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Arzneimittel für Kinder

Kinder machen bis zum Schulalter pro Jahr etwa zehn bis zwölf Atemwegsinfekte durch. Das ist völlig normal und stärkt letztlich die Abwehrkräfte. Solche Infekte sollten auch nicht unbedingt mit Medikamenten unterdrückt werden, denn Husten, Schnupfen & Co. trainieren das Immunsystem. Das fällt Eltern oft schwer, besonders wenn sich das Kind bei einer Erkältung nachts die Seele aus dem Leib hustet oder hohes Fieber hat. Es ist aber oft sinnvoller, ein Kind mit Husten viel trinken zu lassen, damit sich der Bronchialschleim lösen kann. Gegen Fieber wirken oft auch Wadenwickel. Ausserdem fördern Ruhe und Schlaf die Genesung. Wenn Ihr Kind nicht im Bett bleiben möchte, hilft schon ein ruhiger Tagesablauf.

Bei vielen Beschwerden und Erkrankungen sind Medikamente für Kinder allerdings hilfreich und wichtig – vor allem wenn sie durch chronische und entzündliche Krankheiten ausgelöst werden. Kleinkinder bekommen Medikamente am besten als Saft, Tropfen oder Zäpfchen, zur Not auch als zerstückelte Tablette oder geöffnete Kapsel zum besseren Schlucken. Einige Medikamente dürfen durchaus mit Saft, Tee oder Wasser vermischt werden, um den Medizin-Geschmack zu überdecken. Milch, Milchprodukte oder Muttermilch sind allerdings tabu: Wird das Medikament damit eingenommen, kann es sein, dass sich die Wirkung im Körper abschwächt oder verstärkt. Den flüssigen Fertigmitteln sind meist schon für Kinder angenehme Geschmacksstoffe zugesetzt. Fragen Sie den Kinderarzt nach den Möglichkeiten.

Das Kind sollte sich voll und ganz auf die Einnahme konzentrieren können. Läuft nebenher der Fernseher, ist das Kind schnell abgelenkt und verschluckt sich leicht. Um das zu vermeiden, sollte das Kind nicht liegen, sondern den Oberkörper aufgerichtet haben.

Ohren- und Nasentropfen sind angenehmer, wenn sie in der Hand vorgewärmt werden. Augentropfen lassen sich bei geschlossenen Augen viel leichter verabreichen: Gibt man die Tropfen bei geschlossenen Augen in den Innenwinkel, fliessen sie nach dem Augenöffnen automatisch an die richtige Stelle. Wichtig ist nur, dass der kleine Patient nicht gerade mit dem Kopf wackelt. Um das zu verhindern, sollte der Sohn oder die Tochter auf dem Rücken liegen und Mama oder Papa legen eine Hand auf die Stirn. Die Flüssigkeit sollte dann in den inneren, der Nase zugewandten Augenwinkel getropft werden, sie fliesst automatisch ins Auge, sobald das Kind die Augen wieder öffnet.

Zäpfchen gleiten besser, wenn sie handwarm sind und mit etwas Wasser abgespült wurden. Cremes oder Öle zum Einführen sind in der Regel weniger geeignet, da sie die Aufnahme des Wirkstoffs beeinträchtigen können. Vaseline kann allerdings benutzt werden.

Achten Sie darauf, dass das Kind genau die verschriebene Menge des Arzneimittels bekommt – nicht mehr oder weniger. Säfte und andere Flüssigkeiten mit stark wirksamen Inhaltsstoffen sollten auf keinen Fall mit Tee- oder Esslöffeln abgemessen werden. Auch kleine Dosierbecher oder -löffel sind oft zu ungenau. Am besten geeignet sind Dosierspritzen, mit denen Eltern und Pflegekräfte auch kleine Mengen genau abmessen können. Diese Hilfsmittel gibt es in jeder Apotheke.

Spuckt Ihr Kind einen Grossteil des in den Mund gegebenen Saftes oder der Tropfen wieder aus oder erbricht es sich innerhalb der ersten Stunde nach Medikamenteneinnahme, müssen Sie die Dosis noch einmal geben. Das gleiche gilt bei Durchfall / Stuhlgang in der ersten Stunde nach der Gabe eines Zäpfchens.

Säuglingen und Kleinkindern sollte man niemals eigenmächtig Medikamente verabreichen oder die Dosierung verschriebener Medikamente ändern. Schon eine einfache Kopfschmerztablette kann ernste Nebenwirkungen hervorrufen. Selbst harmlose Medikamente können ein schwerwiegendes Krankheitsbild überdecken, sodass die richtige Behandlung verzögert wird.

