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                              Säugling beim Untersuch
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                              iStock

                              Er­leb­nis­be­richt zum The­ma "Be­schnei­dung von männ­li­chen Neu­ge­bo­re­nen"


                              Jede Ge­ni­tal­be­schnei­dung nicht ur­teils­fä­hi­ger Min­der­jäh­ri­ger, die nicht der Ab­wen­dung ei­ner aku­ten und gra­vie­ren­den ge­sund­heit­li­chen Be­dro­hung dient, wel­che nicht auf an­de­rem, we­ni­ger in­va­si­vem Wege er­reicht wer­den kann, ist eine Men­schen­rechts­ver­let­zung. Alle Kin­der ver­die­nen es, mit in­tak­ten Ge­ni­ta­li­en auf­zu­wach­sen und sel­ber über ih­ren Kör­per be­stim­men zu kön­nen. Da­bei ist es egal, ob es sich um Mäd­chen, Jun­gen oder in­ter­se­xu­el­le Kin­der han­delt, an de­nen lei­der im­mer noch ge­schlechts­an­pas­sen­de Ein­grif­fe vor­ge­nom­men wer­den.

                              Ab­so­lut un­zu­läs­sig sind so­mit hy­gie­nisch, me­di­zi­nisch-pro­phy­lak­tisch, re­li­gi­ös, kul­tu­rell, tra­di­tio­nell, äs­the­tisch oder gar anti-mas­tur­ba­to­risch mo­ti­vier­te Be­schnei­dun­gen von nicht ur­teils­fä­hi­gen Min­der­jäh­ri­gen.

                              Lei­der ge­hen die­se we­sent­li­chen In­for­ma­tio­nen aus Ih­rer Web­site swiss­mom.ch nicht her­vor. Das Recht auf Selbst­be­stim­mung – zu­mal bei ir­rever­si­blen Ein­grif­fen in den be­son­ders ge­schütz­ten In­tim­be­reich, also auf se­xu­el­le Selbst­be­stim­mung – wird eben­so­we­nig er­wähnt wie die Tat­sa­che, dass es im­mer mehr Män­ner gibt, die ihr Schwei­gen bre­chen und äus­sern, sie wünsch­ten die­ser un­nö­ti­ge und fol­gen­rei­che Ein­griff in ihre Se­xua­li­tät wäre nie vor­ge­nom­men wor­den.

                              Aus An­lass der Be­schnei­dungs­de­bat­te in Deutsch­land im Jah­re 2012 führ­te das Schwei­zer On­line­ma­ga­zin 20­mi­nu­ten.ch eine Um­fra­ge mit ca. 8‘000 Teil­neh­mern durch. Über 67 % der Män­ner und 56 % der Frau­en wa­ren der Mei­nung, dass die Pra­xis der re­li­giö­sen [me­di­zi­nisch nicht-in­di­zier­ten] Ge­ni­tal­be­schnei­dung nicht ur­teils­fä­hi­ger min­der­jäh­ri­ger Jun­gen ver­bo­ten ge­hört. In­ter­es­san­ter­wei­se spra­chen sich auch ein Drit­tel der sel­ber be­schnit­te­nen Män­ner für ein Ver­bot aus und 12 % wünsch­ten sich, sie wä­ren nie be­schnit­ten wor­den [2].

                              Ich habe die mir auf­ge­zwun­ge­ne un­nö­ti­ge Be­schnei­dung Zeit mei­nes Le­bens ge­hasst, muss sie aber wie ei­nen Schick­sals­schlag ak­zep­tie­ren. Da­bei ist Ge­ni­tal­be­schnei­dung ohne strik­te me­di­zi­ni­sche In­di­ka­ti­on kei­nes­wegs Schick­sal, son­dern eine ab­sichts­voll oder zu­min­dest fahr­läs­sig bei­gebrach­te Kör­per­ver­let­zung.

                              Auf swiss­mom.ch wer­den we­der un­mit­tel­ba­re Ri­si­ken noch Lang­zeit­ri­si­ken des Ein­griffs und de­ren sta­tis­ti­sche Häu­fig­kei­ten er­wähnt. Eben­so­we­nig wird er­wähnt, dass vor al­lem die Säug­lings­be­schnei­dung auch un­ter dem As­pekt der Schmerz­be­hand­lung hoch­pro­ble­ma­tisch ist, da hier eine Voll­nar­ko­se ein enor­mes Ri­si­ko dar­stellt und die statt­des­sen meist (aber nicht im­mer) ver­ab­reich­te lo­ka­le Be­täu­bung (EMLA-Sal­be) voll­kom­men un­zu­rei­chend ist.

                              Um es ganz klar zu sa­gen: Be­schnei­dun­gen auf El­tern­wunsch sind ethisch in­ak­zep­ta­bel!

