Beissen, schlagen, treten...
Kind | Konflikte | Erziehung

Wenn Kinder beissen, schlagen und treten

Die Gründe für kindliche Aggression sind vielfältig und oft schwer ergründbar. Schlagen, beissen und treten sind eine Form von Aggressivität, die Ihr Kind vor allem dann zeigt, wenn es mit der Situation überfordert oder unsicher ist, oder wenn es auf sich aufmerksam machen will.

Eine Veränderung im familiären Bereich wie die Geburts eines Geschwisterchens, die Trennung der Eltern, der Tod der Grosseltern, die Einschulung oder ein Wohnortwechsel kann vermehrt aggressives Verhalten zu Tage fördern.

Natürlich kann auch Gewalt gegen das Kind selbst, Gewalt der Eltern untereinander oder gegenüber Dritten (auch Tieren) eine möglich Ursache für kindliche Aggressionen sein. Denn wenn ein Kind lernt, dass Probleme innerhalb der Familie mit Gewalt gelöst werden, kann es einerseits gar nicht anders, als auch zu Gewalt zu greifen, wenn es sich mit einem Problem konfrontiert sieht. Andrerseits kann es auch sein, dass sich ein Kind vernachlässigt fühlt, dass es um Liebe und Zuneigung buhlt und darum mit allen Mitteln versucht, sich ins Rampenlicht zu stellen, auch wenn dieses noch so negativ ist. Lesen Sie mehr zum Thema gewaltfreie Erziehung.

Auch Kinder (vor allem Knaben), deren Temperament so beschaffen ist, dass sie schnell und heftig wütend werden, können zu Aggressivität neigen. Aber auch Kinder, die sich unsicher fühlen, die Angst vor etwas haben und sich schnell angegriffen fühlen, können mehr als andere ihre Fäuste und Füsse einsetzen.

Wenn Ihr Kind also dadurch auffällt, dass es schnell mal zu beissen, schlagen oder treten beginnt, so ist es sicher ratsam, wenn Sie sich erst einmal fragen, warum das so sein könnte. Vielleicht ist es sogar möglich, dass Sie Ihr Kind in einer ruhigen Minute selber danach fragen, dass Sie ihm die Gelegenheit geben, das Herz auszuschütten. Kommt zum Vorschein, dass das Kind auf Grund einer schweren Situation (Trennung, Tod, Umzug) so reagiert, ist es angebracht, wenn Sie dem Kind viel Verständnis und Rücksichtsnahme entgegen bringen.

Andrerseits steht natürlich fest, dass ein gewisses Verhalten nicht toleriert werden kann: Sie müssen Ihrem Kind also unmissverständlich klar machen, dass gewalttätige Formen der Auseinandersetzung nicht in Ordnung sind. Bewährt in solchen Situation, die konsequent angewendet werden sollten, ist das so genannte Time-out, die Auszeit. Die Streithähne sollen räumlich getrennt werden, auch dann, wenn Ihr Kind heftig protestiert. Aber Ruhe und Distanz helfen dem Kind, zur Einsicht zu kommen. Vielleicht hilft es auch schon, wenn Sie Ihr Kind auf die Arme nehmen oder es mit einem Spiel ablenken. Das Kind muss spüren, dass es mit aggressivem Verhalten nicht weit kommt. Vermeiden Sie aber unbedingt, in solchen Situationen selber aggressiv zu werden, ihr Kind mit heftigen Strafen zur Einsicht zu bringen, das wäre kontraproduktiv!

Oft geht es Kindern auch „nur“ darum, Grenzen zu testen. Es ist also wichtig, dass Sie Ihrem Kind den Freiraum lassen, sich spielerisch mit Aggressionen auseinanderzusetzen. Sie dürfen die Kinder also ruhig mal kämpfen lassen, ihre Kräfte messen lassen und sich auch mal mit ihnen balgen, immer unter der Voraussetzung, dass die Regeln bekannt sind und von keiner Seite überschritten werden dürfen. Diese spielerischen Kämpfe können gerade energiegeladenen Kindern helfen, ihre Energie auf diesem Weg etwas loszuwerden.

Zusammenfassend gilt also:

Ein Kind friedfertig erziehen ist dann möglich, wenn

  • sich die Kinder in ihrer Familie sicher und geborgen fühlen.
  • die Kinder genug Liebe und Zuwendung erhalten. Den Kindern Zeit zu schenken ist wertvoller als alle materiellen Geschenke!
  • die Eltern untereinander und zu ihren Kindern einen fairen, aggressionslosen Umgang pflegen.
  • die Kinder hinsichtlich ihrer Begabungen, Talente und Interessen, z.B. durch Musikunterricht, Sport, Malkurs, Haustiere gefördert und gefordert werden.
  • das Streiten, Raufen, Gerangel und Toben nicht grundsätzlich verboten werden, aber das Gebot besteht, stets fair zu sein.

Wissen

Geschwister müssen streiten


Newsticker

James Bond ist nichts für Kinder: Die Zahl der exzessiven Gewaltszenen zwischen Dr. No (1962) und Ein Quantum Trost (2008) hat sich verdreifacht, wie eine Studie von neuseeländischen Psychologen jetzt beschrieb.  Dazu gehören leichte und schwere Gewalt (Prügeln, Schiessen, Angriffe mit jeglicher Art von Waffen und Massenprügeleien). Gleichzeitig hat sich an der Altersempfehlung wenig geändert hat. Kinder und Jugendliche seien heute weit mehr mit brutalen Handlungen konfrontiert als früher, was gewalttätiges Verhalten im täglichen Leben begünstigen könne. (Newsticker, 6.3.2013)

Kitas sind gut für Problemkinder: Gute Kinderkrippen oder Kindertagesstätten (Kitas) können Kindern aus schwierigen Familienverhältnissen helfen, indem sie Belastungen ausgleichen und die psychische Widerstandskraft stärken. So können Verhaltensprobleme in der ausserhäuslichen Betreuung abgefedert werden. Das wurde nun erstmals in einer Studie des Marie-Meierhofer-Instituts (MMI) nachgewiesen. Wichtig ist, dass die Erzieherinnen jedes Kind regelmässig beobachten und herauszufinden versuchen, was es interessiert. Kleine Kinder lernen vor allem informell und an dem, was sie interessiert. Auch brauchen sie das Gefühl, ernst genommen zu werden, dass man ihnen Zeit widmet und mit ihnen kommuniziert. (swissmom Newsticker, 11.4.14)

Aggressiv wegen Krippe? 2014 arbeiteten 80% der Schweizer Mütter von Kindern unter sechs Jahren Teilzeit- oder Vollzeit, etwa 30% bringen ihren Nachwuchs in Krippen und Kindertagesstätten unter. Ältere Studienergebnisse zeigten einen Zusammenhang zwischen frühem Krippenbesuch und Aggressivität. Aber werden vielleicht gerade diejenigen Kinder fremdbetreut, die ohnehin zu aggressivem Verhalten tendieren? Eine Studie aus Norwegen, wo über 80% der Kinder nach dem ersten Lebensjahr in staatlich finanzierten Krippen betreut werden, scheint diesen Verdacht zu bestätigen. Dort zeigte sich mit vier Jahren kein erhöhtes aggressives Verhalten. Das zeitliche Ausmass der Betreuung hatte keinen Effekt. In ihrem sozialen Verhalten scheinen Kinder also keine Benachteiligung zu haben, wenn Papa und Mama berufstätig sind. (swissmom Newsticker, 24.2.16)

Letzte Aktualisierung : 05.2016, VZ / BH / JL

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