Junge Mutter mit dem schreienden Säugling

Hilfe annehmen - leichter gesagt als getan

Es gibt sie, die Paare, denen das Familienglück sozusagen in den Schoss fällt, doch diese Paare sind die Ausnahme. Viele Eltern erleben die erste Zeit mit dem Baby als sehr herausfordernd. Extremer Schlafmangel, ein Baby, das andauernd schreit, Wochenbettdepression, wiederkehrende Brustentzündungen, Spannungen in der Partnerschaft, grosse Unsicherheit, ob man es auch richtig macht mit dem Baby - die Gründe, weshalb sich junge Eltern überfordert fühlen, können sehr unterschiedlich sein. War es früher noch üblich, dass die Mutter durch die erweiterte Familie unterstützt wurde, sind Eltern heute meist mehr oder weniger auf sich selber gestellt. Und auch dann, wenn Hilfsangebote da sind, fällt es vielen unglaublich schwer, diese anzunehmen.

Auch hierfür gibt es ganz unterschiedliche Gründe: Vielleicht fürchtet man, anderen zur Last zu fallen, vielleicht hat man auch in einem schwierigen Arbeitsverhältnis gelernt, zu lange auf die Zähne zu beissen. Manche Mütter schämen sich, Hilfe anzunehmen, weil sie denken, sie seien die Einzigen, die "es nicht auf die Reihe kriegen". Und oft ist es auch so, dass man gar nicht merkt, dass man Hilfe gebrauchen könnte, weil man vor lauter Stress nicht zum Nachdenken über die eigene Situation kommt. Darum hilft es auch wenig, wenn wohlmeinende Menschen sagen: "Melde dich einfach, wenn du Hilfe brauchst", denn bis die gestresste Mama  dazu kommt, jemanden um Hilfe zu bitten, ist das Schwierigste bereits durchgestanden. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die Mühe damit haben, Hilfe anzunehmen, helfen Ihnen vielleicht diese Gedanken weiter:

Keine falsche Scham 

Eltern werden ist eine grosse Herausforderung und anders als im Berufsleben gibt es hier weder Feierabend, Wochenende noch Ferien, zumindest nicht in den ersten Monaten. Dass Sie dabei zuweilen an Ihre Grenzen stossen, ist vollkommen normal und auch wenn es von aussen manchmal den Anschein macht, als würden andere die Herausforderung mit Links meistern, so ist dies wohl kaum je der Fall. Schämen Sie sich also nicht, sich selber und anderen einzugestehen, dass es Ihnen manchmal zu viel wird. Die meisten Mütter machen die Erfahrung, dass auch andere sich öffnen, wenn sie ehrlich von ihren Kämpfen berichten. In vielen Fällen ist dies bereits der erste Schritt, Hilfe zu bekommen, denn nur schon die Möglichkeit, einander das Herz auszuschütten, kann eine unglaubliche Erleichterung sein.

Vernetzen Sie sich

Vielleicht fällt es Ihnen leichter, Hilfe anzunehmen, wenn Sie etwas zurückgeben können. Wenn Sie sich mit anderen Eltern vernetzen, können Sie einander gegenseitig entlasten. Ihre Nachbarin beaufsichtigt z. B. eine Stunde lang Ihr Baby, damit Sie in Ruhe einkaufen und der Nachbarin auch gleich das Nötigste mitbringen können. Sie nehmen das Kleinkind einer anderen Familie mit auf den Spaziergang, können sich dafür nachher eine Stunde lang hinlegen, weil die andere Mutter zu Ihrem Baby schaut. Hier können Sie nachlesen, wie Sie Kontakte zu anderen Müttern knüpfen können, wenn es in Ihrem Bekanntenkreis keine anderen Familien gibt. 

Lernen Sie, auch mal Ja zu sagen

Wer Ihnen Hilfe anbietet, meint es im Normalfall ernst mit seinem Angebot. Sie brauchen sich also nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, ob das Angebot für die andere Person auch stimmt. Das Angebot steht im Raum,  darum dürfen Sie auch getrost ja sagen. Falls Sie das Ja kaum über Ihre Lippen bringen, stellen Sie sich die Situation umgekehrt vor: Wann bieten Sie jemandem Hilfe an? Wie fühlen Sie sich, wenn Sie  helfen können? Für die meisten Menschen ist es ein gutes Gefühl, für jemanden da sein zu dürfen, wenn Sie also ja sagen, geben Sie der anderen Person die Gelegenheit, etwas für Sie zu tun, was ihr selber auch Freude bereitet. 

Sie wollen anderen nicht zur Last fallen? Dann nehmen Sie frühzeitig Hilfe an!

Je schneller man Hilfe annimmt, umso leichter lässt sich das Problem im Normalfall lösen. Warten Sie jedoch zu lange, kann sich eine Situation verschlimmern, so dass Sie am Ende viel mehr Hilfe brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen. Einem Schlafmanko ist leichter beizukommen als einem Erschöpfungszustand, ein Stimmungstief lässt sich leichter in den Griff bekommen als eine ausgewachsene Depression. Sie tun sich selber und Ihrer Familie keinen Gefallen, wenn Sie zu lange auf die Zähne beissen. 

Und wenn niemand für mich da ist?

Vielleicht möchten Sie sich ja nur zu gerne helfen lassen, aber da ist niemand, an den Sie sich wenden können? Hilfsangebote gibt es, allerdings ist es nicht immer einfach, diese zu finden. Die Mütter- und Väterberatung informiert Sie über die Angebote in Ihrer Region. Ausserdem finden Sie hier wichtige Adressen, die Ihnen weiterhelfen. 

Letzte Aktualisierung : 05.2016, TV

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