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Mann hält die Hand seiner Frau
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Die Aus­trei­bungs­pha­se


Die zwei­te Ge­burts­pha­se nach der Er­öff­nungs­pha­se ist die Aus­trei­bungs­pha­se. Sie be­ginnt, so­bald sich der Mut­ter­mund voll­kom­men auf 10 cm ge­wei­tet hat und das Kind in den Ge­burts­ka­nal rutscht, und en­det, wenn Ihr Kind voll­stän­dig ge­bo­ren ist. Die Kon­trak­tio­nen ver­stär­ken sich zu Press­we­hen. Die wer­den­den Müt­ter ver­spü­ren ei­nen na­tür­li­chen Drang zu pres­sen, wo­durch das Kind wei­ter nach un­ten ge­scho­ben wird.

Zeit­lich ist fast al­les mög­lich: Es kann 30 Mi­nu­ten, aber auch zwei Stun­den oder län­ger dau­ern, und manch­mal sind un­ter­stüt­zen­de Mass­nah­men nö­tig.  Wenn Sie eine PDA ha­ben, darf die Aus­trei­bungs­pha­se et­was län­ger dau­ern, ohne dass des­halb ein­ge­grif­fen wer­den muss. Manch­mal läuft die gan­ze Aus­trei­bungs­pha­se auch in nur 10 bis 20 Mi­nu­ten ab, v.a. wenn dies nicht Ihr ers­tes Kind ist.

Wie schon wäh­rend der Er­öff­nungs­pha­se dür­fen Sie sich nor­ma­ler­wei­se frei be­we­gen und für Sie be­que­me Po­si­tio­nen ein­neh­men. „Ka­bel­lo­se“ CTGs, oder ein Dop­ton (klei­nes Herz­ton­ge­rät) er­mög­li­chen die Über­wa­chung der kind­li­chen Herz­tö­ne. Die Heb­am­me kann Ih­nen be­stimm­te Po­si­tio­nen und Be­we­gun­gen vor­schla­gen, wel­che dem kind­li­chen Kopf beim Tie­fer­tre­ten hel­fen, oder die We­hen an­re­gen sol­len. Auch in der Aus­trei­bungs­pha­se kann es me­di­zi­ni­sche Grün­de ge­ben, wes­halb sie bei ei­ner Was­ser­ge­burt die Ba­de­wan­ne ver­las­sen soll­ten, oder um ei­nen Po­si­ti­ons­wech­sel ge­be­ten wer­den. Zum Bei­spiel wenn die kind­li­chen Herz­tö­ne eine stres­si­ge Si­tua­ti­on für das Kind ver­mu­ten las­sen. Wenn eine Va­ku­um- oder Zan­gen­ge­burt nö­tig wird, wird man Sie in den meis­ten Fäl­len aufs Bett in eine halb­sit­zen­de Po­si­ti­on bit­ten und ev. auch Fuss­stüt­zen in­stal­lie­ren.

Sie kön­nen sich im Vor­aus in­for­mie­ren, was es für Ge­burts­po­si­tio­nen gibt. Die Rü­cken­la­ge auf dem Bett, wie man sie aus Fil­men kennt, wird heu­te nicht mehr emp­foh­len. Ver­stei­fen Sie sich aber bit­te nicht auf eine be­stimm­te Ge­burts­po­si­ti­on! Viel­leicht ist Ih­nen dann eine Po­si­ti­on an­ge­nehm, die Sie gar nicht in Be­tracht ge­zo­gen hat­ten.

Die We­hen sind in die­ser Pha­se um ei­ni­ges stär­ker. Sie kom­men alle 2 bis 4 Mi­nu­ten und dau­ern 60 bis 90 Se­kun­den. Ein Teil der Frau­en emp­fin­det die Aus­trei­bungs­we­hen trotz­dem nicht als un­an­ge­neh­mer als die Er­öff­nungs­we­hen. Der Ge­dan­ke es bald ge­schafft zu ha­ben, die Mög­lich­keit in den We­hen ak­tiv mit­zu­schie­ben und auch die kör­per­ei­ge­nen Glücks­hor­mo­ne (En­dor­phi­ne) kön­nen hel­fen, die­se in­ten­si­ve Ge­burts­pha­se zu meis­tern. Auf dem Weg in Rich­tung Be­cken­bo­den dreht sich der Kopf Ih­res Kin­des von der Sei­te, bis das Kinn nach un­ten zum End­darm (Rek­tum) zeigt und schliess­lich sieht man das Köpf­chen in der Schei­den­öff­nung. Vor al­lem bei der ers­ten Ge­burt kommt es vor, dass das Köpf­chen wäh­rend meh­re­rer We­hen sicht­bar wird und sich in den We­hen­pau­sen wie­der völ­lig zu­rück­zieht. Las­sen Sie sich da­durch nicht ent­mu­ti­gen! Für das Ge­we­be im Damm­be­reich und in der Schei­de kann eine sol­che lang­sa­me Deh­nung so­gar Vor­tei­le brin­gen.

