Vater wickelt neugeborenes Baby

Vaterschaftsurlaub - Warum Papas Beitrag so wichtig ist

Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub: Was ein bisschen wie Zusatzferien klingt, ist in Wirklichkeit ein längst fälliger Schritt auf dem langen, zuweilen recht steinigen Weg der Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann. Ein Schritt auch in Richtung mehr Gerechtigkeit, denn es ist beileibe nicht fair, dass der eine Papa nach der Geburt mehrere Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub bekommt, während der andere sein Kind gerade mal knapp auf dieser Welt begrüssen darf, ehe er wieder im Betrieb antraben muss. Es gibt jedoch auch ganz praktische Gründe, warum Väter nach der Geburt zu Hause bleiben sollten – das Leben mit einem Neugeborenen lässt sich nämlich ganz und gar nicht mit einem entspannenden Urlaub vergleichen.

Erholungszeit für die Mutter

Bereits wenige Tage nach der Geburt kommen die meisten Mütter mit dem Neugeborenen vom Spital nach Hause. Der Milcheinschuss hat gerade eingesetzt, das Stillen verläuft oft noch harzig. Zurück im Alltag, wo kein umsorgendes Pflegepersonal mehr da ist, macht sich bei vielen Frauen eine tiefe Müdigkeit bemerkbar. Jetzt wären erst mal Ruhe und Erholung angesagt. Doch stattdessen sind viele Mütter vom ersten Tag an auf sich alleine gestellt. Darunter leidet nicht selten die Gesundheit, die ausgewogene Ernährung kommt zu kurz, möglicherweise erschweren Milchstau und Brustentzündungen das Stillen. Auch die Beziehung zum Baby kann belastet werden, denn in längeren Schreiphasen und durchwachten Nächten liegen schnell einmal die Nerven blank, wenn die Ruhepausen fehlen. Dass sich Mütter nach der Geburt erholen können, sollte kein Luxus sein, der Paaren vorbehalten ist, bei denen der Mann einen grosszügigen Arbeitgeber hat oder die eine väterliche Auszeit vom Job selbst finanzieren können.  

Ein zweites Paar Hände für all das Neue

Viele Mütter sind in den ersten Wochen fast rund um die Uhr mit Füttern beschäftigt – für alles andere bleibt kaum Zeit. Schon für einen kleinen Spaziergang ist anfangs ziemlich viel Planung nötig; bis das Baby endlich ausgehfertig ist, meldet sich oft bereits wieder der Hunger an oder die Windel ist voll. Ein zweites Paar Hände ist jetzt nicht nur «nice to have», sondern in vielen Situationen dringend nötig, damit überhaupt mal Zeit für eine Dusche bleibt, der Geschirrspüler eingeräumt wird oder eine warme Mahlzeit auf den Tisch kommt.

Grundstein für eine gerechte Aufgabenverteilung

Auch bei Paaren, die keine traditionelle Rollenverteilung leben wollen, gerät die gerechte Aufgabenverteilung im Haushalt nach der Geburt leicht in Schieflage. Mama bleibt mehrere Monate zu Hause, für Papa ändert sich im Alltag wenig – da kann sie sich doch jetzt um die Hausarbeit kümmern. Können die Eltern gemeinsam ins Familienleben starten, wird schnell einmal klar, dass dies so nicht aufgeht. Väter, die miterleben, dass Kinderbetreuung sehr viel mehr ist als ab und zu ein Fläschchen zu geben, die Windeln zu wechseln und abends ein Schlaflied zu singen, haben ein besseres Verständnis dafür, wie wichtig ihr Beitrag ist, damit es zu Hause rund läuft. Auf dieser Grundlage ist es einfacher, auch für die neue Familiensituation eine faire Aufgabenverteilung zu finden.

Mehr Zeit für grosse Geschwister

So sehr sich grosse Geschwister über die Ankunft eines Babys freuen – wenn Mama plötzlich nur noch Augen für das Neugeborene hat, kann das ganz schön wehtun. Ist Papa in den ersten Wochen zu Hause, kann er ihnen die Zuwendung geben, die sie brauchen. Und wenn er das Baby zwischendurch mal in den Schlaf wiegt, kommen auch die Grossen in den Genuss einer Kuschelrunde mit Mama. So fällt das Einleben in die neue Familiensituation allen leichter.

Beginn einer liebevollen Vater-Kind-Beziehung

Während die Mutter schon in der Schwangerschaft eine enge Bindung zu ihrem Baby aufgebaut hat, beginnt das Bonding für den Vater erst nach der Geburt. Eine liebevolle Beziehung zwischen Vater und Kind ist für beide Seiten viel mehr als nur eine wünschenswerte Bereicherung, sie ist ausgesprochen wichtig. Genau wie die Mama soll auch der Papa Zeit bekommen, in seine neue Aufgabe hineinzuwachsen. Dazu gehört nicht allein, Verantwortung zu übernehmen in der Familie. Dazu gehört genauso, das winzige Wesen zu bestaunen, es in den Armen zu halten, seinen Duft zu riechen und seinen Herzschlag zu spüren – und dies eben nicht nur nach einem langen Arbeitstag, sondern auch mal mitten im Tag, wenn sich gerade die Gelegenheit dazu bietet. Das sind dann diese kostbaren Momente, in denen sich der Vaterschaftsurlaub trotz allen neuen Herausforderungen viel besser anfühlt als jeder noch so abenteuerliche Urlaub.


Letzte Aktualisierung : 14-09-20, JL / TV