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Schwangere mt Therapeutin während der Geburtsvorbereitung mit Hypnose
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In­di­vi­du­el­le Ge­burts­vor­be­rei­tung mit Ge­burts­hyp­no­se

In­ter­view mit Su­san­ne Schmid


swiss­mom: Was ist Ge­burts­hyp­no­se ge­nau? Was kön­nen sich Schwan­ge­re dar­un­ter vor­stel­len?

Su­san­ne Schmid: Ge­burts­hyp­no­se ist eine alte und ef­fek­ti­ve Me­tho­de in der psy­cho­lo­gi­schen Ge­burts­vor­be­rei­tung und Ge­burts­hil­fe, mit Hil­fe de­ren sich eine schwan­ge­re Frau spä­ter sel­ber im­mer wie­der in ei­nen an­ge­neh­men Zu­stand der Ti­efen­ent­span­nung ver­set­zen kann. Es ist ge­nau ge­nom­men nichts an­de­res als eine Art Selbst­hyp­no­se. Bei der Ge­burts­hyp­no­se geht es dar­um, be­reits im Vor­feld durch aus­rei­chen­de In­for­ma­tio­nen zum Ge­burts­vor­gang Ängs­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken und so mög­li­che An­span­nun­gen zu lö­sen und das Ver­trau­en in den ei­ge­nen Kör­per zu stär­ken. Wie sich ein Spit­zen­sport­ler men­tal auf ei­nen Ma­ra­thon vor­be­rei­tet, be­rei­ten sich Frau­en mit der Ge­burts­hyp­no­se men­tal auf die Ge­burt ih­res Kin­des vor. Ge­ziel­te Atem- und Ent­span­nungs­tech­ni­ken un­ter­stütz­ten die Vor­be­rei­tung. Das Ziel ist, so früh als mög­lich mit dem Üben der Ent­span­nungs­se­quen­zen zu be­gin­nen. Nach je­der Hyp­no­se-Sit­zung wird an­hand von Hyp­no­se-CD’s zu Hau­se wei­ter ge­übt. Durch die Wie­der­ho­lung ver­tieft und ver­in­ner­licht die schwan­ge­re Frau die Me­tho­de und es fin­det eine po­si­ti­ve Kon­di­tio­nie­rung statt. Sie wird sen­si­bi­li­siert, hört und ver­traut auf ih­ren Kör­per. Durch die Kon­di­tio­nie­rung fällt das Ent­span­nen im­mer ein­fa­cher, die Ge­burts­we­hen sind leich­ter zu ver­at­men und die Ge­burts­dau­er kann si­gni­fi­kant ver­kürzt wer­den.

Zur Per­son

Susanne Schmid ist diplomierte Pflegefachfrau DN2 mit Schwerpunkt Kinder und diplomierte Hebamme HF. Momentan arbeitet sie im Spital Riggisberg. Sie bietet ambulante Wochenbettbesuche, Stillberatungen und individuelle Geburtsvorbereitung mit Geburtshypnose im Raum Bern an. 

swiss­mom: Was be­wirkt Hyp­no­se bei Schwan­ge­ren?

