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Babys Hand gegen Vaters Hand

Spie­le­ri­sche Sin­nes- und Be­we­gungs­an­re­gung für Ba­bies

In­ter­view mit Re­gu­la Barat­te-Brun


swiss­mom: Was be­deu­tet PE­KiP?

Re­gu­la Barat­te-Brun: PE­KiP ist die Ab­kür­zung für „Pra­ger El­tern Kind Pro­gramm“ und ba­siert auf der Idee des tsche­chi­schen Kin­der­psy­cho­lo­gen Dr. Ja­ros­lav Koch ei­ner spie­le­ri­schen Sin­nes- und Be­we­gungs­an­re­gung für Ba­bies. Er war der An­sicht, dass in un­se­rer Ge­sell­schaft den klei­nen Kin­dern eher eine pas­si­ve Rol­le zu­kommt. Da­durch, dass sie häu­fig in ih­ren Bet­ten oder Wip­pen lie­gen, be­kom­men sie we­nig Ge­le­gen­heit zur ak­ti­ven Be­we­gung. Des­halb ent­wi­ckel­te er in den 60er Jah­ren Be­we­gungs­spie­le für Müt­ter mit ih­ren Kin­dern. Sei­ne Er­kennt­nis­se wur­den in den 70er Jah­ren vom Ehe­paar Chris­ta und Hans Rup­pelt über­nom­men und er­wei­tert, in­dem sie die­se Be­we­gungs­an­re­gun­gen in Grup­pen von gleich­alt­ri­gen Kin­dern aus­führ­ten.

Zur Per­son

Regula Baratte-Brun ist PEKiP Kursleiterin, Primarlehrerin und Mutter.

swiss­mom: Ab wel­chem Al­ter kann ein Kind und sein El­tern­teil eine PE­KiP Grup­pe be­su­chen?

Re­gu­la Barat­te-Brun: PE­KiP ist für Ba­bies ab ca. 6 bis 8 Wo­chen bis zum voll­ende­ten ers­ten Le­bens­jahr.

swiss­mom: Was bie­tet PE­KiP den Ba­bies?

Re­gu­la Barat­te-Brun: Die Ba­bies sind Mit­tel­punkt des Ge­sche­hens. Wenn sie sich be­we­gen wol­len, zeigt die Kurs­lei­te­rin für je­des Kind in­di­vi­du­el­le An­re­gun­gen, wel­che dem Ent­wick­lungs­stand des Ba­bies ent­spre­chen. Sind sie aber müde, dann dür­fen sie schla­fen. Wenn die Kin­der hung­rig sind, wer­den sie ge­füt­tert bzw. ge­stillt. Die Kin­der sind wäh­rend der Grup­pen­stun­de nackt, weil sie sich so bes­ser und spon­ta­ner be­we­gen kön­nen. Da­bei wird der Raum auf min­des­tens 25 Grad Cel­si­us ge­heizt, da­mit die Ge­sund­heit der Kin­der nicht ge­fähr­det ist. Zu­dem ma­chen die Kin­der ers­te wich­ti­ge Kon­tak­te zu an­de­ren Ba­bies und de­ren El­tern. Die Kin­der in­ter­es­sie­ren sich für ein­an­der, be­ob­ach­ten und re­gen sich ge­gen­sei­tig zur Be­we­gung an. Sie ent­de­cken ihre ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten, tre­ten mit an­de­ren Kin­dern in Kon­takt. Sie hö­ren, se­hen und be-grei­fen. Sie wer­den zu Spiel­part­nern und ler­nen so von ein­an­der.

swiss­mom: Die Kin­der sind wäh­rend den Grup­pen­stun­den nackt, wie ist die Hy­gie­ne ge­währ­leis­tet?

Re­gu­la Barat­te-Brun: Fri­scher Urin ist ste­ril und für die Ge­sund­heit un­be­denk­lich. Der Urin wird ein­fach weg­ge­wischt und je nach Un­ter­la­ge wird nach­ge­r­ei­nigt. Zu­dem wer­den die Mat­ten re­gel­mäs­sig ge­putzt und des­in­fi­ziert. Dass ein Kind wäh­rend ei­ner Stun­de stuhlt ist sehr sel­ten. In die­sem Fall wird so­fort mit ei­nem Des­in­fek­ti­ons­mit­tel auf­ge­wischt.

swiss­mom: PE­KiP ist auch für die jun­gen El­tern eine sinn­vol­le Ab­wechs­lung, wes­halb?

Re­gu­la Barat­te-Brun: Die El­tern ha­ben die Mög­lich­keit, sich wäh­rend ei­ner ge­wis­sen Zeit un­ein­ge­schränkt auf ihr Kind zu kon­zen­trie­ren und sich be­wusst mit ihm ab­zu­ge­ben. Aus­ser­dem er­hal­ten sie vie­le An­re­gun­gen, wie man sich mit sei­nem Kind be­schäf­ti­gen kann. Nicht zu ver­nach­läs­si­gen ist auch, dass ge­ra­de heu­te vie­len jun­gen Müt­tern der Kon­takt zu an­de­ren Müt­tern in der­sel­ben Si­tua­ti­on fehlt. Hier­zu bie­tet PE­KiP eine Chan­ce, Leu­te re­gel­mäs­sig zu tref­fen und neue Kon­tak­te zu knüp­fen. Auch kön­nen Er­fah­run­gen aus­ge­tauscht und Pro­ble­me be­spro­chen wer­den. Die El­tern kön­nen be­wusst die Be­zie­hung zwi­schen ih­nen und ih­ren Kind er­le­ben und die Ent­wick­lung ih­res Kin­des er­le­ben. Es wird deut­lich, dass je­des Kind sei­nen ei­ge­nen Rhyth­mus hat, un­ter­schied­li­che Ver­hal­tens­wei­sen wer­den auf­ge­zeigt und wie je­des Kind sei­nen ei­ge­nen Weg ent­wi­ckelt. Auch wer­den von der Spiel­lei­te­rin ver­schie­de­ne Stim­mun­gen der Kin­der auf­ge­grif­fen. Die El­tern ler­nen so die Be­dürf­nis­se ih­rer Kin­der bes­ser wahr­zu­neh­men und die Ge­füh­le der Kin­der bes­ser zu ak­zep­tie­ren.

swiss­mom: Wie lan­ge dau­ert ein sol­ches PE­KiP Tref­fen?

Re­gu­la Barat­te-Brun: Die Tref­fen fin­den ein­mal in der Wo­che statt und dau­ern 90 Mi­nu­ten.

swiss­mom: Wo fin­de ich eine PE­KiP Grup­pe in mei­ner Nähe?

Re­gu­la Barat­te-Brun: Auf www.pe­kip.ch sind un­ter Kur­sor­te alle aus­ge­bil­de­te PE­KiP Lei­te­rin­nen auf­ge­lis­tet.

swiss­mom: Kann PE­KiP auch nach dem Kurs zu Hau­se durch­ge­führt wer­den?

Re­gu­la Barat­te-Brun: Die An­re­gun­gen wäh­rend ei­ner Stun­de sind so zu­sam­men­ge­stellt, dass man sie auch zu Hau­se mit ein­fa­chen Mit­teln nach­ma­chen kann. Aus­ser­dem gibt es ei­ni­ge gute Bü­cher über PE­KiP. 

Kon­takt­adres­se: Re­gu­la Barat­te-Brun, in­fo@barat­te.info

Letzte Aktualisierung: 03.08.2016, swissmom-Redaktion

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