5. Woche - "Die ersten Ferien"

Diese Woche war Emil zum ersten Mal in den Ferien. Eine Woche in den Bergen mit Mama, Papa, Julius, der Tante und den Grosseltern. Wir waren im Hotel Spitzhorn, einem neu eröffneten 3-Sterne-Hotel in Saanen bei Gstaad. Natürlich war ich etwas nervös, ob es nicht vielleicht etwas zu früh sei für Emil. Immerhin hatte er immer noch keinen Rhythmus und wie sollte das dann gehen mit einem gemütlichen Abendessen im Hotelrestaurant?

Es war aber alles kein Problem. Das Hotel erwies sich als absolut kinderfreundlich, was ja auch nicht gerade selbstverständlich ist. Nachdem wir beim Frühstück neben einer holländischen Familie mit vier kleinen Kindern im Abstand von je 20 Monaten sassen, kamen mir meine beiden Jungs auch gar nicht mehr so anstrengend vor…

Tagsüber verbrachten wir die Tage mit langen Spaziergängen im Schnee, Schaufensterbummeln durch Gstaad und Schwimmen im Hotelpool. Abends verfolgten wir strikt immer die gleiche Routine: Zuerst gingen wir um 6 Uhr mit Julius essen, er bekam meistens irgendein Pasta Gericht an der Hotelbar. Dann gingen wir alle zurück ins Zimmer und brachten Julius gegen 7 Uhr ins Bett, so dass wir um 8 Uhr essen gehen konnten. Emil nahmen wir  im MaxiCosi mit zum Essen. Er schlief dann meistens die ganze Zeit über, manchmal musste ich mich aber auch kurz entschuldigen, um ihn zu stillen. Das ging ganz gut in der Hotellobby vor dem Kamin, dort gab es einige sichtgeschützte Sessel. Das Stillen in der Öffentlichkeit ist auch so etwas, an das ich mich wohl nie ganz gewöhnen werde. Auch wenn es nur ein winziger Augenblick ist, in dem die Brustwarze zu sehen ist, bevor sie wieder von Emil und einem über die Schulter geworfenen Tuch verdeckt wird, ist mir das einfach unangenehm. 

Julius war schon immer ein guter Schläfer und schlief auch diese Woche problemlos jede Nacht von halb 8 bis 7 Uhr durch. Da wir unser Babyphone nicht mitgenommen hatten und im Hotel auch keines vorhanden war, haben wir kurzerhand eine App auf unsere iPhones geladen, mit der man Julius im Zimmer sogar mit Kamera überwachen konnte. Babyphone 3G kann ich wirklich jedem Elternpaar wärmstens empfehlen. Für einen Preis von 4 CHF pro App (beide müssen die App kaufen und auf zwei separate Geräte laden) eine lohnende Investition. Das übliche Problem mit der zu kurzen Reichweite des Babyphones hat man damit nicht, allerdings müssen beide Geräte Zugriff auf das gleiche Wireless Netzwerk haben. Das ist in Hotels zwischen Zimmern und Restaurant normalerweise der Fall. 

In Gstaad gibt es ja gottseidank die gleichen Supermärkte wie bei uns zu Hause, und so konnten wir uns darauf verlassen, dort die richtigen Windeln kaufen zu können. In anderen Feriendestinationen ist das aber nicht immer unbedingt der Fall, da kann die Hälfte des Koffers schon mal alleine mit Windeln gefüllt sein. Bei Emil ist das mit den Windeln ja so eine Sache, also das Wickeln allgemein. Emil hatte in seinen bisherigen fünf Lebenswochen genau fünf Mal Stuhlgang. Also einmal pro Woche. Dann aber in einer solchen Fülle, dass keine Windel dieser Welt eine derartige Explosion aufzufangen vermag. Wir haben also einmal pro Woche eine komplette Windelexplosion, die restlichen sechs Tage leben wir in der ständigen Angst, sie könnte jeden Augenblick kommen. Ab und zu merke ich aber auch plötzlich, dass ich den armen Emil schon seit mehreren Stunden nicht mehr gewickelt habe, weil ich es einfach mangels der üblichen geruchlichen Alarmsignale vergessen habe. So kam es schon mal vor, dass seine Windel dann so dermassen nass und schwer war, dass man damit problemlos eine Scheibe hätte einschlagen können.

Natürlich hat man für Kleinkinder im Allgemeinen, und für Neugeborene im Speziellen, sehr viel mehr Gepäck als sonst. Man muss neben ausreichend Wechselkleidung (mindestens drei Outfits pro Tag sollten es schon sein, man weiss ja nie…) noch an so einiges anderes denken. Da ich nur mit Stillhütchen stillen kann und immer noch einen Schoppen pro Tag zufüttere, mussten wir natürlich ans Sterilisieren denken. Zu Hause koche immer einfach alles im Kochtopf mit etwas Essig oder Zitronensäure ab, im Hotelzimmer hatte ich aber weder einen Kochtopf noch eine Herdplatte. So haben wir kurzfristig noch einen Dampfsterilisator gekauft, mit dem wir täglich die Fläschchen, Saughütchen und Nuggis abkochen konnten. 

Alles in allem kann ich sagen, dass die Ferien für alle Beteiligten entspannend und erholsam waren. Wir konnten ab und zu die Kinder den Grosseltern abgeben und einige Stunden für uns geniessen, und ich musste mich nicht um den Haushalt oder die Mahlzeiten kümmern. Eine Woche reicht dabei aber völlig aus, da sich das Baby ja eigentlich erstmal an die eigenen vier Wände und das eigene Bett gewöhnen sollte. Daran arbeiten wir dann nächste Woche…

Caroline Hafner schreibt in den ersten 8 Lebenswochen Ihres Emils wöchentlich, danach monatlich über Ihre Erfahrungen als junge Mutter. Fortsetzung folgt...