Kinder und digitale Medien

Wie umgehen mit Smartphone, Tablet & Co.?

Digitale Medien, also elektronische Medien, die mit digitalen Codes arbeiten, sind in unserem Leben allgegenwärtig. Die Meinungen, ob und in welchem Umfang Vorschulkinder damit in Berührung kommen sollen, gehen weit auseinander. Während der eine Experte dafür plädiert, Kinder möglichst lange von Computern fernzuhalten, mahnt der andere, die Kleinen könnten den Anschluss verpassen, wenn sie nicht frühzeitig lernen, wie man die Geräte bedient. Solche Grundsatzdebatten unter Experten sind zwar spannend, im Familienalltag, wo die Geräte meist ohnehin vorhanden sind, stellen sich jedoch ganz andere Fragen. Im Folgenden einige Denkanstösse für Eltern, die sich damit auseinandersetzen, welchen Stellenwert Tablet, Smartphone & Co. in ihrer Familie einnehmen sollen:

Beachten Sie!

Interviews

Bo Reichlin: Gemeinsam digitale Medien entdecken

Philippe Wampfler: Souveräner unterwegs im Netz

Dr. phil. Eveline Hipeli: Medienerziehung

Gastbeitrag

Caroline Hafner: Digitale Medien in Schule und Kindergarten

Der Realität ins Auge sehen

Digitale Medien sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens geworden, ob uns dies nun passt oder nicht. Eltern können also nicht verhindern, dass ihre Kinder früher oder später damit in Berührung kommen. Sie können aber sehr viel dazu beitragen, dass ihre Kinder einen gesunden Umgang mit den Geräten finden.

Gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen

Die Welt der digitalen Medien ist riesig, spannend und bunt, aber auch ganz schön unverständlich und überfordernd für kleine Kinder. Um sich darin zurechtzufinden, brauchen sie deshalb Erwachsene, die sich in dieser Welt auskennen und die sie auf ihren Entdeckungstouren begleiten. Konkret bedeutet dies, dass Eltern die heruntergeladenen Inhalte gemeinsam mit dem Kind anschauen, um Fragen zu beantworten und Erklärungen abzugeben. Wichtig ist auch die sogenannte Anschlusskommunikation, also das Reden darüber, was das Kind beim Spielen erlebt hat, ob es positive Gefühle oder vielleicht auch Ängste empfunden hat und wie es das Gesehene einordnen soll. 

Eine gute Auswahl treffen

Das Angebot in den App-Stores ist riesig, Kinderzeitschriften und Spielsachen kommen kaum noch ohne begleitendes digitales Angebot aus. Allerdings ist längst nicht alles, was für Kinder bestimmt ist, auch wirklich kindergerecht aufbereitet. Eltern kommen also nicht umhin, die Zeit zu investieren, um gezielt auszuwählen, womit sich ihr Kind beschäftigen soll. Lesen Sie hier, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten. 

Keine getrennten Welten

Hier die Alltagswelt mit ihren vielfältigen Sinneserfahrungen, dort die künstliche Welt mit dem starren Blick auf den Bildschirm - genau so sollte es nicht sein. Am wertvollsten sind Apps, die in einem direkten Zusammenhang zur Lebenswelt des Kindes stehen. Also zum Beispiel ein Spiel, das an ein Bilderbuch anknüpft, das man dem Kind vorgelesen hat. Oder eine Wissens-App, die Anleitungen für spannende Experimente liefert. Oder eine Stop-Motion-App, mit der die Kinder kleine Filme, in denen z. B. Lego-Figuren die Hauptrolle spielen, drehen können. 

Echte Abenteuer 

Auf die richtige Mischung kommt es an: Die Natur entdecken, mit Papa oder Mama einen Kuchen backen, grossflächige Bilder malen, in Rollenspiele eintauchen, im Sand buddeln, mit Knete modellieren und ab und zu auch mal ein unterhaltsames Game am Tablet spielen. Wenn die zwanzig Minuten "Mine Craft" das spannendste Erlebnis des Tages sind, ist es kaum verwunderlich, dass das Kind das Gerät nicht mehr hergeben will, wenn die Spielzeit um ist. 

Keine überzogenen Erwartungen

Kleine Kinder lernen die Welt durch eine Vielzahl von Sinneserfahrungen kennen. Auch die beste, pädagogisch wertvolle App kann diese Erfahrungen nicht ersetzen. Wer also erwartet, sein Kind werde mit einem schulischen Vorsprung belohnt, wenn es nur die richtigen Spiele spielt, wird leider enttäuscht werden. 

Weder Babysitter...

Im herausfordernden Alltag ist die Versuchung zuweilen gross, dem Kind das Tablet in die Hände zu drücken, um es eine Weile zu beschäftigen. Wie oben erwähnt ist es aber kaum ratsam, kleine Kinder in den Weiten der digitalen Welt sich selbst zu überlassen. Will man dennoch auf einer langen Autofahrt die Langeweile mithilfe des Tablets vertreiben, greift man am besten auf Apps zurück, die Kind und Eltern bereits gemeinsam entdeckt haben. 

...noch Erziehungsmittel

Ähnlich wie der Fernseher taugen auch digitale Medien nicht als Druck- oder Erziehungsmittel. Werden Smartphone und Tablet für Belohnungen und Bestrafungen eingesetzt, erhalten sie in den Augen des Kindes einen erhöhten Stellenwert, es dreht sich alles nur noch um die Frage, ob man die versprochene Spielzeit auch wirklich bekommt. 

Eltern sind Vorbilder

Kinder lernen, was sie bei ihren Eltern sehen. Wendet sich die Mama sofort dem Smartphone zu, wenn eine Nachricht eingeht, signalisiert sie damit ihrem Kind, dass das Gerät Vorrang hat. Nutzt der Papa jede sich bietende Gelegenheit, um kurz seine Nachrichten oder die aktuellen Sportresultate zu checken, lernt das Kind die digitalen Medien als stets verfügbaren Lückenbüsser kennen. Eltern tun also gut daran, ihren eigenen Umgang mit digitalen Medien kritisch zu reflektieren und schlechte Gewohnheiten abzulegen. 

Newsticker

Kurzsichtigkeit nimmt zu: Ganze Schulklassen voller Brillenträger? Augenärzte rechnen mit einem weltweiten deutlichen Anstieg von Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern. In China sind in manchen Regionen schon bis zu 90 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen kurzsichtig. Die Gründe sind vermutlich die vermehrte Nutzung von Smartphones und iPads, verbunden mit intensivem Lernverhalten in Räumen, die wenig Tageslicht bieten. Untersuchungen belegen, dass mindestens zwei Stunden Aufenthalt im Freien pro Tag einer Kurzsichtigkeit entgegenwirken kann. Eltern sollten die Online-Nutzung ihrer Kinder deshalb dosieren. Mehr Spielplatz, weniger Smartphone, so die Meinung der Experten. (swissmom Newsticker, 13.10.2015)

Umgang mit digitalen Medien