                              Die wich­ti­gen Funk­tio­nen der Vor­haut, des Fren­ul­ums und des Rid­ged Bands, die auf­grund ei­ner ähn­lich ho­hen In­ner­vie­rung wie die Lip­pen oder Fin­ger­kup­pen zu den emp­find­lichs­ten Kör­per­stel­len des Man­nes zäh­len, wer­den auf swiss­mom.ch nicht er­läu­tert. Die na­tür­li­che Ent­wick­lung der Vor­haut wird nicht kor­rekt be­schrie­ben. Eine an­sons­ten be­schwer­de­freie, nicht-re­tra­hier­ba­re Vor­haut ist bis zur Pu­ber­tät kein Grund für eine Be­schnei­dung. Die fälsch­lich auch von vie­len Ärz­ten noch ver­tre­te­ne An­sicht, dies müs­se bei Schul­ein­tritt er­le­digt sein, ist Un­sinn [3]. Das auf swiss­mom.ch er­wähn­te Bal­loo­ning (Auf­blä­hen) beim Was­ser­las­sen ist für sich ge­nom­men nicht pa­tho­lo­gisch, son­dern ein Zei­chen des nor­ma­len Ab­lö­sungs­pro­zes­ses der in­ne­ren Vor­haut von der Ei­chel (Ver­kle­bung).

                              Auch die Pfle­ge und Rei­ni­gung des kind­li­chen Pe­nis könn­te bes­ser be­schrie­ben wer­den. En­ga­gier­te ame­ri­ka­ni­sche Kin­der­recht­ler ha­ben es für ihre mit in­tak­ten männ­li­chen Ge­ni­ta­li­en im All­ge­mei­nen et­was un­er­fah­re­ne­ren Lands­leu­te kurz und gut zu­sam­men­ge­fasst: "Clean what you see, like a fin­ger, and don't re­tract!" [4]. Im üb­ri­gen fin­den schon Kin­der jede über­trie­be­ne el­ter­li­che Auf­merk­sam­keit ih­rem Ge­ni­tal­be­reich ge­gen­über als Grenz­ver­let­zung.

                              Die sehr er­folg­rei­che Be­hand­lungs­mög­lich­keit ei­ner bis zur Pu­ber­tät an­dau­ern­den Vor­haut­ver­en­gung mit Ste­ro­id-Sal­ben wird auf swiss­mom.ch er­wähnt. Auch ent­zünd­li­che Pro­zes­se oder In­fek­tio­nen sind als First-Line-The­ra­pie mit kon­ser­va­ti­ven Mit­teln zu be­han­deln und nicht durch Am­pu­ta­ti­on. Was z.B. für das Au­gen­lid und die Bin­de­haut selbst­ver­ständ­lich ist – und wel­ches Kind hat da­mit nicht ge­le­gent­lich Pro­ble­me – soll­te auch für die Vor­haut gel­ten. Dar­über hin­aus ste­hen mi­ni­mal in­va­si­ve, vor­haut­er­hal­ten­de Ope­ra­ti­ons­tech­ni­ken wie die "Trip­le In­cisi­on" zur Ver­fü­gung, die al­ler­dings nicht alle uro­lo­gi­schen Chir­ur­gen be­herr­schen, wes­we­gen sie ei­ni­ge zu Un­recht als in­ef­fek­tiv ab­tun. Soll­te eine Ope­ra­ti­on in sehr sel­te­nen Fäl­len un­um­gäng­lich sein – nach ver­nünf­ti­gen Schät­zun­gen ist dies bei 1-2% al­ler Jun­gen der Fall –, dann kann dies fast im­mer in ei­nem Al­ter ge­sche­hen, in dem der Jun­ge selbst mit­be­stim­men kann, wie der Ein­griff ge­nau aus­ge­führt wird.

                              Die recht­li­che Si­tua­ti­on in der Schweiz heu­te ent­spricht in etwa der­je­ni­gen in Deutsch­land vor dem Er­lass des (mut­mass­lich ver­fas­sungs­wid­ri­gen) Be­schnei­dungs­pa­ra­gra­phen 1631d im Jah­re 2012: Ge­ni­tal­be­schnei­dung von nicht ur­teils­fä­hi­gen Kna­ben ohne me­di­zi­ni­sche In­di­ka­ti­on ist wohl ver­bo­ten, wird aber bis­lang nicht straf­recht­lich ver­folgt – es wird also schlicht „weg­ge­se­hen“ [5-7].

