Anzeige
  • Kinderwunsch
    • Schwangerschaft
      • Geburt
        • Wochenbett
          • Baby
            • Kind

              • Stillen
                • Krankheiten
                  • Familie
                    • Frauengesundheit
                      • Erziehung
                        • Vater werden
                          • Gesund Leben
                            • Arbeit, Recht und Finanzen

                              Die Ei­zell­spen­de

                              Für wel­che Paa­re eine Ei­zell­spen­de in Fra­ge kommt, wie und wo sie durch­ge­führt wird und wie die ak­tu­el­le Ge­set­zes­la­ge in der Schweiz aus­sieht.

                              Paar von hinten
                              ©
                              GettyImages

                              Die Ei­zell­spen­de (al­lo­ge­ne Ei­zell­trans­plan­ta­ti­on) ist eine Wei­ter­ent­wick­lung der In-vi­tro-Fer­ti­li­sie­rung. Da­bei wird der Frau die mit dem Sa­men des Part­ners be­fruch­te­te Ei­zel­le ei­ner Spen­de­rin ein­ge­setzt.

                              Ak­tu­ell zur Ei­zell­spen­de in der Schweiz


                              Die Ei­zell­spen­de könn­te in der Schweiz le­gal wer­den. Im März 2022 stimm­te der Na­tio­nal­rat ei­ner ent­spre­chen­den Mo­ti­on zu und am 12.9.22 hat auch der Stän­de­rat – knapp mit 22 Ja- zu 20 Nein-Stim­men – zu­ge­stimmt. Da­mit wird der Bun­des­rat be­auf­tragt, ge­setz­li­che Grund­la­gen zu schaf­fen und die Rah­men­be­din­gun­gen fest­zu­le­gen, um Paa­ren, bei de­nen die Un­frucht­bar­keits­ur­sa­che bei der Frau liegt, die Ei­zell­spen­de zu er­mög­li­chen.

                              Bis­lang ist die Ei­zell­spen­de in der Schweiz ver­bo­ten. Nach Mei­nung der Fach­leu­te stellt die­ses Ver­bot eine Un­gleich­be­hand­lung der Ge­schlech­ter dar. In der Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zin dür­fen bei Un­frucht­bar­keit des Man­nes Sa­men­spen­den ver­wen­det wer­den, bei me­di­zi­ni­schen Pro­ble­men der Frau ist die Ei­zel­len­spen­de je­doch il­le­gal.

                              Wann eine Ei­zell­spen­de an­ge­wandt wird


                              Vor al­lem Frau­en, bei de­nen in den Ei­er­stö­cken kei­ne Fol­li­kel her­an­rei­fen – sei es we­gen fort­ge­schrit­te­nem Al­ter oder auf­grund ei­ner Er­kran­kung – kön­nen von ei­ner ge­spen­de­ten Ei­zel­le pro­fi­tie­ren. Dies kann zum Bei­spiel bei En­do­me­trio­se, ei­ner vor­zei­ti­gen Me­no­pau­se, nach ei­ner Be­strah­lung, Che­mo­the­ra­pie oder Ope­ra­ti­on der Fall sein. Auch ein ho­hes Ri­si­ko, eine ge­ne­ti­sche Er­kran­kun­gen an ein Kind wei­ter­zu­ge­ben, kann ein Grund für eine Schwan­ger­schaft mit­tels Ei­zell­spen­de sein.

                              Oft ist die Ei­zell­spen­de auch die ein­zi­ge Mög­lich­keit, nach mehr­fa­chem Schei­tern ei­ner IVF-Be­hand­lung doch noch schwan­ger zu wer­den. Die un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für eine Ei­zell­spen­de ist je­doch eine in­tak­te Ge­bär­mut­ter.

                              Wo­her kommt die ge­spen­de­te Ei­zel­le?


                              Als Spen­der­zel­len kom­men ent­we­der über­zäh­li­ge Ei­zel­len aus der IVF-The­ra­pie ei­ner an­de­ren Frau (egg-sharing) oder Ei­zel­len ei­ner un­be­han­del­ten Spen­de­rin in Fra­ge.

                              Bei den Ei­zell­spen­de­rin­nen wer­den zu­vor ver­schie­de­ne Tests durch­ge­führt, un­ter an­de­rem, um ge­ne­ti­sche Er­kran­kun­gen und kör­per­li­che Fehl­bil­dun­gen beim Kind so­weit als mög­lich aus­zu­schlies­sen. Op­ti­ma­ler­wei­se soll­ten äus­se­re Merk­ma­le wie Haut-, Haar-, Au­gen­far­be, Grös­se, Ge­wicht, aber auch Blut­grup­pe und Rhe­sus­fak­tor zur Emp­fän­ge­rin pas­sen.