Der Druck des kind­li­chen Kop­fes auf den Be­cken­bo­den und den End­darm wird im­mer stär­ker und löst den über­wäl­ti­gen­den, un­will­kür­li­chen Press­drang aus. Jetzt dür­fen Sie end­lich! Mit je­der Press­we­he schie­ben Sie Ihr Kind sanft und gleich­mäs­sig ein biss­chen wei­ter her­aus. Nur in we­ni­gen Fäl­len muss heu­te noch ein Damm­schnitt (Epi­sio­to­mie) für den Durch­tritt des Köpf­chens durch­ge­führt wer­den. Er ver­min­dert den Druck auf den kind­li­chen Kopf und ver­hin­dert, dass das Be­cken­bo­den­ge­we­be ein­reisst.

Die Aus­trei­bungs­pha­se ist die ge­fähr­lichs­te Pha­se für das Kind, weil die Sauer­stoff­zu­fuhr durch die Na­bel­schnur ab­ge­drückt wer­den kann. Aus­ser­dem steigt der Druck in sei­nem Köpf­chen. Aus die­sem Grund wer­den min­des­tens nach je­der Wehe die Herz­tö­ne des Kin­des über­prüft.

Nach der Ge­burt des Kop­fes dreht er sich, da­mit Kopf und Kör­per wie­der gleich aus­ge­rich­tet sind. Jetzt muss Ihre Heb­am­me oder Ihr Ge­burts­hel­fer dar­auf ach­ten, dass die Na­bel­schnur nicht um den Hals des Kin­des ge­wi­ckelt ist. Mit den letz­ten Aus­trei­bungs­we­hen kom­men die Schul­tern nach­ein­an­der zum Vor­schein. Da­nach glei­tet der rest­li­che Kör­per Ih­res Kin­des aus dem Ge­burts­ka­nal her­aus. Gleich­zei­tig kann ein gan­zer Schwall Frucht­was­ser her­aus­flies­sen.

Nach der Ge­burt wird Ih­nen Ihr Baby auf den Bauch ge­legt, da­mit Sie gleich di­rek­ten Kör­per­kon­takt ha­ben kön­nen. Sie ha­ben dann auch Zeit, den ers­ten Blick auf Ihr Baby zu wer­fen. Die­se Zeit des Bon­dings (Si­cher­heit durch das Spü­ren und Wahr­neh­men von Kör­per­ge­ruch, Be­rüh­rung, Ge­nuss, Er­ho­lung) ist aus­ge­spro­chen wich­tig für die tie­fe Bin­dung zwi­schen Mut­ter und Kind. Da­durch kommt auch der Milch­fluss leich­ter in Gang und die Ge­bär­mut­ter­kon­trak­tio­nen zur Aus­stos­sung der Pla­zen­ta wer­den an­ge­regt. Wenn Sie aus per­sön­li­chen oder re­li­giö­sen Grün­den Ihr Kind nicht un­mit­tel­bar nach der Ge­burt nackt auf die Brust neh­men möch­ten, be­spre­chen Sie dies vor­her mit den be­treu­en­den Heb­am­men und/ oder Ge­burts­hel­fern.

Auch die An­we­sen­heit des Va­ters ist von gros­ser Be­deu­tung, denn auch für ihn ist es wich­tig, sein Kind will­kom­men zu heis­sen. Falls die Mut­ter aus me­di­zi­ni­schen Grün­den ver­hin­dert ist, den ers­ten Kon­takt zum Kind auf­zu­bau­en, kann der Va­ter dies über­neh­men.

kurz&bündigkurz&bündig
9/3/2016
Schwangere mit Mann, der ihren Babybauch hält

Ge­burts­freu­di­ges Be­cken

Frau­en sind in der Kör­per­mit­te brei­ter ge­baut als Män­ner, weil ihr Be­cken bei der Ge­burt ge­nug Platz für den …
Letzte Aktualisierung: 03.03.2020, BH / swissmom-Hebammenteam
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