Hyposensibilisierung
Kind | Behandlung | Chronische Erkrankungen

Hyposensibilisierung bei Kindern

Bei einer Allergie reagiert das Abwehrsystem überschiessend auf bestimmte Allergieauslöser (= Allergene). Medikamente zeigen nicht immer die erwünschte Wirkung. Eine rechtzeitige Hyposensibilisierung – auch fälschlich „Heuschnupfenimpfung“ genannt, richtig: spezifische Immuntherapie (SIT) oder auch Allergen-Immuntherapie - kann dagegen die allergischen Beschwerden lindern, den Medikamentenverbrauch einschränken und auch das Risiko für Folgeerkrankungen wie Bronchialasthma reduzieren. Das ist besonders für Kinder wichtig.

Mit der Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung wird dem Körper wiederholt ein Allergieauslöser in steigender Dosierung zugeführt, bis diese überschiessende Immunreaktion nicht mehr eintritt und das Abwehrsystem den Allergieauslöser toleriert. Die Hyposensibilisierung setzt so bei den Ursachen der Allergieentstehung an.

Sinnvoll ist sie unter folgenden Voraussetzungen:

  • Es muss sich um eine IgE-vermittelte Allergie vom Soforttyp (also z.B. Heuschnupfen, allergisches Asthma bronchiale, Insektengiftallergie) handeln.
  • Der Auslöser muss durch Allergietestung eindeutig identifiziert sein.
  • Eine Meidung des Allergieauslösers ist nicht oder nicht ausreichend möglich.
  • Eine nachgewiesen wirksame Therapie steht nicht zur Verfügung.
  • Die Behandlung muss über mehrere Jahre konsequent durchführbar sein.
  • Das Kind sollte mindestens 5-6 Jahre alt sein (Ausnahme: bedrohliche Insektengiftallergien).

Die Hyposensibilisierungsbehandlung ist im Kindes- und Jugendalter besonders erfolgversprechend. Das hat verschiedene Gründe, vor allem aber ist das Abwehrsystem bei Kindern noch besonders lern-, also auch veränderungsfähig. Auch hat man es meist nur mit einem und nicht bereits mit einer Vielzahl von Allergieauslösern zu tun.

Bei Pollenallergien kann die spezifische Immuntherapie entweder das ganze Jahr hindurch oder auch nur ausserhalb der Pollensaison durchgeführt werden. Bei Milben-, Tierhaar- und Insektengiftallergien wird grundsätzlich ganzjährig behandelt. Die Hyposensibilisierung bei Insektengiftallergie wird meist als Schnellhyposensibilisierung mit rascher Dosissteigerung innerhalb weniger Tage bis zur Erhaltungsdosis begonnen. Dies muss allerdings unter stationären Bedingungen im Krankenhaus geschehen. Die Fortführung der Injektionsbehandlung kann dann ambulant erfolgen.

Die am häufigsten angewendete und wirksamste Form der Hyposensibilisierung ist die sogenannte subcutane Immuntherapie (SCIT). Hierbei wird das Allergen in der Regel anfangs meist wöchentlich, später monatlich über einen Zeitraum von drei (zum Teil auch bis zu fünf) Jahren am Oberarm unter die Haut gespritzt. Geringe Schwellungen an der Einstichstelle sind eine recht häufige Begleiterscheinung. Bei starken örtlichen Schwellungen wird die Nachbeobachtungszeit von mindestens 30 Minuten in der Praxis verlängert, eine örtliche Kühlung durchgeführt und ein Antihistaminikum oder evtl. ein Kortisonpräparat verabreicht. In seltenen Fällen (bei weniger als jeder 1000sten Spritze) können Allgemeinreaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag, Unwohlsein oder Husten, manchmal auch Atemnot, Herzklopfen oder Schwindel auftreten.

Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) wird das Allergen täglich in Tropfenform oder als Tablette unter die Zunge gebracht. Die erste Dosis muss unter Beobachtung in der Arztpraxis verabreicht werden. Bis zum Jahre 2009 konnte für die sublinguale Immunterapie (SLIT) im Kindesalter keine überzeugende Wirksamkeit gezeigt werden. Inzwischen liegen zwei Studien mit Gräsertabletten bei Kindern mit Heuschnupfen vor, welche eine deutliche Verminderung der Symptome und des Medikamentenverbrauchs gezeigt haben. Die Daten der nächsten Jahre werden aber noch zeigen müssen, wie lange die Wirkung der SLIT anhält, wie gut sie bei Asthma wirkt, ob sie auch die Entstehung neuer Allergien vermindern kann und wie viele Kinder überhaupt über drei Jahre hinweg täglich diese Therapie konsequent durchhalten. Die SLIT wid bei Kindern daher nur mit Präparaten mit nachgewiesener Wirksamkeit empfohlen, wenn eine subcutane Immuntherapie nicht in Frage kommt. Als Nebenwirkung gibt es häufig Jucken und Schwellungen im Mund, selten Allgemeinreaktionen wie bei der SCIT.

Grundsätzlich sollten am Tage der Hyposensibilisierung starke körperliche Belastungen vermieden werden. Stehen Schutzimpfungen an, genügt ein Abstand von 1 bis 2 Wochen zwischen Schutzimpfung und Hyposensibilisierungsspritze.

Die Erfolgsrate der Hyposensibilisierung ist am höchsten (über 90%) bei Insektengiftallergien mit bedrohlichen Symptomen. Bei Pollenallergie (z.B. Allergie gegen Gräser- oder Birkenpollen etc.) ist eine Symptombesserung in bis über 80% der Fälle zu erwarten.

Der Langzeiteffekt der SCIT gegen Pollen ist bisher über einen Zeitraum von 12 Jahren belegt.

Quelle: www.aha.ch

www.kispi.uzh.ch (Universitäts-Kinderspital Zürich)

Newsticker

Saubere Hände | 14.10.2017

Desinfektionssprays, Hygienetücher und antibakterielle Gels werden überall beworben und verkauft. Doch wie sinnvoll sind die Hygieneprodukte für den Verbraucher? Ärzte und Hygiene-Experten sehen den zunehmenden Hausgebrauch skeptisch. Nur in Ausnahmefällen seien sie im Privathaushalt sinnvoll und notwendig, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden. Im Klartext bedeutet das: Seife und Wasser reichten für den Alltagsgebrauch aus und ein bisschen Dreck schadet nicht. In bestimmten Fällen können die Inhaltsstoffe in Desinfektionsmitteln sogar eine Gefahr für die Gesundheit werden, z.B. bei empfindlichen Menschen mit einer Neigung zu Allergien und Ekzemen. Ein weiteres Problem: Mikroorganismen können Toleranzen gegen Wirkstoffe bilden, wenn sie diesen in nicht tödlichen Konzentrationen ausgesetzt werden, sogenannte Resistenzen. Dadurch wird die Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika gefördert, die im Ernstfall ihre Wirkung nicht entfalten können.

Newsticker

Weniger Allergien ohne Spülmaschine: In Haushalten, in denen das Geschirr noch mit der Hand abgewaschen wird, leiden sieben- bis achtjährige Kinder seltener an atopischen Erkrankungen. Zu diesem Ergebnis kam eine schwedische Studie, die 1029 Kinder und verschiedene Faktoren rund um Küche und Ernährung untersuchte. 23% der Kinder aus Haushalten ohne Spülmaschine litten unter Ekzemen, mit GWM lag die Quote bei 38%. Entsprechendes zeigte sich auch beim Asthma (1,7% vs. 7,3%) sowie weniger stark beim Heuschnupfen (10,3% vs. 12,9%). Mit fermentierter Nahrung sowie Produkten direkt vom Bauern, sank das Risiko weiter. Der Hygienehypothese zufolge stimulieren möglichst viele und verschiedenartige Keime das kindliche Immunsystem. (swissmom Newsticker 16.4.15)

Hausstauballergie: Milbendichte Matratzenbezüge, sogenannte Encasings, sollen eine Hausstauballergie lindern, indem sie die Milben innerhalb von Textilien einsperren. Forscher der Tulane University in New Orleans prüften jetzt, ob diese Aussage tatsächlich haltbar ist. Sie analysierten 24 Studien, die sich mit der Prävention von Hausstaubmilbenallergie beschäftigten und dabei auch die Effektivität der milbendichten Matratzenbezüge prüften. Das Resultat war ernüchternd: Die Metaanalyse ergab, dass die vergleichsweise teuren Encasings, die Milben und ihre Exkremente in der Matratze einsperren sollen, keinen Effekt auf die Beschwerden durch Hausstauballergie hatten. (swissmom Newsticker, 20.8.15)

Letzte Aktualisierung : 05-04-18, BH

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