Erstes Baby ohne Brustkrebsgen geboren

In London wurde jetzt erstmals ein Mädchen geboren, bei dem nach der künstlichen Befruchtung (IVF) aber vor dem Einsetzen der Eizelle in die Gebärmutter ein Gendefekt ausgeschlossen wurde, der mit einem hohen Brustkrebsrisiko einhergeht.

Trägerinnen eines Brustkrebs-Gens haben ein 80-prozentiges Risiko haben, irgendwann in ihrem Leben an einem Mammakarzinom zu erkranken, und sie entwickeln zu 60 Prozent Krebs am Eierstock (Ovarialkarzinom). Dies ist sogar noch schlimmer, weil diese Krebserkrankung sehr bösartig verläuft und häufig zu spät erkannt wird. Die britische Aufsichtsbehörde Human Fertilisation and Embryology Authority genehmigte deshalb im Jahr 2006 die Präimplantationsdiagnostik (PID) zum Ausschluss dieses Risikogens.

Die zukünftige Gesundheit des Kindes wurde damit über ethische Bedenken gestellt. Denn Kritiker bezeichnen die bewusste Auswahl von Embryonen aufgrund von gewünschten genetischen Eigenschaften als einen Schritt hin zum “Designer-Baby” mit spezieller Augen-oder Haarfarbe, was allerdings mit der PID in der Regel so einfach nicht möglich wäre. Die Human Fertilisation and Embryology Authority hatte deshalb auch im Dezember 2008 vor Missverständnissen gewarnt. Die PID sei kein Verfahren, mit dem Änderungen im Erbgut vorgenommen werden. Es eröffne aber die Möglichkeit, genetische Erkrankungen zu vermeiden, sofern die Erbmasse der Eltern auch Embryonen ermöglicht, die frei von dem betroffenen Gen sind.

Im vorliegenden Fall sind in der Familie des Vaters seit drei Generationen mehrmals Frauen jung an Brustkrebs erkrankt. Seiner Frau wurden deshalb, wie bei der Vorbereitung auf eine konventionelle IVF üblich, mehrere Eizellen entnommen und im Labor befruchtet. Als die entstandenen Embryonen das Acht-Zell-Stadium erreicht hatten, wurde den Embryonen eine oder zwei Zellen entnommen und gezielt auf Mutationen im BRCA1-Gen hin untersucht. Danach wurde ein Embryo implantiert, der dieses Merkmal nicht trug.

Die PID kann auch zum Ausschluss anderer genetische Krebserkrankungen angewendet werden. Das University College London bietet das Verfahren zur Zeit zur Vermeidung von Darmkrebs (durch Mutationen im APC-Gen) und von Retinoblastomen an. Eine PID zu den beiden häufigsten Brustkrebsgenen BRCA1 und 2 könnte vor allem in solchen Bevölkerungsgruppen sinnvoll sein, in denen dieses Merkmal besonders häufig ist. Dazu gehören Juden osteuropäischer Herkunft (Ashkenasi), von denen eine Person von 40 TrägerIn von BRCA1 oder 2 ist. Das University College London hat im Herbst das “Genetic Cancer Prediction through Population Screening” (GCaPPS) ins Leben gerufen. Gescreent werden Frauen in Mill Hill, einem Stadtteil im Norden Londons mit einer größeren orthodoxen jüdischen Gemeinde.

Quelle: Pressemitteilung des University College London
http://www.ucl.ac.uk/news/news-articles/0901/09010802

Stand: 1/09, BH