9. Monat - "Von Fluchtversuchen und Baby Neid"

Hat er nicht gerade erst angefangen zu krabbeln? Jetzt zieht sich Emil bereits an seinem Bett und dem Laufstall hoch und steht auf seinen zwei Füsschen, als hätte er das schon immer getan. Es dauert nicht mehr lange, und er wagt seine ersten Schritte. Wahrscheinlich ist ihm klar geworden, dass er so schneller vor seinem grossen Bruder weglaufen kann. Apropos weglaufen, Emil hat in diesem Monat auch seinen ersten Fluchtversuch von zu Hause unternommen, der in einem kleinen Unfall endete. Ich war gerade dabei, beide Kinder anzuziehen um das Haus zu verlassen. Julius stand draussen vor der Tür und Emil sass auf dem Fussboden im Eingang. Die Tür war offen, und ich wollte nur noch kurz Emil’s Mütze aus der Schublade in der Garderobe holen und aufbrechen. In dem Moment, in dem ich mich umdrehe um die Schublade zu öffnen, krabbelt Emil in Windeseile auf die Haustür zu, um sich dann mit einem waghalsigen Hechtsprung die kleine Stufe vor dem Haus hinunterzustürzen und auf dem Gesicht zu landen. Gottseidank sind alle mit einem Schrecken davon gekommen, und Emil ausserdem noch mit ein paar Schürfwunden auf dem Nasenflügel, der Wange und der Schläfe. Nach drei Tagen war alles wieder verheilt, und ich weiss jetzt, dass man ihn nicht mal mehr den Bruchteil einer Sekunde aus den Augen lassen darf.

Zu Zeit herrscht in unserem Freundes- und Bekanntenkreis ein regelrechter Babyboom. Jede zweite Freundin ist entweder schwanger oder hat gerade ein Baby zur Welt gebracht. Ich freue mich selbstverständlich riesig für sie, habe aber auch ein ganz neues Gefühl in mir entdeckt, dass ich so noch nicht kannte und auch nie für möglich gehalten hätte: Baby Neid! Sobald mir eine Freundin eröffnet, dass sie schwanger ist oder mir Fotos Ihres frisch geschlüpften Neugeborenen zeigt, kommt dieses Gefühl in mir hoch und breitet sich rasant aus. Obwohl ein drittes Kind bei uns momentan noch nicht einmal zur Diskussion steht, da wir mit den beiden Jungs mehr als ausgelastet sind, kann ich mir schlecht vorstellen, all das nie mehr erleben zu dürfen. Ich glaube, dass Kinderkriegen süchtig macht. Der Hormoncocktail, welcher durch die Schwangerschaft und das Wochenbett freigesetzt wird, beschert uns ein solches Hoch, dass es schwer macht, davon los zu kommen. Die Fotos der Neugeborenen meiner Freundinnen wirken dann wie die harmlose Alkoholpraline, die einen seit Jahren trockenen Alkoholiker wieder rückfällig werden lässt. Vielleicht sollte ich schleunigst Ausschau nach einer Selbsthilfegruppe für Babysüchtige halten, wenn ich nicht mit 17 Kindern enden will. 

Caroline Hafner schreibt in den ersten 8 Lebenswochen ihres Emils wöchentlich, danach monatlich über Ihre Erfahrungen als junge Mutter. Fortsetzung folgt...