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Moderner Gebärsaal
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Mehr Be­we­gung im Ge­bär­saal

Aus der For­schung


Eine ent­spann­te Um­ge­bung re­du­ziert die Not­wen­dig­keit me­di­zi­ni­scher Ein­grif­fe bei der Ge­burt. Da­her hat die Ge­stal­tung des Ge­bär­saals ei­nen nicht zu un­ter­schät­zen­den Ein­fluss auf den Ver­lauf ei­ner Ge­burt. Die­ses alte Heb­am­men­wis­sen be­stä­tig­ten Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­ty of To­ron­to in der Fach­zeit­schrift Birth. Sie er­setz­ten in ih­rer Un­ter­su­chung die Ent­bin­dungs­bet­ten zwei­er Spi­tä­ler durch Dop­pel­ma­trat­zen und eine Wohl­fühl-Um­ge­bung und be­ob­ach­te­ten, ob das zu Än­de­run­gen im Ge­burts­ver­lauf führ­te. Die Mass­nah­men hat­ten Er­folg: Nicht nur die Zu­frie­den­heit der Frau­en und ih­rer Be­treu­ungs­per­so­nen ver­bes­ser­te sich, auch die Not­wen­dig­keit für eine We­hen­sti­mu­la­ti­on mit dem Hor­mon Oxy­to­cin war deut­lich nied­ri­ger.

Für das Ex­pe­ri­ment PLACE (Pregnant and La­bou­ring in an Am­bi­ent Cli­ni­cal En­vi­ron­ment) wur­den 62 hoch­schwan­ge­re Frau­en mit ih­rem Ein­ver­ständ­nis bei der Spi­tal-Auf­nah­me per Zu­fall ent­we­der in ei­nen her­kömm­li­chen Ge­bär­saal oder in ei­nen spe­zi­ell ein­ge­rich­te­ten Raum ein­ge­wie­sen. Die­ser ent­hielt statt dem Ent­bin­dungs­bett eine Dop­pel­ma­trat­ze mit meh­re­ren gros­sen Kis­sen und auf das not­wen­di­ge Mi­ni­mum re­du­zier­te Be­leuch­tung. Da­ne­ben gab es eine gros­se Aus­wahl von Ent­span­nungs­mu­sik, Was­ser­plät­schern und an­de­ren Be­ru­hi­gungs­ele­men­te. "Die Ent­fer­nung des Ent­bin­dungs­bet­tes si­gna­li­sier­te den Frau­en, dass die­ses nicht der ein­zi­ge Ort des Ge­bä­rens ist. Frau­en soll­ten so­mit die Fä­hig­keit be­hal­ten, sich wäh­rend der We­hen frei zu be­we­gen, ei­nen en­gen Kon­takt mit den be­treu­en­den Per­so­nen zu ha­ben und da­bei Ruhe und Ver­trau­en zu ent­wi­ckeln", er­klärt Stu­di­en­lei­te­rin El­len Hod­nett, Pro­fes­so­rin für Kran­ken­pfle­ge.

Tat­säch­lich sorg­ten die Mass­nah­men da­für, dass die Frau­en wäh­rend der We­hen­zeit mo­bi­ler wa­ren. 65 Pro­zent der im ad­ap­tier­ten Raum Ge­bä­ren­den sag­ten, dass sie we­ni­ger als die Hälf­te die­ser Zeit lie­gend ver­brach­ten, im nor­ma­len Ge­bär­saal wa­ren es nur 13 Pro­zent. Oxy­to­cin wur­de um 28 Pro­zent we­ni­ger ver­ab­reicht. Die Re­ak­ti­on auf die Räum­lich­keit war über­wäl­ti­gend po­si­tiv, da die Frau­en sich über die Mög­lich­kei­ten der Mo­bi­li­tät und der Hil­fen zur Be­wäl­ti­gung der We­hen freu­ten. Sie ga­ben auch an, bes­se­re Ein­zel­be­treu­ung und Un­ter­stüt­zung von den Heb­am­men er­hal­ten zu ha­ben.

"Die­se Un­ter­su­chung hin­ter­fragt die Vor­aus­set­zun­gen für das ty­pi­sche De­sign des Ge­bär­saals", so Hod­nett. "Die Ge­burts­um­ge­bung scheint das Ver­hal­ten al­ler An­we­sen­den zu be­stim­men – so­wohl der ge­bä­ren­den Frau und des Per­so­nals als auch die des Kin­des." Da die Teil­neh­mer­zahl der Stu­die re­la­tiv klein war, soll bald die Er­gän­zung durch eine gros­se, ran­do­mi­sier­te Kon­troll­stu­die fol­gen.

Quel­le: El­len D. Hod­nett et al.: Birth, 36, 2, S.159-166, 2009

Letzte Aktualisierung: 25.03.2021, BH
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