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Vater schiebt Kind im Schubkarren durch den Garten
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Vä­ter spie­len an­ders


Vie­len be­rufs­tä­ti­gen Vä­tern fällt es schwer, ge­nü­gend Zeit zum Spie­len mit ih­rem Nach­wuchs zu fin­den. Doch ge­nau das ist so wich­tig! Mut­ter und Va­ter för­dern mit ih­ren Spiel­sti­len un­ter­schied­li­che As­pek­te der kind­li­chen Ent­wick­lung und ma­chen das Kin­der­le­ben in­ter­es­sant. Papa über­nimmt die kör­per­be­ton­te, her­aus­for­dern­de Po­si­ti­on - Mama die be­schüt­zen­de, be­hü­ten­de.

Müt­ter sind eher für das Emo­tio­na­le, das Um­sor­gen und Trös­ten zu­stän­dig. Sie ver­mit­teln Ge­bor­gen­heit und Si­cher­heit, grei­fen mehr auf kon­ven­tio­nel­le Spiel­va­ri­an­ten (wie Sin­gen, Vor­le­sen, Ma­len oder Bas­teln) zu­rück und spre­chen in­ten­si­ver mit den Kin­dern. Sie spie­len ru­hi­ge­re und be­sänf­ti­gen­de­re Spie­le und we­ni­ger un­ter kör­per­li­chem Ein­satz. So för­dern sie die kom­mu­ni­ka­ti­ven Fä­hig­kei­ten, die Krea­ti­vi­tät und die Ge­duld.

In der Va­ter-Kind-Be­zie­hung nimmt das Spiel den gröss­ten Raum ein. Im Spiel kann das Kind Grund­be­dürf­nis­se be­frie­di­gen, die zu sei­ner Ent­wick­lung ganz we­sent­lich bei­tra­gen: das Aus­pro­bie­ren und Wie­der­ho­len, die Freu­de an Er­eig­nis­sen und Ak­ti­vi­tä­ten, das Er­wa­chen von Neu­gier, der Spass an der Ent­de­ckung, der Rol­len­tausch, das Mes­sen und Er­pro­ben der ei­ge­nen Kräf­te und Fä­hig­kei­ten, das Ver­bes­sern von Tak­ti­ken und Stra­te­gi­en und schliess­lich das krea­ti­ve Ver­hal­ten.

Vol­ler Kör­per­ein­satz


Vä­ter spie­len mit ih­ren Kin­dern ganz an­ders als Müt­ter. Das fängt schon im Ba­by­al­ter an: Pa­pas ma­chen Spä­ße, schnei­den Gri­mas­sen, for­dern ihr Kind zu Ak­tio­nen und Re­ak­tio­nen auf. Bei Papa-Spie­len kann es schon mal rich­tig hoch her­ge­hen. Kit­zel­at­ta­cken, Ver­fol­gungs­jag­den quer durchs Wohn­zim­mer, Kis­sen­schlach­ten im el­ter­li­chen Bett - mit Papa ist das ganz nor­mal. Fa­mi­li­en­for­scher ha­ben fest­ge­stellt, dass Vä­ter be­we­gungs­in­ten­si­ve Spie­le wäh­len, bei de­nen sie häu­fi­ger ih­ren Kör­per ein­set­zen. Meist sind ihre Spie­le dy­na­mi­scher und schnel­ler, manch­mal auch wil­der als die der Müt­ter. Sie er­fin­den auch oft spon­tan neue Spie­le. Vä­ter lie­ben aben­teu­er­li­che und her­aus­for­dern­de Spie­le. Sie kön­nen im Spiel ganz auf­ge­hen und ge­ben sich dem Spiel mit vol­lem Ein­satz hin. Oben­drein ani­mie­ren Vä­ter ihre Kin­der dazu, et­was Neu­es zu pro­bie­ren. Da­bei trau­en Vä­tern den Kin­dern oft mehr zu als ihre Müt­ter. Das Kind ge­rät dann auch mal aus­ser Atem, muss un­vor­her­ge­se­he­ne Si­tua­tio­nen hand­ha­ben, es lernt beim Her­um­bal­gen die ei­ge­nen Kräf­te ken­nen und wird so ge­för­dert. In­dem Vä­ter Kin­der er­mu­ti­gen, Neu­es zu wa­gen und auch mal über den ei­ge­nen Schat­ten zu sprin­gen, wer­den Mut und Selbst­ver­trau­en ge­stärkt. Die Klei­nen wer­den da­durch un­ab­hän­gi­ger, selbst­stän­di­ger und selbst­be­wuss­ter.

