Anzeige
Mutter hilft ihrem Sohn bei den Hausaufgaben
©
iStock

Früh­ge­burt ist die häu­figs­te Ur­sa­che für In­tel­li­genz­de­fek­te


Die Pe­ri­na­tal­me­di­zin hat in den letz­ten Jahr­zehn­ten die Über­le­bens­chan­cen von Früh­ge­bo­re­nen deut­lich ver­bes­sert. Der Preis ist al­ler­dings eine hö­he­re Rate von Kin­dern mit geis­ti­gem Han­di­cap. Eine Pu­bli­ka­ti­on im re­nom­mier­ten Fach­jour­nal JAMA schätzt, dass Früh­ge­bur­ten in den USA heu­te für 10 bis 15 % al­ler Fäl­le von in­tel­lek­tu­el­len Be­hin­de­run­gen ver­ant­wort­lich sind.

Die Schät­zung von Pro­fes­sor Jef­frey Brosco von der Mil­ler School of Me­di­ci­ne in Mia­mi stützt sich zum ei­nen auf die Häu­fig­keit von Früh­ge­bur­ten, die in den USA zu­letzt bei 8,18 Pro­zent lag. Zum an­de­ren hat der Kin­der­arzt und Me­di­zin­his­to­ri­ker eine Rei­he von epi­de­mio­lo­gi­schen Stu­di­en der letz­ten Jahr­zehn­te über die Ent­wick­lung von zu früh ge­bo­re­nen Kin­dern be­rück­sich­tigt. Als Früh­ge­burt wur­den alle Kin­der mit ei­nem Ge­burts­ge­wicht un­ter 2.500 Gramm ge­wer­tet. Eine in­tel­lek­tu­el­le Be­hin­de­rung wur­de de­fi­niert als ein In­tel­li­genz­quo­ti­ent (IQ), der zwei Stan­dard­ab­wei­chun­gen un­ter dem Durch­schnitt lag.

In ei­ner Ta­bel­le lis­tet Brosco die häu­figs­ten Ur­sa­chen für in­tel­lek­tu­el­le Be­hin­de­run­gen auf. Auf die Früh­ge­bur­ten mit ca. 10 – 15 % fol­gen an zwei­ter Stel­le Ge­burts­kom­pli­ka­tio­nen, die Durch­blu­tung und Sauer­stoff­auf­nah­me der Kin­der be­ein­träch­tig­ten, mit 4 – 5 %. An drit­ter Stel­le steht die Hirn­haut­ent­zün­dung (Me­nin­gi­tis), die für 2 % al­ler Fäl­le von in­tel­lek­tu­el­ler Be­hin­de­rung ver­ant­wort­lich sein könn­te.

Von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung sind heu­te an­ge­bo­re­ne Rö­teln, Rhe­sus-Un­ver­träg­lich­keit und Gelb­sucht (Hy­per­bi­li­ru­bin­ämie) oder die fast in Ver­ges­sen­heit ge­ra­te­ne an­ge­bo­re­ne Sy­phi­lis. Die­se Ur­sa­chen wa­ren in der Nach­kriegs­zeit noch für 16 Pro­zent al­ler geis­ti­gen Be­hin­de­run­gen ver­ant­wort­lich, bis An­ti­bio­ti­ka (Sy­phi­lis), Imp­fun­gen (Rö­teln) und die Be­hand­lung mit An­ti­kör­pern (Rh-In­kom­pa­ti­bi­li­tä­ten) ein­ge­führt wur­den.

Ähn­li­che Mass­nah­men müss­ten heu­te ge­gen die hohe Rate von Früh­ge­bur­ten ge­fun­den und um­ge­setzt wer­den, for­dert Brosco. Vor­ran­gig soll­te bei den be­kann­ten Ri­si­ko­fak­to­ren für Früh­ge­bur­ten an­ge­setzt wer­den.

Quel­le: Brosco, J. et al.: JAMA Pe­diatrics (2013; doi: 10.1001/ja­ma­pe­diatrics.2013.1379)

Letzte Aktualisierung: 18.02.2021, BH
Anzeige
Anzeige