Wichtig: Tabletten oder Pillen sind keine Bonbons, Medizin ist kein Saft! Deshalb sollten Eltern sie auch nicht so bezeichnen. Kinder könnten sonst mehr davon haben wollen bzw. die Medikamente mit echten Bonbons verwechseln. Selbstverständlich sollte sein, Arzneimittel im Haushalt immer von Alltagsprodukten wie beispielsweise Kosmetika getrennt aufzubewahren. Am besten ist ein verschliessbarer Schrank, den Kinder nicht öffnen können. Diese Vorsichtsmassnahme gilt genauso für den Haushalt der Grosseltern. Liegen dort Pillen auf der Fensterbank herum, könnten Kinder sie aus Versehen schlucken und sich vergiften.

Ein grosses Problem ist immer noch, dass viele Arzneimittel, die bei Kindern eingesetzt werden, nicht ausreichend an Kindern geprüft und deshalb auch nicht ausdrücklich für Kinder zugelassen sind. Die geeignete, das heisst zugleich wirksame und sichere Dosierung ist häufig nicht bekannt. Die in einem Medikament enthaltenen Substanzen werden bei Kindern häufig ganz anders aufgenommen und umgesetzt wie bei einem Erwachsenen oder enthalten manchmal Alkohol. Kinder brauchen Arzneimittel, die an das geringe Körpergewicht und andere Besonderheiten des kindlichen Organismus angepasst sind. Da industriell hergestellte Medikamente meist nicht in allen benötigten Dosierungen verfügbar sind, sind vom Apotheker individuell angefertigte Rezepturen in der Kinderheilkunde hilfreich. 

Sprechen Sie deshalb immer mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Ihrem Kind ein Medikament geben – gerade, wenn es „selbstverordnete“ und scheinbar harmlose Präparate sind.

Quelle: dgk "Das gesunde Kind"

Linksammlung "Kindermedizin"


Häufige Frage zum Thema

Wie gebe ich meinem Kind am besten ein Fieberzäpfchen?


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Jede zweite Dosierung falsch | 02.05.2016

Arzneimittel für Kinder werden häufig nicht richtig gegeben. Klassische Situation: Das für das kranke Kind verschriebene Antibiotikum muss von den Eltern in den meisten Fällen erst mit Wasser vermischt und aufgelöst werden. In jedem zweiten Fall läuft das schief. So wurde beispielsweise das Wasser nicht bis zur richtigen Markierung aufgefüllt, nicht genügend geschüttelt, sodass die Suspension klumpig blieb, und nicht ausreichend lang bis zum Absetzen des Schaumes gewartet. Die Folge sind Unter- oder Überdosierungen, was den Therapieerfolg in Frage stellt. Ausserdem kann jeder zweite Erwachsene nicht richtig mit dem Dosierlöffel umgehen, wie eine französisch-schweizerische Studie ergab. Die meisten davon nahmen irrtümlich an, die 2,5-ml-Markierung im Löffel stelle die Marke für die 5-ml-Dosis dar. Weniger Probleme bereitete offenbar die Dosierspritze, hier lag die Fehlerquote bei 10%.

Newsticker

Rein pflanzlich = ungefährlich? Eltern sollten sich sehr genau  informieren, wenn sie ihrem Kind pflanzliche Mittel geben wollen. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und unerwünschte Nebenwirkungen sind oft bei Kindern gar nicht untersucht. Bestimmte Substanzen können vor allem bei kleinen Kindern wie Gift wirken. Insbesondere vor einer Operation ist Vorsicht angesagt. Es kann sein, dass der Wirkstoff mehrere Wochen vorher abgesetzt werden muss, weil es sonst zu erhöhtem Puls und Blutdruck, Unregelmässigkeiten im Herzschlag, Blutungen oder Narkoseproblemen kommen kann. (swissmom Newsticker 28.6.2013)

Weniger ist mehr? Falsch! 10 bis 15 Prozent aller Eltern geben ihren Kindern Medikamente in zu geringer Dosis, wie eine Studie an 17.000 Kindern in Deutschland ergab. Sie wollten ihren Nachwuchs damit möglichst wenig schädigen oder vor Nebenwirkungen schützen. Erreicht wird damit aber das genaue Gegenteil. Bei zu niedriger Dosierungen bleibt die Wirkung oft aus. Und unerwünschte Nebenwirkungen treten auch unabhängig von der Dosis auf. Besonders bedenklich ist dies bei Antibiotika. Zu häufig und zu niedrig dosiert, werden Resistenzen gefördert. Dadurch besteht die Gefahr, dass langfristig wirksame Antibiotika-Therapien künftig nicht mehr zur Verfügung stünden. (swissmom-Newsticker, 11.11.2013

Letzte Aktualisierung : 04-05-16, BH

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