen die meisten Mütter mit dem Neugeborenen vom Spital nach Hause. Der Milcheinschuss hat gerade eingesetzt, das Stillen verläuft oft noch harzig. Zurück im Alltag, wo kein umsorgendes Pflegepersonal mehr da ist, macht sich bei vielen Frauen eine tiefe Müdigkeit bemerkbar. Jetzt sind erst mal Ruhe und Erholung angesagt. Kommt es zu Stress und Überlastung, leidet schnell einmal die Gesundheit, die ausgewogene Ernährung kommt zu kurz, möglicherweise erschweren Milchstau und Brustentzündungen das Stillen. Auch die Beziehung zum Baby kann belastet werden, denn in längeren Schreiphasen und durchwachten Nächten liegen schnell einmal die Nerven blank, wenn die Ruhepausen fehlen. Je mehr sich der Vater in der ersten Zeit um Haushalt, Einkäufe und das Abwimmeln von allzu vielen Besuchern kümmert, umso besser kann sich die Mutter von den Strapazen der Geburt erholen.

Ein zweites Paar Hände für all das Neue

Viele Mütter sind in den ersten Wochen fast rund um die Uhr mit Füttern beschäftigt – für alles andere bleibt kaum Zeit. Schon für einen kleinen Spaziergang ist anfangs ziemlich viel Planung nötig; bis das Baby endlich ausgehfertig ist, meldet sich oft bereits wieder der Hunger an oder die Windel ist voll. Ein zweites Paar Hände ist jetzt nicht nur «nice to have», sondern in vielen Situationen dringend nötig, damit überhaupt mal Zeit für eine Dusche bleibt, der Geschirrspüler eingeräumt wird oder eine warme Mahlzeit auf den Tisch kommt.

Grundstein für eine gerechte Aufgabenverteilung

Auch bei Paaren, die keine traditionelle Rollenverteilung leben wollen, gerät die gerechte Aufgabenverteilung im Haushalt nach der Geburt leicht in Schieflage. Mama bleibt mehrere Monate zu Hause, für Papa ändert sich im Alltag wenig – da kann sie sich doch jetzt um die Hausarbeit kümmern. Starten die Eltern gemeinsam in den Familienalltag, wird schnell einmal klar, dass dies so nicht aufgeht. Wenn der Vater von Anfang an hautnah miterlebt, dass Kinderbetreuung sehr viel mehr ist als ab und zu ein Fläschchen zu geben, die Windeln zu wechseln und abends ein Schlaflied zu singen, entwickelt er ein besseres Verständnis dafür, wie wichtig sein Beitrag ist, damit es zu Hause rund läuft. Auf dieser Grundlage ist es einfacher, auch für die neue Familiensituation eine faire Aufgabenverteilung zu finden.

Mehr Zeit für grosse Geschwister

So sehr sich grosse Geschwister über die Ankunft eines Babys freuen – wenn Mama plötzlich nur noch Augen für das Neugeborene hat, kann das ganz schön wehtun. Der Papa hat in dieser ersten Zeit oft mehr Möglichkeiten, den grösseren Kindern die Zuwendung zu geben, die sie brauchen. Und wenn er das Baby zwischendurch mal in den Schlaf wiegt, kommen auch die Grossen in den Genuss einer Kuschelrunde mit Mama. So fällt das Einleben in die neue Familiensituation allen leichter.

Beginn einer liebevollen Vater-Kind-Beziehung

Während die Mutter schon in der Schwangerschaft eine enge Bindung zu ihrem Baby aufgebaut hat, beginnt das Bonding für den Vater erst nach der Geburt. Eine liebevolle Beziehung zwischen Vater und Kind ist für beide Seiten viel mehr als nur eine wünschenswerte Bereicherung, sie ist ausgesprochen wichtig. Genau wie die Mama braucht auch der Papa Zeit, in die neue Aufgabe hineinzuwachsen. Dazu gehört nicht allein, Verantwortung zu übernehmen in der Familie. Dazu gehört genauso, das winzige Wesen zu bestaunen, es in den Armen zu halten, seinen Duft zu riechen und seinen Herzschlag zu spüren – und dies eben nicht nur nach einem langen Arbeitstag, sondern auch mal mitten im Tag, wenn sich gerade die Gelegenheit dazu bietet. Das sind dann diese kostbaren Momente, in denen sich der Vaterschaftsurlaub trotz allen neuen Herausforderungen viel besser anfühlt als jeder noch so abenteuerliche Urlaub.

Newsticker

Vaterschaftsurlaub – in der Praxis | 02.10.2020

Maximal zwei freie Tage können frischgebackene Väter zurzeit bei ihrem Arbeitgeber einfordern. Nach der Abstimmung zum Vaterschaftsurlaub vom 27. September 2020 wird sich das ändern, jedoch erst für Väter von Kindern, die ab 1.1.21 geboren werden. Sie müssen ausserdem mit der Mutter verheiratet sein, die Vaterschaft anerkennen oder über ein entsprechendes Gerichtsurteil verfügen. Wer Vollzeit arbeitet, hat Anspruch auf zehn Tage - inklusive Wochenenden sind das 14 Tage Papizeit. Man kann auch aufteilen und zweieinhalb Monate lang 80% arbeiten. Auf jeden Fall muss der Vaterschaftsurlaub in den ersten sechs Monaten des Babys genommen werden oder er verfällt. Der Arbeitgeber sollte rechtzeitig informiert werden. Ausbezahlt werden mindestens 80% des durchschnittlichen Lohns, der vor der Geburt des Kindes erzielt wurde. Pro Tag sind dies höchstens 196 Franken. Der Vaterschaftsurlaub darf nicht zu einer Ferienkürzung führen.

Letzte Aktualisierung : 14-09-20, JL / TV

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