Mittelohrentzündung

Ohrentzündung

Ohrenschmerzen gehören zum Unangenehmsten, was Ihrem Kind widerfahren kann. Denken Sie immer an eine Mittelohrentzündung, wenn Ihr Baby untröstlich weint oder erschöpft einschläft, jedoch weinend wieder aufwacht oder unruhig schläft. Auch wenn es nicht flach liegen möchte und am Ohr zieht oder reibt, deutet dies auf eine Entzündung im Mittelohr hin.

Ohrinfektionen erkennen Sie oft daran, dass das Kind erhöhte Temperatur oder Fieber hat, evtl. Durchfall bekommt und weint. Die Schmerzen können sich vom Ohr ausgehend auch in den hinteren Hals- und Kieferbereich ausdehnen. In manchen Fällen wird Sekret aus dem Ohr abgesondert.

Eine Mittelohrentzündung tritt im ersten Lebensjahr häufig in Zusammenhang mit einer Erkältung auf - kann aber auch ohne Begleitsymptome entstehen. Bakterien oder Viren aus dem Rachenbereich wandern über die Ohrtrompete in das Mittelohr und verursachen dort in der Paukenhöhle eine Entzündung und Schwellung. Eiter und Sekret können nicht abfliessen und der Druck verursacht starke Schmerzen. Wird die Entzündung nicht behandelt, kann das Trommelfell unter dem Druck sogar platzen. Da die Ohrtrompete (Tube) bei Säuglingen noch sehr kurz und eng ist, sind sie besonders anfällig für Infektionen.

Bei älteren Kindern ist häufig eine vergrösserte Rachenmandel (Polypen) die Ursache für die Ohrenentzündung. Diese "Wucherungen" verengen oder verschliessen besonders bei Entzündungen die Ohrtrompetenöffnung und behindern so die Belüftung des Mittelohrs. 90% aller Sechsjährigen haben schon einmal oder mehrmals eine Mittelohrentzündung gehabt.

Infektionen des Ohres können zu Schwerhörigkeit führen, denn mitunter bleiben Löcher oder Narben im Trommelfell zurück. Deshalb ist es sehr wichtig, sie so früh wie möglich zu erkennen und behandeln zu lassen. Wird eine Ohrentzündung verschleppt, kann sie sich zu einer sogenannten Mastoiditis ausweiten. Dabei vereitert ein Knochen hinter dem Ohr, der sogenannte Mastoid. Das macht sich durch eine stark gerötete Schwellung hinter der Ohrmuschel und ein scheinbar abstehendes Ohr bemerkbar. Neben Berührungsempfindlichkeit kann es zu Fieber kommen. Die gefährlichste Folge ist eine Meningitis (Hirnhautentzündung). Konsultieren Sie daher rechtzeitig Ihren Arzt, Ihre Ärztin der/die die richtige Diagnose stellen und entsprechende Behandlungsschritte einleiten kann. Die Behandlung besteht in der Regel aus abschwellenden Nasentropfen und Antibiotika. Dazu können schmerzstillende, entzündungshemmende und fiebersenkende Zäpfchen verabreicht werden.

Ohrentropfen sollten Sie nur anwenden, wenn der Arzt sie verordnet hat. Niemals dürfen entzündete Ohren mit Wattestäbchen gereinigt werden! Sie schieben damit nur das Ohrenschmalz zurück und es entsteht ein Ohrpropf. Von Wärmeanwendung auf dem Ohr wird heute eher abgeraten, weil sie die Schmerzen einer eitrigen Ohrentzündung noch verstärkt. Sie können Ihrem Kind die Schmerzen erleichtern, indem Sie den Kopf etwas höher lagern und das Kind mit dem kranken Ohr nach unten liegt, damit Eiter und Sekret besser abfliessen kann. Geben Sie Ihrem Kind viel zu trinken, so löst sich der zähe Schleim besser. Auch das alte Hausmittel "Zwiebelwickel" kann kurzfristig bis zum Arztbesuch und unterstützend zu der Verordnung helfen.

Die wichtigste Vorsorge: Lassen Sie Ihr Kind bei niedrigen Temperaturen nie ohne Ohrenschutz und Kopfbedeckung ins Freie.


Wissen

Ohrentzündung: Antibiotika sofort oder nicht?


Newsticker

Zehn Tage müssen sein | 11.02.2017

Die Mittelohrentzündung ist der häufigste Anlass für eine Antibiotikabehandlung in der Kinderheilkunde, vor allem in den ersten beiden Lebensjahren. Die Nebenwirkungen (Störung der Darmflora, Entwicklung von Resistenzen), aber auch die hohen Kosten veranlassen viele Ärzte, die Antibiotika-Behandlung zu verkürzen. Das ist jedoch gefährlich: Ein verkürztes Regime führte in einer Studie bei Kindern unter zwei Jahren zu deutlich schlechteren Heilungsraten und Rückfällen (34 % der Kinder in der Fünf-Tage-Gruppe, dagegen nur 16 % in der Zehn-Tage-Gruppe). Andererseits traten dadurch nicht mehr Nebenwirkungen (Durchfall oder Windelsoor) auf, und auch die gefürchtete Resistenz gegen das Antibiotikum wurde dadurch nicht gefördert. Nach Meinung der Forscher lässt sich dieses Ergebnis jedoch nicht auf Kinder über zwei Jahre übertragen. 

Letzte Aktualisierung : 05.2016, BH

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