Mutters Stimme hilft im Brutkasten

Frühgeborene sind aufgrund ihrer Unterentwicklung in der Kindheit einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Ihr autonomes Nervensystem ist noch nicht ausgereift und die Fähigkeit zur Selbstregulation ist ebenfalls begrenzt. So entwickeln sie oft Atmungsprobleme mit Kurzatmigkeit, Asthma und Atemstillstand, auch ein unregelmässiger Herzschlag kommt deutlich öfter vor als termingerecht geborenen Babys. Das Risiko steigt noch zusätzlich, wenn die frühe Geburt per Kaiserschnitt durchgeführt wird.

Brutkästen können Frühgeborenen zwar sehr erfolgreich das Leben retten, doch mit dem Mutterleib, wo ideale Entwicklung stattfindet, sind sie dennoch nicht vergleichbar. Die Rolle der Eltern auf der Intensivstation, z.B. bei der Ernährung und dem "Känguruhen", ist nicht zu unterschätzen. Auch kann man offensichtlich die Entwicklung der Frühgeborenen durch Beschallung des Inkubators fördern. Forschern des Brigham And Women's Hospital in Boston/USA zufolge schützen der Herzschlag und die Stimme der Mutter Frühchen vor Problemen von Herz und Lunge.

In der jetzt veröffentlichten Studie spielte man 14 Säuglingen, die zwischen der 26. und 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, vier mal täglich Tonaufnahmen vom Herzschlag und der Stimme der eigenen Mutter vor. Möglich war dies durch ein speziell entwickeltes Audio-System für den Brutkasten. In der restlichen Zeit waren sie den normalen Geräuschen der Intensivstation ausgesetzt.

Auch wenn die Untersuchung nur an einer kleinen Gruppe von Frühchen durchgeführt wurde, waren die Ergebnisse sehr vielversprechend, wie die Forschergruppe um Amir Lahav berichtet: Atmung und Herzfunktion der kleinen Patienten besserten sich deutlich. Besonders sichtbar wurde dieser Effekt ab der 33. Woche.  Zu dieser Zeit funktionieren auch die für das Hören zuständigen Bereiche des Gehirns. "Die mütterlichen Geräusche helfen somit dem frühgeborenen Kind kurzfristig in seiner Entwicklung", erklärt der Studienleiter. Die langfristigen Folgen werden nun in einer weiteren Studie erforscht.

Quelle: L. Doheny et al.: The Journal of Maternal-Fetal and Neonatal Medicine, 2012; 1–4, Early Online

Stand: 5/12, BH