Baby-Blues, auch bei Vätern nicht selten
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Auch Väter haben den Baby-Blues

Dass postnatale Depressionen bei Müttern die Qualität der maternalen Fürsorge beeinträchtigen und zu Störungen bei Kindern hinsichtlich deren sozialen, kognitiven und physischen Entwicklung führen kann, ist seit langem bekannt. Wie es jedoch um die Auswirkungen von väterlichen Depressionen auf die Entwicklung des Kindes während der ersten Lebensjahre bestellt ist, darüber wusste man bislang wenig.

Paul Ramchandani von der Universität Oxford, Grossbritannien, und Kollegen nahmen 13 500 Mütter, die in die grosse Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) eingeschlossen waren, in ihre Auswertung auf. Mehr als 12 800 Teilnehmer lebten in einer festen Partnerschaft. Mütter und Väter wurden acht Wochen nach der Geburt ihres Kindes anhand eines validierten Fragebogens auf eine postnatale Depression untersucht. Die Väter wurden zudem nach 21 Monaten befragt. Darüber hinaus überprüften die Forscher anhand eines Fragebogens, den die Mütter auszufüllen hatten, die emotionale und Verhaltensentwicklung der Kinder im Alter von 3,5 Jahren. Die Analyse der Aufzeichnungen über 8.430 Väter ergab, dass 3,6 Prozent (303 Väter) acht Wochen nach der Geburt an Depressionen litten. Zu den Symptomen zählten Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Hoffnungslosigkeit.

Die Folge: Hatte der Vater in den Monaten nach der Geburt eine depressive Phase, war dies doppelt so häufig mit nachteiligen emotionalen Problemen und Verhaltensstörungen bei den Kindern, insbesondere bei Jungen, assoziiert als bei psychisch stabilen Vätern.

"Wir wissen bereits, dass postnatale Depressionen bei Müttern die Qualität ihrer mütterlichen Fürsorge stark beeinträchtigen", erklärte Studienleiter Paul Ramchandani. Dadurch kommt es bei den Kindern zu Störungen im Sozialverhalten und Betragen sowie bei der psychischen und physiologischen Entwicklung. "Dass jedoch auch Väter nach der Geburt unter Depressionen leiden, war bisher ein stark vernachlässigter Aspekt", so der Experte.

Quelle: Lancet 2005; S. 365.

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Schätzungsweise bis zu 15 Prozent aller Mütter leiden an einer Wochenbettdepression. Die Gründe sind nach wie vor unbekannt. Als Risikofaktoren kommen psychische Vorerkrankungen, Traumata, aber auch belastende Lebenssituationen infrage. Mittlerweile wissen Forscher, dass die postpartale Depressionen auch bei Männern auftritt, nach neueren Erkenntnissen sogar etwa bei jedem zehnten frischgebackenen Vater. Die Geschlechter leiden jedoch unterschiedlich: Frauen seien oft traurig, während sich Männer eher wütend, gewalttätig oder sozial isoliert fühlen. Auf diese Symptome sollten Ärzte und Hebammen achten. Das ist aber gerade bei den Vätern schwierig: Männer meiden Arztbesuche. Zudem setzen Beschwerden bei Männern deutlich später ein, oft erst Monate nach der Geburt. Der „Baby Blues“ von Frauen beginnt meist ein bis zwei Wochen postpartal.

Letzte Aktualisierung : 05.2016, BH

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