                              Je nach Ge­set­zes­la­ge bleibt die Spen­de­rin ent­we­der an­onym und die In­for­ma­tio­nen wer­den auch auf eine An­fra­ge der Emp­fän­ge­rin oder des Kin­des vom Kin­der­wunsch-Zen­trum un­ter Ver­schluss ge­hal­ten. Bei ei­ner nicht an­ony­men Ei­zell­spen­de hat ein Kind, wel­ches mit ge­spen­de­ten Ei­zel­len ge­zeugt wur­de, ab ei­nem ge­wis­sen Al­ter das Recht, In­for­ma­tio­nen über die Spen­de­rin zu er­lan­gen.

                              So wird die Ei­zell­spen­de durch­ge­führt


                              Vor der Ent­nah­me der Ei­zel­len wer­den die Ei­er­stö­cke der Spen­de­rin me­di­ka­men­tös sti­mu­liert, um meh­re­re Ei­zel­len gleich­zei­tig rei­fen zu las­sen. Die­se wer­den an­schlies­send, meist un­ter Nar­ko­se, durch eine Punk­ti­on ent­nom­men.

                              Die ent­nom­me­nen Ei­zel­len wer­den wie bei ei­ner kon­ven­tio­nel­len IVF mit den Sper­mi­en des Part­ners der Emp­fän­ge­rin be­fruch­tet. Die dar­aus ent­stan­de­nen Em­bryo­nen wer­den der Emp­fän­ge­rin über­tra­gen. Die Ge­bär­mut­ter­schleim­haut wird vor­her mit Hor­mo­nen vor­be­rei­tet, was die Ein­nis­tung der Em­bryo­nen er­leich­tert.

                              Die ak­tu­el­le Er­folgs­quo­te liegt mit fri­schen Em­bryo­nen im Blas­to­zys­ten­sta­di­um bei 40-60 %. Mit tief­ge­fro­re­nen und wie­der auf­ge­tau­ten Em­bryo­nen ist die Schwan­ger­schafts­ra­te um etwa 20 % nied­ri­ger. Die Wahr­schein­lich­keit, mit ei­ner IVF mit ei­ge­nen Ei­zel­len schwan­ger zu wer­den, sinkt mit 42 Jah­ren auf we­ni­ger als 10 %. Bei ei­ner Ei­zell­spen­de sind nach vier bis fünf Zy­klen fast 100 % der Pa­ti­en­tin­nen schwan­ger. 

                              Me­di­zi­ni­sche Ri­si­ken für Spen­de­rin und  Emp­fän­ge­rin


                              Ri­si­ken für die Spen­de­rin sind mi­ni­mal, be­stehen aber. Die Spen­de­rin­nen müs­sen ge­sund und ein Throm­bo­se­ri­si­ko so­wie Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen aus­ge­schlos­sen sein. Sehr sel­ten tre­ten Blu­tun­gen und In­fek­tio­nen als Fol­gen auf.

                              Die Emp­fän­ge­rin ist grös­se­ren Ri­si­ken aus­ge­setzt:

                              • Durch den Sa­men des Man­nes und die frem­de Ei­zel­le ist das un­ge­bo­re­ne Kind ge­ne­tisch ge­se­hen dop­pelt fremd für die Mut­ter. Das be­deu­tet, dass eine Re­ak­ti­on des Im­mun­sys­tems bei ei­ner Ei­zell­spen­de stär­ker ist und das Ri­si­ko ei­ner Prä­eklamp­sie er­hö­hen kann. 

                              • Hin­zu kom­men Ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Schwan­ger­schaft in hö­he­rem Le­bens­al­ter wie zum Bei­spiel eine Früh­ge­burt oder ein Schwan­ger­schafts­dia­be­tes. 

                              • Je nach Land wer­den meh­re­re Em­bryo­nen über­tra­gen, um die Chan­cen auf eine Schwan­ger­schaft zu er­hö­hen. Da­durch ent­ste­hen ver­mehrt Zwil­lings­schwan­ger­schaf­ten, wel­che grund­sätz­lich mit mehr Ri­si­ken ver­bun­den sind.

                              Ge­setz­li­che Grund­la­gen zur Ei­zell­spen­de in der Schweiz


                              Das Bun­des­ge­setz über die me­di­zi­nisch un­ter­stüt­ze Fort­pflan­zung (FMedG) re­gelt seit Ja­nu­ar 2001 die Rah­men­be­din­gun­gen der künst­li­chen Fort­pflan­zung in der Schweiz. Dar­in ist nach Ar­ti­kel 4 die Ei­zell­spen­de ge­setz­lich ver­bo­ten.

                              Grund­sätz­lich sind die Rech­te von vier Par­tei­en zu wah­ren:

                              1. Die aus­län­di­sche Spen­de­rin und das Ei­zell­spen­de­zen­trum sind ge­schützt, so­lan­ge die Ge­set­ze im ent­spre­chen­den Land ein­ge­hal­ten wer­den.

                              2. Straf­frei ist auch die Emp­fän­ge­rin der Ei­zell­spen­de und spä­te­re Mut­ter. Nach schwei­ze­ri­schem Recht ist sie auch die recht­li­che Mut­ter, da sie das Kind ge­bärt.

