Krampfanfälle

Epilepsie

Schätzungsweise erleidet einer von zwanzig Menschen im Lauf seines Lebens mindestens einmal einen Krampfanfall. Ausgelöst wird solch ein Anfall durch eine Fehlfunktion im Gehirn. Dabei kommt es zu Spontanentladungen von Nervenzellen im Gehirn (ähnlich einem Gewitter), die unkontrollierte Muskelanspannungen (tonisch) und –zuckungen (klonisch) sowie Bewusstseinsstörungen verursachen können. Die Ursachen dafür sind ganz verschieden und in der Hälfte der Fälle bleiben sie unbekannt. Es kann auch eine ernstzunehmende Erkrankung dahinter stecken, welche die Kinder über einige Jahre oder ihr Leben lang begleitet. In diesem Fall spricht man von einer Epilepsie oder einem Anfallsleiden.

Je nach Dauer, Form und Häufigkeit der Anfälle, Alter des Kindes und Ort der zu Grunde liegenden Gehirnschädigung unterscheidet man zahlreiche Formen von Krämpfen. Meist sind die Anfälle harmlos und einmalig (Gelegenheitskrämpfe), wie zum Beispiel der Fieberkrampf. Einige Anfallstypen sind auch für bestimmte Altersgruppen charakteristisch (z.B. BNS-Krämpfe bei Säuglingen).  Epileptische Anfälle können zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten, manche Formen besonders häufig nach dem Aufwachen. Ein einzelner, kurzdauernder Krampfanfall schädigt das Gehirn nicht nachhaltig. Zu lange und häufige Krampfanfälle sollten aber möglichst verhindert werden. Es können Gehirnschäden entstehen, die zu Anfallshäufung und geistiger Behinderung führen können.

Man unterscheidet zwei Hauptformen epileptischer Anfälle, den generalisierten und den fokalen Anfall. Ein generalisierter Anfall liegt vor, wenn von Anfang an das ganze Gehirn von Entladungen der Nervenzellen erfasst wird. Finden die Entladungen nur an einem Ort im Gehirn statt, dem so genannten Herd oder Fokus, so spricht man von einem fokalen Anfall. Breiten sich die Entladungen anschliessend über das gesamte Gehirn aus, spricht man von einer sekundären Generalisierung des Anfalls. Ärzte können anhand von klinischen Symptomen und EEG-Befunden die verschiedenen Anfallsformen unterscheiden. Ihre genaue Beobachtung und Beschreibung eines Anfalls ist für den Arzt bei der Diagnosestellung sehr wichtig. Die Symptome eines Krampfanfalls können recht unterschiedlich sein. Bei einem akuten Anfall sollten Sie genau wissen, welche Massnahmen zu ergreifen sind.

Eine Heilung der Epilepsie ist nicht immer möglich und stark davon abhängig, welche Form vorliegt. In seltenen Fällen kann eine Operation am Gehirn die Ursache des Krampfleidens dauerhaft beseitigen. Meist jedoch muss das Kind regelmässig so genannte Anti-Epileptika einnehmen. Die Art und Dosierung der antiepileptischen Medikamente muss individuell vom spezialisierten Kinderarzt bzw. Neurologen auf das Kind abgestimmt werden. Präparat und Dosierung werden so gewählt, dass möglichst gar keine oder nur geringe Nebenwirkungen spürbar sind. Das ist nicht immer leicht. Mitunter muss das Kind mit viel Geduld auf eine Kombination von Präparaten eingestellt werden. Wichtig ist auf jeden Fall eine sehr geregelte Lebensweise (z. B. ausreichend Schlaf) und die Vermeidung von möglicherweise kritischen Situationen und Faktoren (z.B. Flackerlicht). Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung der Epilepsie stehen aber die Chancen, die Anfälle zu unterdrücken, meist gut. Oft verschwindet die Anfallsneigung nach der Pubertät von selbst.

Beachten Sie!

Wichtige Links

www.epi.ch 

www.epi-suisse.ch

Die weitaus meisten Kinder mit Epilepsie sind normal intelligent und können normale Kindergärten und Schulen besuchen. Wenn allerdings die medikamentöse Einstellung nicht gut gelingt, die Nebenwirkungen der Medikamente (z.B. Müdigkeit, Verlangsamung, aber auch Aggressivität) nicht zu vermeiden und längere Krankenhausaufenthalte notwendig sind, kann ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigt werden. Wichtig ist, dass die Umgebung (Lehrer und Mitschüler) Bescheid weiss und bei einem allfälligen Anfall richtig reagieren kann. Für die soziale Integration ist es von grosser Bedeutung, dass die Kinder so wenig wie möglich in eine Sondersituation gedrängt werden, z.B. im Turnunterricht oder bei den Schulreisen. 

Ein epilepsiekrankes Kind braucht immer die besondere Aufmerksamkeit seiner Eltern. Der Zeitaufwand für die Untersuchungen und Abklärungen darf nicht unterschätzt werden. Die gesunden Geschwister müssen oft mithelfen, ihren Bruder bzw. ihre Schwester zu integrieren und zu beaufsichtigen. Das können gleichzeitig Herausforderungen wie Nachteile für die Geschwister von epilepsiekranken Kindern sein.

Newsticker

Langes Krampfen schadet dem Gehirn: Fieberkrämpfe bei Kindern sind meist harmlos. Dauern die Krämpfe – ob mit oder ohne Fieber – aber länger als eine halbe Stunde, haben die Kinder später ein erhöhtes Epilepsierisiko und Entwicklungsverzögerungen bei den geistigen und motorischen Fähigkeiten. Bei den Kindern mit fieberlosem Krampfanfall waren die Werte in der jetzt veröffentlichten Studie aus London am schlechtesten. Bei Kindern mit einem Fieberkrampf lagen die Werte zwar besser, aber immer deutlich unter den Werten der Kontrollgruppe. Unklar ist noch, ob das an den Anfällen liegt oder ob das Gehirn bereits vorgeschädigt war und deshalb den Krampf auslöste. (swissmom Newsticker, 31.8.2013)

Letzte Aktualisierung : 05.2016, BH

loading