Die Her­aus­for­de­rung im Spiel ist wich­tig für die Ent­wick­lung des Ge­hirns. Auf die­se Wei­se ler­nen Kin­der, in un­vor­her­ge­se­he­nen Si­tua­tio­nen gut und schnell zu­recht­zu­kom­men und wer­den an­ge­regt, selb­stän­dig krea­ti­ve Lö­sun­gen zu fin­den. Aus­ser­dem macht es Spass, mit Papa zu spie­len und die ge­mein­sa­me Ak­ti­vi­tät för­dert die Va­ter-Kind-Bin­dung. Das Kind er­fährt beim To­ben, dass Papa ei­nen auf­fängt – auch im über­tra­ge­nen Sinn. Papa ist Ka­me­rad, Ret­ter und Spiel­freund - und man kann mit ihm herz­lich la­chen und Quatsch ma­chen.

Papa als Vor­bild


Über die Stär­kung der Bin­dung hin­aus dient das Spiel auch dazu, dass Kin­der ers­te Er­fah­run­gen mit Rol­len­vor­bil­dern ma­chen. So lernt die Toch­ter vom ers­ten Mann in ih­rem Le­ben – dem Papa – was sie spä­ter von Män­nern er­war­ten kann und für den Sohn ist der Va­ter das männ­li­che Vor­bild. Die­se ers­te Be­zie­hung zum Va­ter (ent­spre­chend na­tür­lich auch die zur Mut­ter) ist wich­tig für alle wei­te­ren Be­zie­hun­gen im Le­ben ei­nes Kin­des. Söh­ne und Töch­ter su­chen da­bei glei­cher­mas­sen die An­er­ken­nung und den Re­spekt des Va­ters und die­ser un­ter­stützt die Selbst­wert­ent­wick­lung sei­ner Kin­der durch ein ak­ti­ves Ein­grei­fen in die Er­zie­hung. Dazu ge­hört ne­ben Spie­len und Ku­scheln auch sei­ne Rol­le als Pro­blem­lö­ser, Rat­ge­ber so­wie als Re­spekts- und Au­to­ri­täts­per­son. Letz­te­res be­inhal­tet das Aus­spre­chen von Ver­bo­ten, wo­bei Vä­ter oft stren­ger sind und an­ders schimp­fen als die Müt­ter.

Da­mit sich die Va­ter-Kind-Be­zie­hung gut ent­wi­ckelt und auch die Mut­ter, die ja na­tür­li­cher­wei­se von An­fang an eine en­ge­re Be­zie­hung zu den Kin­dern hat, dem Mann die Kin­der al­lei­ne an­ver­traut, soll­te der Papa mög­lichst früh be­tei­ligt wer­den und schon beim Wi­ckeln, Ba­den, Füt­tern und Schmu­sen im Säug­lings­al­ter eine ak­ti­ve Rol­le ein­neh­men.

Es geht auch ohne Papa


Wenn ein Kind ohne Va­ter auf­wächst - weil die Mut­ter al­lein­er­zie­hend ist oder weil er be­rufs­be­dingt kaum zu­hau­se ist - muss es des­halb aber noch kein De­fi­zit da­von­tra­gen. Zum ei­nen ho­len sich Kin­der das, was sie brau­chen. Zum an­de­ren hat auch eine Mut­ter die Fä­hig­keit, ihr Kind her­aus­zu­for­dern und kör­per­lich an­zu­spre­chen - ge­nau­so wie Vä­ter die be­hü­ten­de, pfle­gen­de und trös­ten­de Sei­te über­neh­men kön­nen, wenn die Mama nicht zur Ver­fü­gung steht. Viel­leicht lässt sich aus­ser­dem im Be­kann­ten­kreis eine männ­li­che Per­son fin­den, die ei­nen en­gen Be­zug zum Kind hat und mit ihm ab und zu ty­pi­sche "Män­ner­sa­chen" un­ter­nimmt - das kann ein Göt­ti, Freund, ein On­kel oder auch der Opa sein.

Letzte Aktualisierung: 05.05.2020, BH
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