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                              Die Ei­zell­spen­de

                              AVA Foto ohne Logo,Paar im Park auf der Wiese sitzend, von hinten

                              Die Ei­zell­spen­de (al­lo­ge­ne Ei­zell­trans­plan­ta­ti­on) ist eine Wei­ter­ent­wick­lung der In-vi­tro-Fer­ti­li­sie­rung. Sie wird in man­chen Län­dern auch im Rah­men ei­ner Leih­mut­ter­schaft durch­ge­führt. Die Ei­zell­spen­de könn­te in der Schweiz le­gal wer­den. Im März 2022 stimm­te der Na­tio­nal­rat ei­ner ent­spre­chen­den Mo­ti­on zu. Bis das Par­la­ment ent­schei­det müs­sen Paa­re für eine Be­hand­lung ins Aus­land rei­sen. Die Schwan­ger­schafts­be­glei­tung fin­det da­nach in der Schweiz statt. 

                              Eine Ei­zell­spen­de wird v.a. an­ge­wandt, wenn in den Ei­er­stö­cken kei­ne Fol­li­kel her­an­rei­fen – sei es we­gen fort­ge­schrit­te­nen Al­ters der Frau oder auf­grund ei­ner Er­kran­kung (z.B. nach Ope­ra­ti­on, Be­strah­lung oder Che­mo­the­ra­pie, bei vor­zei­ti­ger Me­no­pau­se, En­do­me­trio­se oder ei­nem ho­hen Ri­si­ko, ge­ne­ti­sche Er­kran­kun­gen an ein Kind wei­ter­zu­ge­ben). Oft ist sie die ein­zi­ge Mög­lich­keit, nach mehr­fa­chem Schei­tern ei­ner IVF-Be­hand­lung doch noch schwan­ger zu wer­den. Die un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für eine Ei­zell­spen­de ist je­doch eine in­tak­te Ge­bär­mut­ter.

                              Re­por­ter zum The­ma

                              Ei­zell­spen­de

                              Muss man das Schicksal der Kinderlosigkeit einfach akzeptieren? Jetzt ansehen

                              Wel­che Spen­der­zel­len kom­men in Fra­ge?


                              Als Spen­der­zel­len kom­men in Fra­ge über­zäh­li­ge Ei­zel­len aus der IVF-The­ra­pie ei­ner an­de­ren Frau (egg-sharing) oder Ei­zel­len ei­ner un­be­han­del­ten Spen­de­rin. Bei den Ei­zell­spen­de­rin­nen wer­den zu­vor Tests durch­ge­führt, um ge­ne­ti­sche Er­kran­kun­gen und kör­per­li­che Fehl­bil­dun­gen beim Kind so­wie se­xu­ell über­trag­ba­re Krank­hei­ten zu ver­mei­den. Op­ti­ma­ler­wei­se soll­ten äus­se­re Merk­ma­le wie Haut-/Haar-/Au­gen­far­be, Grö­ße, Ge­wicht, etc., aber auch Blut­grup­pe, Rhe­sus­fak­tor u.v.m. zur Emp­fän­ge­rin pas­sen.

                              Vor der Ent­nah­me der Ei­zel­len wer­den die Ei­er­stö­cke ei­ner Spen­de­rin me­di­ka­men­tös sti­mu­liert, um meh­re­re Ei­zel­len gleich­zei­tig rei­fen zu las­sen, die an­schlies­send, meist un­ter Nar­ko­se, durch Punk­ti­on ent­nom­men wer­den.

                              Je nach Ge­set­zes­la­ge bleibt die Spen­de­rin ent­we­der an­onym (In­for­ma­tio­nen über die Spen­de­rin wer­den auch auf eine An­fra­ge der Emp­fän­ge­rin oder des Kin­des hin vom Kin­der­wunsch-Zen­trum un­ter Ver­schluss ge­hal­ten und nicht wei­ter­ge­ge­ben) oder nicht an­onym (ein Kind, wel­ches mit ge­spen­de­ten Ei­zel­len ge­zeugt wur­de, hat ab ei­nem ge­wis­sen Al­ter das Recht, In­for­ma­tio­nen über die Spen­de­rin zu er­lan­gen).

                              Die ent­nom­me­nen Ei­zel­len wer­den wie bei ei­ner kon­ven­tio­nel­len IVF mit den Sper­mi­en des Part­ners der Emp­fän­ge­rin be­fruch­tet. Die dar­aus ent­stan­de­nen Em­bryo­nen wer­den der Emp­fän­ge­rin über­tra­gen. Die Ge­bär­mut­ter­schleim­haut wird vor­her mit Hor­mo­nen vor­be­rei­tet, was die Ein­nis­tung der Em­bryo­nen er­leich­tert.

