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Kind stemmt Hanteln in die Höhe
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Ist Mus­kel­trai­ning kind­ge­recht?


Viel­leicht fra­gen Sie sich, ob Mus­kel­trai­ning über­haupt kind­ge­mäss ist und den Kin­dern wirk­lich Freu­de be­rei­tet, so­dass sie Lust auf die­se Trai­nings­form be­kom­men. Mög­li­cher­wei­se sind Sie er­staunt über mei­ne kla­re und ein­deu­ti­ge Ant­wort: Kraft­trai­ning ist wirk­lich kind­ge­recht.

Ex­tra

Buch­tipp

Kraft für Kids, Kinder brauchen Bewegung.

Von Prof. Urs Eiholzer

ISBN 978-3-909095-02-5

Kin­der ha­ben ein an­de­res Be­we­gungs­pro­gramm als Er­wach­se­ne. Spon­tan be­we­gen sich Kin­der ent­we­der ma­xi­mal oder gar nicht. Kin­der be­vor­zu­gen vol­le Leis­tung oder Pau­se. Kraft­trai­ning folgt ge­nau die­sem Rhyth­mus - vol­le Leis­tung, da­nach Pau­se, dann wie­der vol­le Leis­tung und so wei­ter. Ei­gent­lich ist des­halb Kraft­trai­ning be­son­ders kind­ge­recht und gar nicht so sehr er­wach­se­nen­ge­recht. Er­wach­se­ne be­vor­zu­gen mitt­le­re Leis­tun­gen von län­ge­rer Dau­er, wie Spa­zier­gän­ge. Auch Jog­ging ist eine ty­pisch er­wach­se­nen­ge­rech­te Be­tä­ti­gung. Des­halb fin­den die meis­ten Kin­der und Ju­gend­li­chen Jog­ging „wahn­sin­nig lang­wei­lig“. Wohl fast je­des Kind, das mit Jog­ging und auch mit Kraft­trai­ning Er­fah­run­gen ge­sam­melt hat, sagt un­um­wun­den, dass es das Kraft­trai­ning dem Jog­gen klar vor­zieht.

Kraft­trai­ning auch für über­ge­wich­ti­ge Kin­der?


Ge­ra­de über­ge­wich­ti­ge Kin­der be­tä­ti­gen sich gern mit Kraft­trai­ning. Denn oft sind sie so schwach, dass sie es nicht schaf­fen, mit ih­rem ei­ge­nen Kör­per­ge­wicht zu trai­nie­ren. Mit Hil­fe von Trai­nings­ge­rä­ten lässt sich die nö­ti­ge Kraft da­für lang­sam auf­bau­en. Und es be­steht kei­ne Ge­fahr, dass die Ge­len­ke Scha­den neh­men könn­ten. Ein wei­te­rer As­pekt des Kraft­trai­nings darf nicht un­er­wähnt blei­ben: Trai­nings­fort­schrit­te wer­den deut­lich spür- und sicht­bar. Schon bald mer­ken die Kin­der, dass sie mehr Wie­der­ho­lun­gen zu­stan­de brin­gen und dass sie mehr Ge­wicht auf­la­den kön­nen. Ähn­lich ist es beim Wachs­tum, wenn das Kind beim Mes­sen un­ter der Mess­lat­te steht und stolz sagt: Papa, jetzt bin ich wie­der ge­wach­sen. Ihre ei­ge­nen Fort­schrit­te zu se­hen und zu spü­ren, macht Kin­der glück­lich. Auch in die­ser Hin­sicht ist Kraft­trai­ning kind­ge­recht.

Viel­leicht wen­den Sie nun ein, dass Kraft­trai­ning mo­no­ton ist und kei­nen Spass macht. Muss denn Kraft­trai­ning im­mer lus­tig sein? Das Le­ben als Kind ist si­cher nicht im­mer lus­tig. Ist es nicht so, dass die Här­te des Le­bens be­reits mit der Ge­burt be­ginnt? Noch vor 50 Jah­ren be­tä­tig­ten sich Kin­der viel mehr kör­per­lich, sei es von sich aus au­to­ma­tisch oder weil sie muss­ten. Die­se kör­per­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten wa­ren da­mals kei­nes­wegs im­mer lus­tig. Es galt im Gar­ten mit­zu­hel­fen, Ra­sen zu mä­hen, He­cken zu schnei­den, in der Kü­che zu hel­fen, Holz zu spal­ten, Brenn­holz aus dem Kel­ler in die obe­ren Stock­wer­ke zu tra­gen, schwe­re Ein­käu­fe nach Hau­se zu schlep­pen. Bau­ern­kin­der und Hand­wer­ker­kin­der muss­ten oft be­son­ders hart zu­pa­cken, um den El­tern zu hel­fen. Die Mus­kel­kraft der Kin­der wur­de ge­braucht, weil die­je­ni­ge der Er­wach­se­nen nicht ge­nüg­te und weil noch nicht so vie­le Ma­schi­nen zur Ver­fü­gung stan­den. Da­mals brauch­ten Kin­der noch kein Kraft­trai­ning, denn das Le­ben gab ih­nen die Kraft. Jetzt brau­chen Kin­der Kraft­trai­ning, weil sie zu we­nig kör­per­lich ak­tiv sind und sich zu we­nig be­we­gen, auch wenn das be­nö­tig­te Trai­ning nicht im­mer lus­tig ist.

Ab wel­chem Al­ter ist kind­ge­mäs­ses Kraft­trai­ning sinn­voll?


Un­se­rer Mei­nung nach kann ein Kind dann mit Kraft­trai­ning be­gin­nen, wenn es be­reit ist, an sport­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten teil­zu­neh­men, in der Re­gel im Al­ter von sie­ben bis acht Jah­ren. Auf­grund von Stu­di­en pro­fi­tie­ren Kin­der be­reits ab ei­nem Al­ter von fünf bis sie­ben Jah­ren ge­fahr­los vom Kraft­trai­ning. In den ers­ten acht bis zwölf Wo­chen ist ein Trai­ning zwei­mal pro Wo­che sinn­voll. Um das er­ar­bei­te­te Ni­veau dann bei­zu­be­hal­ten, ist nor­ma­ler­wei­se ein Trai­ning pro Wo­che aus­rei­chend.

Letzte Aktualisierung: 23.01.2020, Prof. Dr. med. Urs Eiholzer
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