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Gruppe Jugendlicher im Gespräch
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Die Ge­schlechts­ent­wick­lung bei Mäd­chen


Das chro­mo­so­ma­le Ge­schlecht ei­nes Kin­des wird schon bei der Be­fruch­tung der Ei­zel­le durch ein Sper­mi­um fest­ge­legt. Zwei hal­be Chro­mo­so­men­sät­ze ver­schmel­zen mit­ein­an­der, je von Va­ter und Mut­ter. Tref­fen ein X-Chro­mo­som und ein Y-Chro­mo­som auf­ein­an­der, ent­steht ein Kna­be. Tref­fen zwei X-Chro­mo­so­men auf­ein­an­der, ent­wi­ckelt sich ein Mäd­chen.

Vor der Ge­burt


In den ers­ten drei Schwan­ger­schafts­mo­na­ten wer­den alle ent­schei­den­den Struk­tu­ren zur Ge­schlechts­dif­fe­ren­zie­rung an­ge­legt. Aus den sog. Mül­ler`­schen Gän­gen bil­den sich, wenn kei­ne Hor­mo­ne aus dem em­bryo­na­len Ho­den vor­han­den sind, Ei­lei­ter, Ge­bär­mut­ter und der obe­re An­teil der Schei­de. Bis zur 12. Wo­che wer­den aus dem in­dif­fe­ren­ten Ge­ni­tal­hö­cker die weib­li­chen äu­ße­ren Ge­schlechts­merk­ma­le ge­bil­det.

Be­reits in der 5. Ent­wick­lungs­wo­che bil­den sich Ur­keim­zel­len (Ur­ei­zel­len, Oo­zy­ten) in der Wand des Dot­ter­sacks, die in der 6. Ent­wick­lungs­wo­che in die Keim­leis­te (Go­na­den-, Ge­ni­tal­leis­te) ein­wan­dern. Zeit­gleich bil­det sich das Brust­ge­we­be. In der 7. Wo­che ent­wi­ckeln sich aus der Keim­leis­te und den Keim­s­trän­gen die Ei­er­stö­cke. Sie schüt­ten das weib­li­che Ge­schlechts­hor­mon Ös­t­ra­di­ol (ein Ös­tro­gen) aus. Im wei­te­ren Ver­lauf ver­meh­ren sich die Ur­ei­zel­len und bil­den Ei­bläs­chen (Pri­mär­fol­li­kel), die sich schliess­lich in der Ei­er­stock­rin­de an­sam­meln und in den Ru­he­zu­stand über­ge­hen.

Im Säug­lings­al­ter


Der hohe müt­ter­li­che Ös­tro­gen­spie­gel in den letz­ten Schwan­ger­schafts­wo­chen wirkt über die Pla­zen­ta auf das un­ge­bo­re­ne Kind. Des­halb sind bei der Ge­burt ei­nes Mäd­chens häu­fig kör­per­li­che Merk­ma­le ent­wi­ckelt, die Ös­tro­gen-ab­hän­gig sind: Die Schleim­haut der Schei­de ist bei neu­ge­bo­re­nen Mäd­chen hoch auf­ge­baut, d. h. ei­ni­ge Mil­li­me­ter dick, und das Jung­fern­häut­chen (Hy­men) ist weich und reich an Flüs­sig­keit. Die Brust­drü­sen sind bei der Ge­burt be­reits vor­ge­bil­det und es sind so­gar ei­ni­ge ver­zweig­te, mit Epi­thel­zel­len aus­ge­klei­de­te Milch­gän­ge vor­han­den. Bei vie­len neu­ge­bo­re­nen Mäd­chen schei­det die Brust­drü­se ein mil­chi­ges Se­kret aus (He­xen­milch).

Wäh­rend des Säug­lings­al­ters wer­den ei­ge­ne Ös­tro­ge­ne in den Ei­er­stö­cken ge­bil­det. Zu die­sem Zeit­punkt kann sich Aus­fluss aus der Va­gi­na zei­gen, der mit­un­ter auch blu­tig sein kann, denn das Ge­ni­ta­le steht in die­ser Pha­se un­ter Ös­tro­gen­ein­fluss und ist ent­spre­chend stär­ker durch­blu­tet und rei­cher an Flüs­sig­keits­ein­la­ge­run­gen. Die Brust­drü­se kann leicht an­ge­schwol­len sein. An die­se „Mi­ni­pu­ber­tät“ schliesst sich eine län­ge­re hor­mo­nel­le Ru­he­pha­se an, die kurz vor der Pu­ber­tät en­det.

In der Kind­heit


Im Grund­schul­al­ter ha­ben die Kör­per­pro­por­tio­nen ei­nes Mäd­chens schon gros­se Ähn­lich­keit mit de­nen ei­ner Frau, und auch am Gang­bild kann man Kna­ben und Mäd­chen un­ter­schei­den. Wäh­rend der ge­sam­ten Kind­heit sind die weib­li­chen Ge­schlechts­or­ga­ne in Ru­he­pau­se und es fin­det kei­ne Ös­tro­gen­bil­dung statt.

Die Grös­se der Ge­bär­mut­ter bleibt un­ver­än­dert bei 2 bis 3 cm. Wa­ren bei der Ge­burt in den Ei­er­stö­cken noch 1-2 Mio. Ei­bläs­chen (Fol­li­kel) vor­han­den, sind es zum Zeit­punkt der ers­ten Mo­nats­blu­tung nur noch ca. 400 000.

In der hor­mo­nel­len Ru­he­pha­se ist die Schei­den­schleim­haut dün­ner, ver­letz­li­cher und an­fäl­li­ger für In­fek­te. Hier­bei spielt der pH-Wert der Schei­den­schleim­haut eine ent­schei­den­de Rol­le: Er ist wäh­rend der Kind­heit hö­her (phy­sio­lo­gisch neu­tra­ler Wert, pH 6,5 - 7) als im Er­wach­se­nen­al­ter, weil in der Va­gi­nal­flo­ra von Mäd­chen we­ni­ger schüt­zen­de Lak­toba­zil­len vor­kom­men. Bei Aus­fluss (Flu­or va­gi­na­lis) oder Blu­tun­gen aus der Va­gi­na muss dies me­di­zi­nisch ab­ge­klärt wer­den.

Letzte Aktualisierung: 06.09.2021, BH
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