                              Prof. Dr. Ma­ri­an­ne Schwan­der zieht in ih­rer Er­ör­te­rung der Kna­ben­be­schnei­dung aus recht­li­cher Sicht fol­gen­des Fa­zit [7]: Min­der­jäh­ri­ge Kna­ben ha­ben das Recht auf den Schutz ih­rer kör­per­li­chen und geis­ti­gen Un­ver­sehrt­heit und sind Trä­ger die­ses höchst­per­sön­li­chen Rechts. Im Be­reich der ab­so­lu­ten höchst­per­sön­li­chen Rech­te kön­nen die sor­ge­be­rech­tig­ten El­tern im Na­men von ur­teils­un­fä­hi­gen Min­der­jäh­ri­gen kei­ne Rech­te aus­üben, im Ge­gen­satz zum Be­reich der re­la­ti­ven höchst­per­sön­li­chen Rech­te, hier kön­nen sie an Stel­le des noch ur­teils­un­fä­hi­gen Kna­ben han­deln, sie kön­nen ins­be­son­de­re die Zu­stim­mung zu den me­di­zi­nisch in­di­zier­ten Ein­grif­fen er­tei­len. In me­di­zi­nisch nicht in­di­zier­te Ein­grif­fe kön­nen sie da­ge­gen nicht ein­wil­li­gen. Die Kna­ben­be­schnei­dung aus re­li­giö­sen Grün­den ist eine me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung, die nach den me­di­zi­nisch-ethi­schen Grund­sät­zen nicht in­di­ziert ist und für wel­che eine zeit­li­che Dring­lich­keit nicht be­steht. Zu­dem ist sie ir­rever­si­bel.
                              Al­lein der ur­teils­fä­hi­ge Kna­be kann da­her in eine Be­schnei­dung aus re­li­giö­sen [nicht-me­di­zi­ni­schen] Grün­den ein­wil­li­gen.

                              Alle El­tern in der Schweiz soll­ten über die­se recht­li­che Si­tua­ti­on Be­scheid wis­sen!

                              Ich habe mei­nen El­tern den gra­vie­ren­den Feh­ler ver­zei­hen kön­nen, da ich weiss, dass sie vor 40 Jah­ren vom Haus­arzt und dem ope­rie­ren­den Uro­lo­gen falsch in­for­miert wur­den und es ein­fach nicht bes­ser wuss­ten. Dank des In­ter­nets ha­ben El­tern aber heu­te we­sent­lich bes­se­re Mög­lich­kei­ten, sich kor­rekt zu in­for­mie­ren. Da dies ge­nau­so für die her­an­wach­sen­den Jun­gen gilt, wird es künf­tig nicht mehr so leicht sein, den El­tern eine Fehl­ent­schei­dung auf­grund man­geln­der Kennt­nis­se zu ent­schul­di­gen.

                              (Name des Au­tors ist der Re­dak­ti­on be­kannt)

                              Li­te­ra­tur:


                              [1] Sym­po­si­um: Ge­ni­ta­le Au­to­no­mie, 6.Mai 2014, Uni­ver­si­tät zu Köln. Alle Vor­trä­ge un­ter you tube.
                              [2] 20­mi­nu­ten On­line (2012): Ban re­li­gious cir­cumcisi­on Eine Um­fra­ge mit ca. 8000 Teil­neh­mern in der Schweiz. On­line ver­füg­bar, zu­letzt ak­tua­li­siert am 31.07.2012.
                              [3] Die nor­ma­le Ent­wick­lung der Vor­haut von der Ge­burt bis zum 18. Le­bens­jahr
                              Hier fin­den Sie Aus­zü­ge aus ei­ner Viel­zahl neue­rer Stu­di­en, die den Un­fug, dass eine kind­li­che Vor­haut bei Schul­ein­tritt re­tra­hier­bar sein soll, klar wi­der­le­gen.
                              [4] Dr. Mom­ma: Peace­ful Pa­ren­ting (Web­site). Hier ins­be­son­de­re: How to care for your in­tact son
                              [5] Küch­ler, Mar­cel (2012): Das Be­schnei­dungs-Ur­teil des Land­ge­richts Köln und sei­ne Be­deu­tung für die Schweiz. On­line ver­füg­bar
                              [6] Gi­ger, Bea­tri­ce (2012): "Be­schnei­dung von Kna­ben ist Ge­ni­tal­ver­stüm­me­lung". Marc Al­le­mann im In­ter­view mit der Uz­ner Staats­an­wäl­tin Bea­tri­ce Gi­ger. In: Süd­ost­schweiz - Aus­ga­be Grau­bün­den, 16.08.2012. On­line ver­füg­bar
                              [7] Schwan­der, Ma­ri­an­ne (2014): Kna­ben­be­schnei­dung. Eine Er­ör­te­rung aus recht­li­cher Sicht. Ber­ner Fach­hoch­schu­le, Fach­be­reich So­zia­le Ar­beit, Bern. On­line ver­füg­bar

                              Letzte Aktualisierung: 04.11.2019, swissmom-Redaktion

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