Su­san­ne Schmid:  Durch die Hyp­no­se oder Selbst­hyp­no­se kann ein tran­ce­ähn­li­cher Zu­stand her­bei­ge­führt wer­den. Sub­jek­tiv wird die­ser Zu­stand als Ti­efen­ent­span­nung emp­fun­den. Die Auf­merk­sam­keit wird stark nach in­nen ge­rich­tet und die Aus­sen­welt tritt in den Hin­ter­grund, ver­gleich­bar mit Tag­träu­men, Me­di­ta­ti­on oder ver­sun­ke­nem Le­sen. Sug­ges­tio­nen kön­nen in die­sem Zu­stand leich­ter an­ge­nom­men wer­den. Di­rek­te und in­di­rek­te Sug­ges­tio­nen er­mög­li­chen den Zu­gang zu ver­bor­ge­nen und un­be­wuss­ten Po­ten­tia­len. Die schwan­ge­re Frau er­fährt in Tran­ce, dass sie über vie­le wert­vol­le in­ne­re Res­sour­cen ver­fügt. Die Vor­be­rei­tung in der Schwan­ger­schaft mit Ge­burts­hyp­no­se er­mög­licht der schwan­ge­ren Frau, sich sel­ber im­mer wie­der schnell und ef­fek­tiv zu ent­span­nen. Sie lernt ih­ren Kör­per bes­ser ken­nen und wird sich ih­rer Fä­hig­keit und die ih­res Kör­pers be­wusst. Mit der Ge­burts­hyp­no­se hat die schwan­ge­re Frau ein ef­fi­zi­en­tes In­stru­ment un­ter der Ge­burt, auf das sie je­der­zeit zu­rück­grei­fen kann. Das ver­mit­telt Si­cher­heit, die Frau rich­tet ih­ren Fo­kus wie­der mehr auf sich und ihre ei­ge­ne Fä­hig­kei­ten. Das ist eine po­si­ti­ve Vor­aus­set­zung, dass sie sich nicht aus­ge­lie­fert und hilf­los fühlt.

swiss­mom: Hilft Hyp­no­se auch eine Schwan­ger­schaft ge­las­se­ner zu er­le­ben, z.B. nach ei­ner Fehl­ge­burt?

Su­san­ne Schmid: Ja. Schlech­te oder trau­ma­ti­sche Er­leb­nis­se und Er­fah­run­gen kön­nen durch die Ge­burts­hyp­no­se be­ar­bei­tet wer­den. Der Fo­kus wird auf das JETZT ge­rich­tet. Durch die Len­kung der Rich­tung der Auf­merk­sam­keit wer­den neue Res­sour­cen dazu ge­won­nen. Die wer­den­de Mut­ter lernt ihre ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten und Kräf­te ken­nen. Sie nimmt in­ten­si­ven Kon­takt mit ih­rem Kind auf. Sie kann sich un­be­las­te­ter auf Ihre Schwan­ger­schaft und die Ge­burt ein­las­sen. 

swiss­mom: Wie ist ein sol­cher Kurs auf­ge­baut?

Su­san­ne Schmid:

  1. Bei ei­nem Ge­spräch von ca. ei­ner Stun­de ler­nen wir uns ge­gen­sei­tig ken­nen. Das Tref­fen fin­det in Bern statt und ist un­ver­bind­lich. Es dient dazu, der Schwan­ge­ren oder dem Paar ei­nen ers­ten Ein­druck in die  Me­tho­de der Ge­burts­vor­be­rei­tung mit Ge­burts­hyp­no­se zu ge­ben. In den wei­te­ren vier Se­quen­zen wer­den fol­gen­de The­men ver­tieft:

  2. Tech­ni­ken zur schnel­len, an­ge­neh­men Ti­efen­ent­span­nung

  3. Kon­takt­auf­nah­me zum Kind för­dern

  4. Tech­ni­ken, wel­che an­alge­tisch (schmerz­lin­dernd) wirk­sam sind  

  5. men­ta­le Vor­be­rei­tung auf die Ge­burt 

Nach ei­ner Hyp­no­se-Sit­zung er­hält die schwan­ge­re Frau je­des Mal eine Hyp­no­se-CD, mit der sie zu Hau­se wei­ter ar­bei­tet. Alle 3-4 Wo­chen fin­det eine neue Sit­zung statt. Sie er­hält ein Ar­beits­hand­buch, wel­ches als Vor­la­ge dient. Es ist ge­nü­gend Zeit vor­han­den, um Fra­gen zu klä­ren. Ge­ziel­te Übun­gen wer­den in­stru­iert und durch­ge­führt, sie hel­fen bei der Ge­burts­vor­be­rei­tung und un­ter der Ge­burt. Der Part­ner ist herz­lich ein­ge­la­den, wenn er ger­ne da­bei sein möch­te. 

swiss­mom: Mit wel­chen Me­tho­den und wie ar­bei­ten Sie?

