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Ich habe den Ein­druck, dass mich mei­ne klei­ne Toch­ter im­mer wie­der an­lügt. Wie soll ich dar­auf re­agie­ren?

Egal wie alt Ihre klei­ne Toch­ter ist, aber ich glau­be nicht, dass sie „lügt“. Es ist wohl eher die Fan­ta­sie, wel­che mit Ih­rer Klei­nen ab und zu durch­geht.

Denn Fan­ta­sie spielt im Le­ben von Klein­kin­dern eine grös­se­re Rol­le als im Le­ben von uns Er­wach­se­nen. Fan­ta­sie und Klein­kin­der ist denn auch so eine Sa­che: Vie­le Psy­cho­lo­gen sind sich ei­nig, dass ein Kind bis ins Vor­schul­al­ter kaum zwi­schen dem, was wirk­lich ist, und dem, was es in sei­ner Fan­ta­sie er­lebt, tren­nen kann. Die­se Ver­mi­schung von Fan­ta­sie und Rea­li­tät kann bei Ih­nen den Ein­druck er­we­cken, dass Ihr Kind nicht bei der Wahr­heit bleibt oder eben viel­leicht so­gar lügt. In Wirk­lich­keit ha­ben kind­li­che Fan­ta­sie­bil­der die­sel­be Be­deu­tung wie Wirk­lich­keits­bil­der.

Erst mit vier Jah­ren wächst lang­sam das Be­wusst­sein, dass die wirk­li­che Welt und die Fan­ta­sie­welt nicht das­sel­be sind. Man geht da­von aus, dass ein Kind mit un­ge­fähr sie­ben Jah­ren ein Ge­fühl für den Un­ter­schied zwi­schen Rea­li­tät und Fan­ta­sie ent­wi­ckelt hat.

Kind­li­che Fan­ta­si­en sind also wich­tig für Ihr Kind, um Schritt für Schritt die vie­len Er­leb­nis­se und Ein­drü­cke zu ord­nen und zu be­grei­fen. Ein Kind fan­ta­siert von Na­tur aus. Hin­dern Sie Ihr Kind also nicht dar­an, in­dem Sie es hän­seln, er­mah­nen oder ihm den Vor­wurf ma­chen, dass es lüge.

Al­ler­dings müs­sen Sie Ihr Kind auch nicht dar­in be­stär­ken, das heisst, set­zen Sie es nicht zu vie­len Rei­zen aus, wel­che es nur mit der Fan­ta­sie be­wäl­ti­gen kann (zu viel TV-Kon­sum, nicht kind­ge­rech­te Fil­me, etc.).

Hel­fen Sie Ih­rem Kind lie­ber ge­dul­dig und be­stän­dig, die Welt der Wirk­lich­keit zu ord­nen. Das kön­nen Sie am bes­ten tun, in­dem Sie Ih­rem Kind sei­ne be­stimmt un­zäh­li­gen Fra­gen nach dem War­um ge­dul­dig er­klä­ren. Un­klug wäre es, ei­ge­ne Er­klä­rungs­ver­su­che und Ängs­te des Kin­des mit Aus­sa­gen wie „lüg doch nicht“ oder „spinn doch nicht“ ab­zu­tun.

Klein­kind­li­che Wahr­neh­mung darf also nicht zu streng ge­ahn­det wer­den, denn die­se Art zu schwin­deln hat nichts mit spä­te­rem Lü­gen zu tun. Erst wenn das Kind in der Lage ist, um ge­nau zu wis­sen, dass es nicht die Wahr­heit sagt, kann man von Lü­gen spre­chen. Wie ge­sagt, Ihre Klei­ne hat wohl eine blü­hen­de Fan­ta­sie, das ist schön! Und Sie kön­nen ihr nur hel­fen, wenn Sie ihr die vie­len Sach­ver­hal­te im Le­ben er­klä­ren, ihr Ant­wor­ten ge­ben und ihr so na­dis­na hel­fen, die Welt zwi­schen Fan­ta­sie und Wirk­lich­keit zu tren­nen. 

Letzte Aktualisierung: 03.03.2020, VZ
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