                              3. Auch die Ärz­tin­nen und Ärz­te in der Schweiz, die die Pa­ti­en­tin­nen wäh­rend der Schwan­ger­schaft und Ge­burt be­treu­en, sind klar straf­frei.

                              4. Eine Kol­la­bo­ra­ti­on, Emp­feh­lung oder Ver­mitt­lung von Schwei­zer Ärz­te mit ent­spre­chen­den Zen­tren ist straf­frei. Ein­zig die Durch­füh­rung der Ei­zell­spen­de in der Schweiz ist ak­tu­ell straf­bar.

                              In der Schweiz, so­wie üb­ri­gens auch in Deutsch­land, Li­tau­en, Nor­we­gen und der Tür­kei, ist die Ei­zell­spen­de der­zeit nicht er­laubt. Schät­zungs­wei­se 500 Schwei­ze­rin­nen, mehr­heit­lich über 40 Jah­ren, fah­ren des­halb je­des Jahr für eine Ei­zell­spen­de ins Aus­land. In Spa­ni­en, Por­tu­gal und in der Tsche­chi­schen Re­pu­blik ist die Spen­de an­onym, in Eng­land und Finn­land nicht-an­onym. In ei­ni­gen die­ser Län­der gibt es Re­ge­lun­gen, die eine Aus­beu­tung der Spen­de­rin ver­hin­dern sol­len, da­mit Frau­en Ei­zel­len nicht aus so­zia­ler Not spen­den.

                              Das schwei­ze­ri­sche Par­la­ment ar­bei­tet des­halb zur­zeit dar­an, Sa­men- und Ei­zell­spen­den recht­lich gleich­zu­set­zen. Ver­bo­ten blei­ben soll je­doch das Im­plan­tie­ren von be­reits be­fruch­te­ten Ei­zel­len an­de­rer Paa­re, also ge­spen­de­ten Em­bryo­nen. Auch die Leih­mut­ter­schaft, bei der eine be­fruch­te­te Ei­zel­le ei­nes Paa­res ei­ner an­de­ren Frau zum Zwe­cke des Aus­tra­gens des Kin­des ein­ge­setzt wird, soll nicht le­gal wer­den.

                              Für die Um­set­zung des neu­en Ge­set­zes stel­len sich für die kli­ni­sche Pra­xis noch ei­ni­ge Fra­gen: Wer darf eine Ei­zel­le spen­den und wie häu­fig? Sol­len in je­dem Fall ge­ne­ti­sche Tests bei der Spen­de­rin und der an­ge­hen­den Mut­ter durch­ge­führt wer­den? Darf das Kind er­fah­ren, wer die Spen­de­rin ist? Und da es in der Schweiz mög­li­cher­wei­se kaum ge­nü­gend ge­spen­de­te Ei­zel­len ge­ben wird: Dür­fen Ei­zel­len im­por­tiert wer­den? 

                              Ethi­sche Be­den­ken und psy­cho­lo­gi­sche Be­treu­ung


                              Paa­re mit Kin­der­wunsch stel­len sich vie­le Fra­gen: Wol­len wir mit­hil­fe ei­ner Ei­zell­spen­de schwan­ger wer­den? Sol­len wir dem Kind er­zäh­len, wie es ent­stan­den ist und wenn ja, wann? Er­trägt es die Mut­ter, nicht die ge­ne­ti­sche Mut­ter zu sein?

                              Eine gute psy­cho­so­zia­le Be­treu­ung und Un­ter­stüt­zung ist für die­sen Pro­zess sehr wich­tig, spre­chen Sie un­be­dingt mit Ih­rem Gy­nä­ko­lo­gen dar­über.

                              Er­fah­rungs­be­richt


                              Wei­te­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie un­ter Fer­ti­Fo­rum so­wie un­ter der SGRM. Die­ser Ver­ein und ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on be­zweckt die För­de­rung der Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zin, der Re­pro­duk­ti­ons­bio­lo­gie, des Coun­sel­ling und der Fa­mi­li­en­pla­nung so­wie die Mul­ti- und In­ter­dis­zi­pli­na­ri­tät in den vor­ge­nann­ten Be­rei­chen.


                              Letzte Aktualisierung: 14.09.2022, BH/AS

                              Mehr zum The­ma

                              Ak­tu­el­les

                              kurz&bündigkurz&bündig
                              9/9/2022
                              Schwangere weist ein Glas Rotwein zurück

                              Schwan­ger­schaft ohne Al­ko­hol

                              Die Fe­ta­le Al­ko­hol­spek­trum­stö­rung (FASD) ist die häu­figs­te an­ge­bo­re­ne Be­hin­de­rung, dar­an er­in­nert „Sucht Schweiz“ zum …

                              Auch in­ter­es­sant

                              Neu­es­te Ar­ti­kel

                              Unsere Partner

                              Anzeige
                              Anzeige