Su­san­ne Schmid: Zu­erst füh­re ich ein Ge­spräch mit der wer­den­den Mut­ter über ihr mo­men­ta­nes Be­fin­den. Er­fah­re wie sie sich ge­ra­de fühlt und kann ihre ak­tu­el­len Sor­gen oder Ängs­te auf­neh­men. Die ge­sam­mel­ten In­for­ma­tio­nen kann ich, je nach Be­darf, wäh­rend der  Hyp­no­se spie­le­risch ein­flies­sen las­sen, da­mit sie zu­sätz­lich be­ar­bei­tet wer­den kön­nen. Die schwan­ge­re Frau sitzt oder liegt wäh­rend der Hyp­no­se­sit­zung, so wie es ihr be­quem ist. Es gibt Frau­en, die für eine kur­ze Zeit so tief in der Ent­span­nung sind, dass sie für ei­nen Au­gen­blick weg­dö­sen, an­de­re wie­der­um sind sehr ent­spannt und kön­nen mei­ner Stim­me bis zum Schluss ganz auf­merk­sam zu­hö­ren. Spä­tes­tens dann, wenn ich die Hyp­no­se be­en­de, sind alle Frau­en hell­wach, füh­len sich aus­ge­ruht und vol­ler En­er­gie. Im Hin­ter­grund läuft sanft die Ge­burts­mu­sik. Die CD's, mit der die schwan­ge­re Frau zu Hau­se wei­ter übt, sind von mir be­spro­chen und mit der ab­ge­stimm­ten Ge­burts­mu­sik un­ter­legt. Eine CD be­inhal­tet nur die Ge­burts­mu­sik, wel­che die Schwan­ge­re als ei­nen star­ken An­ker beim Ge­bä­ren im Spi­tal zu­sätz­lich un­ter­stützt. An­ker sind ex­ter­ne Aus­lö­ser, wel­che eine in­ne­re Wir­kung her­vor­ru­fen.

swiss­mom: Wel­che Vor­tei­le bringt eine op­ti­ma­le Ge­burts­vor­be­rei­tung für den Ge­burts­ver­lauf und das Ge­burts­er­leb­nis?

Su­san­ne Schmid: Stu­di­en be­le­gen, dass die Hyp­no­se wäh­rend der Schwan­ger­schaft und un­ter der Ge­burt die Ge­burts­dau­er ver­kürzt. Die Frau er­lebt die Ge­burt be­wuss­ter und po­si­ti­ver und die Gabe von Schmerz­mit­tel kann re­du­ziert wer­den. In­ter­es­sant ist die Tat­sa­che, dass de­pres­si­ve Ver­stim­mun­gen im Wo­chen­bett we­ni­ger oft auf­tre­ten. Die schwan­ge­re Frau ver­traut auf sich und ih­ren Kör­per. Sie weiss, dass sie die Fä­hig­keit hat, ihr Kind si­cher und na­tür­lich auf die Welt zu brin­gen. Sie weiss, was sie will und was sie nicht will. Des­halb kann sie sich  ge­gen­über me­di­zi­ni­schen Fach­per­so­nen klar äus­sern. Der of­fe­ne Dia­log  zwi­schen dem wer­den­den El­tern­paar und der Heb­am­me oder dem Ge­burts­hel­fer ist ent­schei­dend, ob sich die Frau ernst ge­nom­men und nicht aus­ge­lie­fert fühlt.

swiss­mom: Wird die­ser Kurs von den Kran­ken­kas­sen an­er­kannt?

Su­san­ne Schmid: Der Kurs ist von den Kran­ken­kas­sen an­er­kannt.

Letzte Aktualisierung: 08.04.2020, BH
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