                              Wie hoch ist die Er­folgs­quo­te?


                              Die ak­tu­el­le Er­folgs­quo­te für je­den Ver­such liegt mit fri­schen Em­bryo­nen im Blas­to­zys­ten­sta­di­um bei 40- 60%. Mit tief­ge­fro­re­nen und wie­der auf­ge­tau­ten Em­bryo­nen ist die Schwan­ger­schafts­ra­te etwa 20 % nied­ri­ger. Bei Wahr­schein­lich­keit mit ei­ner IVF mit ei­ge­nen Ei­zel­len schwan­ger zu wer­den sinkt mit 42 Jah­ren auf we­ni­ger als 10%. Bei ei­ner Ei­zell­spen­de sind nach vier bis fünf Zy­klen fast 100% der Pa­ti­en­tin­nen schwan­ger. 

                              In der Schweiz (und Deutsch­land, Li­tau­en, Nor­we­gen und Tür­kei) ist die Ei­zell­spen­de der­zeit nicht er­laubt. Schät­zungs­wei­se 500 Schwei­ze­rin­nen, mehr­heit­lich über 40, fah­ren des­halb je­des Jahr zu ei­ner Ei­zell­spen­de ins Aus­land, z.B. nach Spa­ni­en, Por­tu­gal, die Tsche­chi­sche Re­pu­blik (an­ony­me Spen­de), nach Eng­land und Finn­land (nicht-an­ony­me Spen­de). In ei­ni­gen die­ser Län­der gibt es Re­ge­lun­gen, die eine Aus­beu­tung der Spen­de­rin ver­hin­dern sol­len, da­mit Frau­en Ei­zel­len nicht aus so­zia­ler Not spen­den.

                              Nach Mei­nung der Fach­leu­te stellt die­ses Ver­bot eine Un­gleich­be­hand­lung der Ge­schlech­ter dar. In der Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zin dür­fen bei Un­frucht­bar­keit des Man­nes Sa­men­spen­den ver­wen­det wer­den, bei me­di­zi­ni­schen Pro­ble­men der Frau ist die Ei­zel­len­spen­de je­doch il­le­gal.

                              Das schwei­ze­ri­sche Par­la­ment ar­bei­tet des­halb zur Zeit dar­an, Sa­men- und Eispen­den recht­lich gleich­zu­set­zen. Ver­bo­ten blei­ben soll je­doch das Im­plan­tie­ren von be­reits be­fruch­te­ten Ei­zel­len an­de­rer Paa­re, also ge­spen­de­ten Em­bryo­nen, und die Leih­mut­ter­schaft, wo­bei eine be­fruch­te­te Ei­zel­le ei­nes Paa­res ei­ner an­de­ren Frau zum Zwe­cke des Aus­tra­gens des Kin­des ein­ge­setzt wird.

                              Wel­che ge­setz­li­che Grund­la­gen zur Ei­zell­spen­de gibt es in der Schweiz?


                              Das Bun­des­ge­setzt über die me­di­zi­nisch un­ter­stüt­ze Fort­pflan­zung (FMedG) re­gelt seit Ja­nu­ar 2001 die Rah­men­be­din­gun­gen der künst­li­chen Fort­pflan­zung in der Schweiz. Dar­in ist nach Ar­ti­kel 4 die Ei­zell­spen­de ge­setz­lich ver­bo­ten. Grund­sätz­lich sind die Rech­te von vier Par­tei­en zu wah­ren: Die Aus­län­di­sche Spen­de­rin und das Ei­zell­spen­de­zen­trum sind ge­schützt, so­lan­ge die Ge­set­ze im ent­spre­chen­den Land ein­ge­hal­ten wer­den. Straf­frei ist auch die Emp­fän­ge­rin der Ei­zell­spen­de und spä­te­re Mut­ter. Nach schwei­ze­ri­schem Recht ist sie auch die recht­li­che Mut­ter, da sie das Kind ge­bärt. Schliess­lich sind auch die Ärz­tin­nen und Ärz­te in der Schweiz klar straf­frei, die die Pa­ti­en­tin­nen wäh­rend der Schwan­ger­schaft und Ge­burt be­treu­en. Eine Kol­la­bo­ra­ti­on, Emp­feh­lung oder Ver­mitt­lung von Schwei­zer Ärz­te mit ent­spre­chen­den Zen­tren ist klar straf­frei. Ein­zig die Durch­füh­rung der Ei­zell­spen­de in der Schweiz ist straf­bar.

                              Es wer­den sich für die kli­ni­sche Pra­xis noch ei­ni­ge Fra­gen stel­len: Wer darf eine Ei­zel­le spen­den und wie häu­fig?  Sol­len in je­dem Fall ge­ne­ti­sche Tests durch­ge­führt wer­den? Bei der Spen­de­rin und der an ge­hen­den Mut­ter? Darf das Kind er­fah­ren, wer die Spen­de­rin ist (dies ist si­cher­lich wie bei der Sa­men­spen­de wün­schens­wert)? Wie wird die Do­ku­men­ta­ti­on ge­re­gelt? Dür­fen Ei­zel­len im­por­tiert wer­den? Denn es wird wohl in der Schweiz wohl kaum ge­nug Ei­zell­spen­den ge­ben.

                              Gibt es me­di­zi­ni­sche Ri­si­ken für die Spen­de­rin und die Emp­fän­ge­rin?


                              Ri­si­ken für die Spen­de­rin sind mi­ni­mal, be­stehen aber. Durch eine sorg­fäl­ti­ge Aus­wahl der Spen­de­rin­nen kön­nen Zen­tren die Ri­si­ken ver­min­dern. Die­se müs­sen ge­sund und Throm­bo­se­ri­si­ko und Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen müs­sen aus­ge­schlos­sen sein. Eine Ent­nah­me der Ei­zel­le wird in der Re­gel un­ter Voll­nar­ko­se durch­ge­führt. Sehr sel­ten sind Fol­ge­ri­si­ken Blu­tun­gen und In­fek­tio­nen (

                              Die Emp­fän­ge­rin ist grös­se­ren Ri­si­ken aus­ge­setzt: Durch den Sa­men des Man­nes und die frem­de Ei­zel­le ist das un­ge­bo­re­ne Kind ge­ne­tisch ge­se­hen dop­pelt fremd für die Mut­ter. Das be­deu­tet, eine im­mu­no­lo­gi­sche Re­ak­ti­on ist bei ei­ner Ei­zell­spen­de stär­ker und er­höht so­mit das Ri­si­ko ei­ner Prä­eklamp­sie. Hin­zu kom­men Ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Schwan­ger­schaft in hö­he­rem Le­bens­al­ter wie Früh­ge­burt, Schwan­ger­schafts­dia­be­tes und Kai­ser­schnitt. Weil die Ei­zel­le von ei­ner jün­ge­ren Frau stammt, ist das Ri­si­ko ei­ner Fehl­ge­burt nicht er­höht. Je nach Land (ZB Zy­pern) wer­den meh­re­re Em­bryo­nen über­tra­gen, um die Chan­cen für eine Schwan­ger­schaft zu er­hö­hen. Dies soll­te ver­mie­den wer­den, da sie ver­mehrt zu Zwil­lings­schwan­ger­schaf­ten füh­ren kann. Die­se sind als sol­che mit we­sent­lich mehr Ri­si­ken ver­bun­den.

                              Wie um­ge­hen mit ei­ge­nen ethi­schen Be­den­ken?


                              Fra­gen stel­len sich wie ZB: Will ich mit­hil­fe ei­ner Ei­zell­spen­de schwan­ger wer­den? Soll ich dem Kind er­zäh­len, wie es ge­zeugt wur­de? Und wenn ja, wann? Wie fühlt es sich an, die bio­lo­gi­sche Mut­ter, aber nicht die ge­ne­ti­sche Mut­ter zu sein? Wich­tig sind die gute psy­cho­so­zia­le Be­treu­ung und Un­ter­stüt­zung bei Un­frucht­bar­keit und me­di­zi­nisch-un­ter­stütz­ter Fort­pflan­zung. Su­chen Sie das Ge­spräch mit Ih­rer Gy­nä­ko­lo­gin oder Ih­rem Gy­nä­ko­lo­gen. Tref­fen Sie Ent­schei­dun­gen zu­sam­men mit Ih­rem Part­ner, Ih­rer Part­ne­rin. Su­chen Sie psy­cho­lo­gi­sche Hil­fe, ge­ben Sie der Trau­er Raum. Spre­chen Sie dar­über , dass vor­he­ri­ge Schwan­ger­schafts­ver­su­che nicht ge­klappt ha­ben. Su­chen Sie auch Hil­fe bei spe­zia­li­sier­ten Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zi­nern und - me­di­zi­ne­rin­nen.

                              Er­fah­rungs­be­richt


                              Wei­te­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie un­ter Fer­ti­Fo­rum und unter der SGRM (Ver­ein und eine ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on, wel­che die För­de­rung der Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zin, der Re­pro­duk­ti­ons­bio­lo­gie, des Coun­sel­ling und der Fa­mi­li­en­pla­nung so­wie die Mul­ti- und In­ter­dis­zi­pli­na­ri­tät in den vor­ge­nann­ten Be­rei­chen be­zweckt).

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                              Letzte Aktualisierung: 23.06.2022, BH,AS

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